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Berlin will Drehgenehmigungen schneller möglich machen

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Für die Serie "Babylon Berlin" wurde vor dem Roten Rathaus in Mitte gedreht.

Für die Serie "Babylon Berlin" wurde vor dem Roten Rathaus in Mitte gedreht.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Filmemacher müssen in Berlin oft viel telefonieren, bevor sie eine Drehgenehmigung bekommen. Das soll künftig anders werden.

Berlin. Billy Bob Thornton wird es für „Role Play“ bald wieder tun, Mads Mikkelsen in „The King’s Land“ auch, Anya Taylor-Joy hat es für die Netflix-Serie „Das Damengambit“ bereits getan: Immer mehr Hollywood-Größen stehen in der deutschen Hauptstadt vor der Kamera. Im vergangenen Jahr zählten die Filmförderer vom Medienboard Berlin-Brandenburg rund 6000 Drehtage in Deutschlands einwohnerstärkster Stadt. „Jeder Film und jede Serie, die hier entstehen, sind eine tolle Werbung für unsere Stadt“, sagte Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) am Donnerstagmittag bei der Präsentation der Jahresbilanz für die Filmstadt Berlin.

Den Zahlen zufolge wird das Drehen von Bewegtbildern in der Stadt auch mehr und mehr zu einem Wirtschaftsfaktor. Wie das Medienboard mitteilte, habe die im vergangenen Jahr vergebene Filmförderung in Höhe von 33,6 Millionen Euro zu einem fünffach höheren Regionaleffekt geführt: Fünfmal so viel, also mehr als 184 Millionen Euro, seien deshalb von dem Filmschaffenden in Berlin und Brandenburg ausgegeben worden.

Berlin will zentrale Anlaufstelle für Dreharbeiten aufbauen

Damit das so bleibt, soll Berlin künftig noch filmfreundlicher werden. Giffey hatte das in ihrem Wahlkampf neben vielen anderen Themen auch zur Chefinnensache erklärt und lässt nun Taten folgen. Bereits für dieses Jahr seien einige Hunderttausend Euro im Haushalt dafür vorgesehen, um den Prozess zum Erhalten von Drehgenehmigungen in der Stadt zu evaluieren, sagte die Senatschefin. Auf Basis der Erkenntnisse solle dann im kommenden Jahr eine zentrale Anlaufstelle geschaffen werden. Dortige Mitarbeiter sollen sich dann für die Produktionsfirmen um Drehgenehmigungen in den jeweiligen Bezirken, bei Ämtern oder auch bei den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften bemühen. Dafür stehen laut Haushaltsplanung im Jahr 2023 rund 1,6 Millionen Euro zur Verfügung, sagte Giffey.

Berlin würde sich mit dem Verfahren an den internationalen Standard annähern. Auch in anderen gefragten Filmstädten auf der Welt wie New York, Los Angeles, London oder Paris würde es für die Filmemacher eine zentrale Anlaufstelle geben, die sich um die Genehmigungen für die Filmarbeiten kümmere, sagte Medienboard-Chefin Kirsten Niehuus der Morgenpost auf Nachfrage. Giffey sieht in dem Schritt deshalb auch einen Standortfaktor für die Filmwirtschaft. „Die Konkurrenz schläft nicht“, so die SPD-Politikerin, die zuletzt nach eigener Aussage den im vergangenen Jahr veröffentlichten Film „Ghostbusters: Legacy“ im Kino sah.

Viele Produktionen stellen mittlerweile für Netflix & Co. Inhalte her

In Berlin verdienen rund 50.000 Menschen mit dem Film ihr Geld. Tendenz steigend. Denn immer mehr Produktionen sorgen auch dafür, dass Filmcrews zum Teil monatelang beschäftigt sind. Einen Film zu drehen, dauere in vielen Fällen meist nur einen Monat, vor allem die aufwendigeren Serienproduktionen sorgten aber dafür, dass die Filmmitarbeiter häufig sogar drei Monate lang gebucht seien, so Niehuus. Serienproduktionen im Auftrag von Netflix, Amazon Prime Video & Co. werden dabei immer wichtiger für den Standort. Niehuus schätzte den Anteil der Drehs, die Inhalte für diese Plattformen herstellen, inzwischen auf etwa zwei Drittel.

Der allgemeine Fachkräftemangel allerdings macht auch vor der Filmbranche in Berlin nicht Halt. Nicht nur Maskenbildner zu finden, sei schwierig, erzählte Niehuus. Ein Problem der Branche seien darüber hinaus noch immer die als schwer mit einem Familienleben vereinbar geltenden Arbeitsbedingungen. Hinzu komme, dass Frauen vielfach noch immer schlechter bezahlt würden als ihre männlichen Kollegen. Die Regierende Bürgermeisterin wies auf einen Runden Tisch hin, der sich bereits seit der vergangenen Legislaturperiode mit diesen Fragen beschäftige. Auch das Kitaangebot in Berlin sei ein Standortvorteil. Giffey hält bessere Arbeitsbedingungen für zwingend nötig, auch um noch mehr Filmtalente in die deutsche Hauptstadt zu locken.

Deutsche Film- und Fernsehakademie bekommt einen neuen Standort

Dafür soll aber auch die renommierte Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) sorgen, die derzeit noch im Sony Center am Potsdamer Platz sitzt. Dort muss die Einrichtung aber raus. Ein neuer Standort sei nun endlich gefunden, sagte Giffey. Neue Heimat sollen Räume im „Decks“ am Friedrich-Kraus-Ufer direkt am Westhafenkanal werden. Dort auf dem ehemaligen ThyssenKrupp-Schulte-Gelände sollen dann auch moderne Produktionsstätten entstehen. „Das ist eine Riesen-Chance für Berlin“, so Giffey. Das Land unterstützt die DFFB in diesem und im nächsten Jahr mit rund 15 Millionen Euro.

Berlins Filmbranche hatte sich nach der Corona-Krise vergleichsweise schnell wieder erholt. Bereits im Sommer 2020 waren erste Dreharbeiten wieder losgegangen. Niehuus lobte die Anpassungs- und Innovationsfähigkeit der Branche. Erste Hygienekonzepte habe es schnell gegeben. Auch der Großteil der 100 Kinos in der Stadt habe dank öffentlicher Hilfe überlebt. Mit der kürzlich zu Ende gegangenen Sommer Berlinale hätte sich die Marke der Berliner Filmfestspiele verstetigt. Zuvor hatte es jahrzehntelang nur eine Ausgabe im Frühjahr gegeben – in häufig eher trübem Ambiente , so Niehuus. „Deswegen denken die meisten Leute, Cannes sei lustiger, nur, weil das Wetter besser ist“, scherzte die Medienboard-Chefin.