Theatertreffen

Danger Dan reißt das Publikum am Ende von den Sitzen

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Politisch engagierter Melancholiker: Danger Dan.

Politisch engagierter Melancholiker: Danger Dan.

Foto: Jens Büttner / picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt: Der Musiker legt bei seinem Auftritt im Haus der Berliner Festspiele ein furioses Solo hin

Seinen Künstlernamen findet er inzwischen etwas albern. „Guten Abend, ich bin Daniel“, sagt Danger Dan alias Daniel Pongratz am Sonntagabend im Haus der Berliner Festspiele und erzählt, dass „Danger Dan“ zu seinen inzwischen 38 Jahren wohl doch nicht mehr ganz so gut passe wie damals, in seinen Zwanzigern, als er von der Schule flog und beschloss, Musiker zu werden.

Er ist zum zweiten Mal in Folge beim Theatertreffen dabei, aber mit einem wichtigen Unterschied. 2021 sang er zum Abschluss des Festivals seinen Song „Lauf davon“ vor leeren Sitzreihen an der Schaperstraße, die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten sich pandemiebedingt nur digital zuschalten. Diesmal ist der Saal vollständig gefüllt, und für ihn ist es eine neue Erfahrung, vor sitzendem Publikum zu spielen. Er schlägt vor, dass man sich doch mal kurz links und rechts vorstellt, falls man die Nachbarn noch nicht kennt. Bei mir sind es Tine und Beate, beide bester Laune, so wie die Stimmung im Saal insgesamt.

Dabei sind die Songs, die fast allesamt vom Klaviersoloalbum „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ stammen, ja oft zutiefst melancholisch. Wie „Lauf davon“, mit dem Danger Dan beginnt und ans Vorjahr anknüpft. Einem jungen Mann, der sich bei „einer hippen Agentur, die sich sehr gut zu vermarkten weiß“ bewerben will, erscheint Lou Reed und rät zur titelgebenden Flucht: „Schwerer als reinzukommen, ist es wieder rauszukommen“. Das tut er dann auch. Er packt seine Tasche, landet in Bordeaux auf einem „Gästebett mit Kaffeefleck“, versucht später bei einem Lou-Reed-Konzert am Place de Quinconces über den Zaun zu steigen: „Natürlich wurden wir erwischt und von den flics verhauen / Das Pepperspray hat noch tagelang gebrannt in den Augen.“

Jungsein, ausbrechen, Regeln verletzen und sich Jahre später daran erinnern: Davon handeln viele dieser Lieder, auch zwei kürzere, in denen der zehn Jahre jüngere Danger Dan an sein späteres Ich schreibt und dann darauf antwortet. Dass sich das alles nicht zur sentimentalen Soße verdickt, hat zwei Gründe: Zum einen rutscht Danger Dan immer mal wieder in den eigenen Texten aus, verhaspelt sich oder setzt falsch ein, was sehr schöne Momente sind, weil er dann einfach loslacht. Und zum anderen sind da die politischen Songs des Albums, der berühmte mit der Kunstfreiheit natürlich, aber auch „Das schreckliche Buch“, der Beobachtungen von einer Querdenker-Demo in Berlin versammelt, die ein fiktiver Verleger dann ablehnt: „Das ist komplett neben der Spur, die ganze Storyline / Jetzt mal im Ernst, wer denkt sich sowas aus? Sorry, nein“.

Diese Musik ist eine sehr clever dosierte Mischung aus Wehmut und Wut, aus Albernheit und Lebensfreude. Stehende Ovationen am Ende. Wäre schon nicht schlecht, Danger Dan nächstes Jahr hier wiederzusehen.

( Felix Müller )