Film

Ziemlich beste Freunde – Reloaded: „Skala von 1 bis 10“

| Lesedauer: 2 Minuten
Eberhard von Elterlein
Igor (Alexandre Jollien, l. ) und Louis (Bernard Campan) in „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“.

Igor (Alexandre Jollien, l. ) und Louis (Bernard Campan) in „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“.

Foto: X Verleih

Philosophischer Behinderter und dröger Bestatter werden Freunde: „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“, ein Roadmovie im Leichenwagen.

Aus diesem Film werden sicherlich viele Menschen mit einem Lächeln gehen. Weil er von einer unmöglichen Freundschaft erzählt, einer Freundschaft zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Die der Zufall zusammenführt und die dann feststellen, dass sie ähnlicher sind, als sie dachten, obwohl der Eine behindert ist und der Andere nicht. Und dass der eine – Griesgram – einen Panzer hat, den der andere – Lebenslustige – aufbricht. Und dass sie einander brauchen.

Klingt irgendwie bekannt? Ja, „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“ schwimmt ziemlich deutlich im Fahrwasser des Erfolgsfilms „Ziemlich beste Freunde“, nur dass der Behinderte hier nicht der bürgerlich Etablierte im Rollstuhl, sondern mit seiner spastischen Lähmung ein gesellschaftlicher Außenseiter ist, der mit seinem Dreirad Biogemüse ausfährt und ansonsten sehr allein ist.

Von Platon bis Nietzsche

Hätte Igor (Alexandre Jollien) nicht seine Philosophen von Platon bis Nietzsche, die ihm so manchen Spruch („Das Tragische ist allgegenwärtig“) zum Überleben geben, er hätte nur wenig Lebensfreude.

Der Trailer zum Film: „Glück auf einer Skala von 1 bis 10“

So spricht Igor auch fröhlich von einem „metaphysischen Experiment“, als er plötzlich putzmunter im Leichenwagen des humorlosen Bestatters Louis (Bernard Campan) auftaucht, der ihn zuvor auf der Straße angefahren und ins Krankenhaus gebracht hatte.

Dachte doch Louis, dass damit die Angelegenheit erledigt sei. Doch nun hat er den hartnäckigen Igor an seiner Seite auf der Fahrt von Lausanne nach Montpellier, der in ihm partout einen neuen Freund sieht. Was dann auch nach feuchtfröhlicher Junggesellinnen-Party und Bestattung mit überraschenden Einsichten wirklich so kommt.

Darsteller gleichzeitig Drehbuchautoren und Regisseure

Das ist tatsächlich sympathisch, zumal die beiden Hauptdarsteller gleichzeitig Regisseure und Drehbuchautoren sind und vor allem Jollien, ein seit Geburt an zerebraler Kinderlähmung leidender Philosoph, sich selbst spielt.

Man hätte sich nur gewünscht, dass ihre Geschichte weniger berechenbar und das klassische Roadmovie mal ungewöhnliche Wege gegangen wäre. Und sie zudem auf Klischees wie die Hure mit Herz oder die fürsorgliche Über-Mama verzichtet hätten. Dann wäre es eine ziemlich gute Komödie geworden.

Komödie F / CH 2022, 92 min., von Bernard Campan und Alexandre Jollien, mit Bernard Campan, Alexandre Jollien, Tiphaine Daviot