Performance

Auf Schleichwegen durch die Deutsche Oper

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Im „Sisyphos“-Hof der Deutschen Oper – neben den Müllcontainern – wird Samir Odeh-Tamimis „Ballett“ aufgeführt.

Im „Sisyphos“-Hof der Deutschen Oper – neben den Müllcontainern – wird Samir Odeh-Tamimis „Ballett“ aufgeführt.

Foto: Thomas Aurin

Die Musikperformance „Once to be realised“ beginnt auf dem Götz-Friedrich-Platz, führt durch die Kantine bis hin zur Tischlerei.

Es ist eine Performance, zu der das Publikum warme Handschuhe mitbringen sollte. Denn nach allen Kontrollen gilt es zunächst einmal geduldig auf dem Götz-Friedrich-Platz vor der Deutschen Oper zu warten. Das Publikum wird per Bändchen am Handgelenk in eine blaue und eine gelbe Gruppe aufgeteilt. Ein Tipp vorab: Die Blauen haben den besseren Weg durch die warme Kantine, wohingegen die Gelben von draußen durch die Scheiben hindurch Samir Odeh-Tamimis selbstzerstörerisches Klavierstück beobachten müssen. Erst als die griechische Pianistin Lenio Liatsou erschöpft und reglos über der Brüstung liegt, zieht das Publikum weiter.

Es ist eine Koproduktion mit der Münchener Biennale

Als eine Art Sightseeingtour wird das Projekt „Once to be realised“ bezeichnet. Das ist künstlerisch gedacht, rein praktisch geht es auf Schleichwegen vom Götz-Friedrich-Platz durch die Kantine über den Hof vorbei an Müllcontainern bis hin zur Tischlerei. Dort befindet sich der wandelbare Ort, an dem das Opernhaus zeitgenössische Projekte ausprobiert. Diesmal ist es eine Koproduktion mit der Münchener Biennale.

Moderne Musikprojekte brauchen ihren selbst gesetzten Rahmen. In dem Fall tauchen die Macher in den Kosmos des griechischen Komponisten Jani Christou ein. In seinem Spätwerk hatte er Elemente der Theater-, Performance- und Installationskunst mit Musik zusammen geführt. Genau genommen geht es in der Deutschen Oper jetzt um seine Entwürfe, denn der Nachkriegskomponist war 1970 im Alter von 44 Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Fünf Jahrzehnte später hat man sich einige seiner rund 130 hinterlassenen ästhetischen Notizen vorgenommen und zum Leben erweckt.

Im statuarischen Charakter einer antiken Aufführung

Die teilweise namhaften Komponisten Beat Furrer, Barblina Meierhans, Olga Neuwirth, Samir Odeh-Tamimi, Younghi Pagh-Paan und Christian Wolff können das Publikum mit kontrastreichen Formaten zwischen Konzert, Musiktheater und Performance überraschen. In der zweiten Vorstellung fiel allerdings Neuwirths Stück „CoronAtion“ aus technischen Gründen weg. Die artifiziellen Stücke – bei denen das Publikum in der Tischlerei zunächst erhöht, nach der Pause unterhalb der Bühne sitzt –, leben vom statuarischen Charakter einer antik anmutenden Aufführung. Selbst die Schweizer Dirigentin Cordula Bürgi wird in Michail Marmarinos’ Inszenierung wie eine Statue durch den Raum geschoben. Die Texte sind auf Deutsch, Englisch, Altgriechisch und einem nachempfundenen Altphönizisch.

Darüber hinaus gibt es eine lange Liste von Künstlern und Mitarbeitern, die die Performance quer durchs Haus möglich machen. Großen Eindruck hinterlassen Sopranistin Pia Davila, Tänzerin Sofia Pintzou und das Grazer Vokalensemble Cantando Admont. Die Performance dauert zweieinhalb Stunden.