Film

Der Schurke als junger Mann: Die Minions sind zurück

| Lesedauer: 3 Minuten
Barbara Schweizerhof
Der junge Gru will eine Karriere als Bösewicht – weiß aber noch nicht genau, wie das geht.

Der junge Gru will eine Karriere als Bösewicht – weiß aber noch nicht genau, wie das geht.

Foto: Universal

Die gelben Gehilfen in den 1970er-Jahren: „Minions 2 - Auf der Suche nach dem Mini-Boss“

Das Schöne an den „Minions“ ist, dass man sie so schlecht beschreiben kann: gelbe, kegelartige Wesen in blauen Latzhosen mit einer Art Taucherbrillen vor den Augen, von denen sie mal ein, mal zwei haben. Das befremdliche Aussehen lädt unmittelbar dazu ein, dass man sie „vermenschlicht“, wie man das mit Zeichentrickfiguren, zumal aus dem Hause Disney, so gewohnt ist. Dass die „Minions“ – was im Englischen für „Gehilfen“ oder auch „Lakaien“ steht – zwar unpraktisch aussehen, sich aber stets mit wuseligem Eifer in ihre Projekte stürzen, macht das humorvolle Identifizieren einfacher. Zumal sie auch ganz gerne reden, nur dass man ihr seltsam spanisch-italienisch klingendes Kauderwelsch nicht versteht, es sei denn sie sagen: „Bananas!“ Oder „Otto!“. So heißt einer der Neuzugänge in diesem mittlerweile fünften Film dieses Kinouniversums, in dessen Mittelpunkt stets der Möchtegern-Superschurke Gru steht.

Dieser Gru ist in „Auf der Suche nach dem Mini-Boss“ zwar erst 11 Jahre alt – das Prequel spielt im Jahre 1976 –, aber in seiner Berufswahl schon sehr fixiert auf den Job des „Super-Schurken“. Von seinen Minions lässt er sich gerade schon einen Schurken-Unterschlupf in James-Bond-Bösewicht-Manier bauen, als ihn die Nachricht erreicht, dass das von ihm verehrte Schurkenteam der „Fiesen Sechs“ eine Stelle neu zu besetzen hat. Klar, dass Gru sich bewirbt, genauso klar, dass er beim Vorstellungsgespräch nicht ernst genommen wird, obwohl er den ihn begleitenden Minions extra verboten hatte, ihn „Mini-Boss“ zu rufen. Wütend über die erlittene Demütigung, stiehlt Gru den „Fiesen Sechs“ ein Amulett. Und im Rest des Films geht es dann darum, wer wem dieses Amulett wieder abjagt.

Der Plot ist nur ein Vorwand für jede Menge Spaß

Doch wer in einem „Minions“-Film den Plot verfolgt, macht etwas falsch. Das eigentliche Vergnügen nämlich bilden all die Nebenschauplätze und Umwege der Handlung. Wenn besagter Otto etwa den Auftrag hat, das Amulett sicher nach Hause zu bringen, dann aber abgelenkt wird von einer Geburtstagsfeier, die er durch das Fenster eines Nachbarhauses beobachtet. „Wie kann sich das Geburtstagskind nicht über den schönen Stein mit den Kulleraugen freuen?“, fragt sich Otto, macht dem Stein schöne Augen und tauscht das Amulett dafür ein. Nur blöd, dass er sich hinterher nicht mehr daran erinnert, in welchem Haus das war.

Gru wird entführt, die Minions müssen ihn auslösen, in die Jagd nach dem Amulett schaltet sich das Exmitglied der „Fiesen Sechs“, der „Knöchelknacker“ (gesprochen von Thomas Gottschalk) ein. Aber wie gesagt, der Plot ist nur der Anlass für ausgeklügelte Slapstick-Situationen und viele Gags, diesmal besonders auch über den Zeitgeist der 1970er-Jahre. Wobei „Minions“ zu jenem Filmgenre gehört, in dem die einzelnen Ideen einfallsreicher und lustiger scheinen als der Film als Ganzes: Von der Komödie „Is Was Doc?“ über Western und Agententhriller bis hin zum Superhelden-Drama wird Filmgeschichte parodiert, während die Minions ständig kreatives Chaos stiften. Langweilig wird es nie mit den Minions, auch wenn man den Film selbst hinterher schnell vergisst.

AnimationsfilmUSA 2020, 90 min., von Kyle Balda, Brad Ableson und Jonathan Del Val