Film

Die Prinzessin der Teleobjektive

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Ständig im Fokus: Diana, Princess of Wales

Ständig im Fokus: Diana, Princess of Wales

Foto: Nordpolaris

Eine eindrucksvolle Dokumentation über Lady Diana und ihr Leben in der Öffentlichkeit: „The Princess“

Am erstaunlichsten an diesem spannenden Dokumentarfilm ist vielleicht, dass es ihn nicht schon längst gibt. Denn das Leben von Diana, Princess of Wales, geboren 1961 als Diana Frances Spencer in Sandringham in der englischen Grafschaft Norfolk, ist auf der Leinwand und den Fernsehbildschirmen so umfangreich gewürdigt worden, dass die Liste locker einen ganzen Laptopbildschirm füllt – aber es handelt sich dabei fast ausschließlich um Spielfilme, eine große Kino-Dokumentation fehlte bislang. Nun hat sie Ed Perkins, der für seinen Kurzfilm „Black Sheep“ 2019 eine Oscar-Nominierung erhielt, vorgelegt. Wer meinte, hier eine sattsam bekannte, bereits von allen Seiten beleuchtete Geschichte erzählt zu bekommen, wird schnell eines Besseren belehrt. Das liegt am eigentlichen Hauptakteur des Films: den Medien.

Perkins verwendet allein Material aus der zeitgenössischen Berichterstattung und lässt die Journalistinnen und Journalisten zu Wort kommen, die damals keine Sekunde dieses Lebens undokumentiert lassen wollten. Diana kann als die meistabgebildete Person aller Zeiten gelten, von dem Moment an, als 1980 ihre Beziehung zu Prince Charles bekannt wurde. Wir sehen sie scheu und von der Aufmerksamkeit überwältigt zu ihrem roten Kleinwagen gehen – schon da sind die Teleobjektive der Fotografen so zahlreich, dass man sie nicht mehr zählen kann. Sie werden im Lauf des Films immer größer werden, so wie auch die Spekulationen auf der Tonspur immer abenteuerlicher und abwegiger werden. Ob es um Frisuren geht oder um die Kleiderwahl, um ihre Rolle an Charles’ Seite, um ihr Sexualleben oder ihr Verhältnis zu ihren Kindern: Es gibt nichts, was da thematisch ausgespart bliebe.

Und so offenbart sich im Spiegel dieses Lebensbildes auch die Geschichte einer entfesselten Öffentlichkeit, die ethische Grenzen nicht nur überschritten, sondern eingerissen hat. Ein Wunder fast, dass es Diana unter diesen Umständen gelungen ist, zu einer charismatischen, souveränen Persönlichkeit zu werden. Diese Entwicklung ist hier gut nachvollziehbar, wie auch die Schattenseiten des Lebens im Haus Windsor spürbar werden, bis zum furchtbaren Ende in einem Pariser Tunnel am 30. August 1997.

DokumentarfilmGB 2022 106 min., von Ed Perkins