Konzert

Nostalgie pur: Smokie entführt in die Siebziger

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Pete Lincoln (l.) und Mick McConnell begeistern mit den Hits von Smokie.

Pete Lincoln (l.) und Mick McConnell begeistern mit den Hits von Smokie.

Foto: Christina Kratsch / DAVIDS/Christina Kratsch

Smokie begeistert mit ihrer „45th Anniversary Tour“ im Admiralspalast – auch, wenn kein Gründungsmitglied mehr auf der Bühne steht.

Sich noch einmal so richtig jung fühlen mit einer Reise in die Vergangenheit, das geht ganz leicht bei einem Konzert von Smokie. Man könnte zwar bei Melodien wie „Needles and Pins“ und „Don’t Play Your Rock’n’Roll to Me“ auch wehmütig werden, aber dafür hat die Band das passende Gegenmittel: Zum einen rocken die in die Jahre gekommenen Herren noch immer mit viel Leidenschaft, zum anderen sorgen sie mit ihrem britischen Humor für einige Lacher.

Publikum kommt schnell auf Betriebstemperatur

Pandemiebedingt verschoben, reichen Smokie mit der „45th Anniversary Tour“ in Berlin ihren 45. Geburtstag nach. Und die Band aus Yorkshire begeistert heute noch. Mit den Engländern wird es unverkennbar nostalgisch im Admiralspalast. Smokie hatten ihre Hochzeit schließlich in den Siebzigern. Damals noch mit Jeansoutfit und langer Friese. Nicht nur die Optik hat sich geändert. Nach vielen Umbesetzungen steht auch kein Gründungsmitglied mehr auf der Bühne, nachdem Bassist Terry Uttley im vergangenen Dezember gestorben ist. Aber Smokie haben immer noch den Sound aus den Anfangstagen, wie sie zum Auftakt mit dem rockigen „I’ll Meet You at Midnight“ beweisen. So kommt das Publikum schnell auf Betriebstemperatur und feiert die Band enthusiastisch.

Durch gleich zwei Neubesetzungen hat sich das Quartett jetzt zum Quintett erweitert. Pete Lincoln, der vorher bei The Sweet und Sailor mitmischte, ist nun Sänger und Rhythmusgitarrist. Der 66-Jährige witzelt, dass er für seinen neuen Job unfassbar viel Text lernen musste. Und das in seinem Alter! Er ist überzeugt, dass die Damen in den ersten Reihen jeden Songtext besser kennen als er. Ein klarer Fall von britischem Understatement. Denn natürlich ist Lincoln textsicher.

Ebenfalls neu am Bass dabei ist Luke Bullard, der Sohn von Keyboarder Michael Bullard. Er wirkt wie eine Frischzellenkur unter den Silberrücken. Vielleicht ist er ja auch die Zukunft der Band. Denn wenn bei Smokie etwas beständig ist, dann der Wandel. Nur bei den Songs ist man sich seit den Siebzigern treu geblieben.

Einige ihrer erfolgreichsten stammen aus der Hitschmiede von Nicky Chin und Mike Chapmann, die für ihren Glam-Rock-Sound berühmt waren. Wie „Lay Back in the Arms of Someone“. Bei dem rockig-flockigen Schmachtfetzen fangen erste Paare denn auch an, dezent zu kuscheln. Andere wiederum singen voller Inbrunst mit.

Fans sind mit der Band alt geworden

Überhaupt ist die Stimmung im Admiralspalast blendend. Die meisten Fans sind mit der Band alt geworden. Sie stören sich nicht daran, dass es seit über einem Vierteljahrhundert nicht mehr Chris Norman ist, der „Mexican Girl“, „For a Few Dollars More“ und „Take Good Care of my Baby“ als Medley singt. Zumal Pete Lincoln am Mikrofon definitiv überzeugt.

Selbstredend hat auch er diese leicht rauchige Stimme, die den Bandsound prägt. Die Dramaturgie des Abends läuft aber natürlich auf den größten Smokie-Hit hinaus: „Living Next Door to Alice“. Der wird auf und vor der Bühne hingebungsvoll zelebriert. Mit strahlenden Gesichtern überall.