Bühne

Wie Gregor Gysi zum Ensemble der „Rocky Horror Show“ kam

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„Ich wusste nicht, was auf mich zukam“: Gregor Gysi.

„Ich wusste nicht, was auf mich zukam“: Gregor Gysi.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Gregor Gysi wird als Erzähler im Admiralspalast auftreten. Ein Gespräch über Stilbrüche, Musicals und Krawatten

Ein Politiker in ungewohnter Rolle: Gregor Gysi (Linke) wird vom 8.-10. März in „Richard O’Briens Rocky Horror Show“ im Berliner Admiralspalast als Erzähler auftreten – an anderen Abenden ist Schauspieler Sky du Mont zu sehen. Was verbindet ihn mit der Geschichte um den sexbesessenen Wissenschaftler Frank N. Furter?

Herr Gysi, Sie werden als Musical-Erzähler in der „Rocky Horror Show“ im Admiralspalast auftreten. Wie ist es dazu gekommen?

Jemand hat mich gefragt, ob ich das übernehmen möchte. Ich fand das eine schöne Idee, zumal ich überhaupt nicht wusste, worauf ich mich dabei einlasse. Ich kenne ja nur solche Musicals wie „Anatevka oder Der Fiedler auf dem Dach“. Als die „Rocky Horror Show“ 1973 in London uraufgeführt wurde, war ich Anwalt in Ost-Berlin und mit anderen Dingen beschäftigt.

Sie sind also kein Musicalmensch?

Nein. Ich habe mich in den vergangenen Jahren zum Opernliebhaber entwickelt, damit können die meisten Musicals für mich nicht mithalten. Ich bewundere Anna Netrebko und freue mich darauf, sie bald wieder in der Staatsoper hören zu können. Aber ein paar Mal bin ich doch in Musicals gewesen. Als es die DDR noch gab, wurde einmal „Cats“ aus Hamburg in der Komischen Oper gespielt. Die Karte hatte mir ein Freund besorgt. Wir wurden durch eine Absperrung geleitet, weil der Andrang an dem Abend so groß war. Vorher hatte es eine Amnestie in der DDR gegeben, und mein Freund meinte mit Blick auf den Hype um die Karten, es wimmle hier offenbar nicht nur von Verbrechern, sondern auch von Verrückten. Später habe ich einmal mit meiner Tochter den „König der Löwen“ in Hamburg besucht, das war eigentlich ganz schön.

Was wird genau Ihre Rolle sein?

Ich bin eine Art Conferencier, der die Geschichte von Frank N. Furter und seinen bizarren Experimenten vorträgt. Ich weiß noch nicht genau, was ich anziehe. Wahrscheinlich wird es ein dunkler Anzug mit roter Krawatte. Oder eine Fliege! Ich möchte die Schauspieler und das Publikum auf diese Weise konterkarieren.

Ein Stilbruch also.

Ja, wobei ich mit Stilbrüchen um ihrer selbst willen nichts anfangen kann. Ich würde zum Beispiel im Deutschen Bundestag nie in Lederhose aufkreuzen, die ich auch gar nicht besitze.

Wie viel Zeit werden Sie für die Proben investieren?

Wir treffen uns am Nachmittag vor der Aufführung zu einer Probe.

Bei der Rocky Horror Show ist damit zu rechnen, dass man Sie mit Klopapier bewirft.

Das mag sein. Aber ich finde das gut. In den USA wurde während der Pandemie der Whisky knapp, in Frankreich der Cognac. In Deutschland das Klopapier. Es freut mich, wenn man auf diese Weise für mich vorsorgt.

Ist mit weiteren Bühnenauftritten von Ihnen zu rechnen?

Ich plane keine Laufbahn als Schauspieler und erst recht nicht als Sänger. Sänge ich, wäre der Saal sofort leer. Wissen Sie, ich habe vier Berufe: Ich bin Rechtsanwalt, Moderator, Autor und Politiker, das füllt mich aus. Und dennoch kann ich eine Menge aus der Erzählerrolle lernen – ich werde ja sehen, wie das Publikum reagiert. Deshalb freue ich mich darauf, klüger aus diesem Abend herauszukommen.