Berliner Opern

Staatsoper musste sechs Sänger neu besetzen

| Lesedauer: 4 Minuten
Volker Blech
„Ariadne auf Naxos“ an der Staatsoper

„Ariadne auf Naxos“ an der Staatsoper

Foto: Monika Rittershaus

Wegen Krankheit fallen in Berliner Opernhäusern reihenweise Sänger aus. In der „Ariadne“ an der Staatsoper wurden sechs Solisten umbesetzt.

Auf Facebook warb Thomas Guggeis, Shootingstar unter den jungen Dirigenten, kurzfristig für eine Opernaufführung, in die der 29-Jährige für einen Kollegen einsprang. „Liebe Freunde, herzliche Einladung zu Ariadne morgen @StaatsoperBerlin! Wegen Karten gerne bei mir via Messenger melden:)“ Es geht um Richard Strauss’ Oper „Ariadne auf Naxos“, die eine üppige Sängerbesetzung erfordert. In ihrem Kommentar auf Facebook fragte Olga Peretyatko, ein international gefeierter Sopranstar, nach: „Wer singt, wenn bei euch alle krank sind?“ In der gegenwärtigen Corona-Lage eine berechtigte Frage. Die erste von drei „Ariadne“-Vorstellungen fand am Donnerstag statt, aber neben dem Dirigenten mussten sechs Sänger und Sängerinnen umbesetzt werden.

„Es zeigt, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen“, sagt Staatsopern-Intendant Matthias Schulz und hüllt sich in Zuversicht. „Es war eine hochinteressante Veranstaltung gewesen, Dreiviertel der Hauptrollen sind ausgetauscht worden. Nur ein kleiner Teil der ursprünglichen Besetzung hat gesungen.“

Es gab normale Krankheitsfälle, aber auch Corona-Fälle

Für die Umbesetzungen habe es aber unterschiedliche Gründe gegeben, so der Intendant. „Es gab ganz normale Krankheitsfälle und Leute, die aufgrund von Quarantäne-Situationen nicht anreisen konnten. Aber es gab auch Corona-Fälle.“ In der Vorstellung am Sonnabend wird noch einmal diese Besetzung zu erleben sein, aber am 29. Januar soll „der ein oder andere der Ursprungsbesetzung dabei sein.“

An der Staatsoper habe man bisher Glück gehabt, sagt Schulz, „weil wir keine Ballungen im Orchester oder im Chor hatten. Wir konnten alle Fälle rechtzeitig isolieren.“ Vor einer Woche noch dachte er, dass es schwer werde, die Vorstellungen zu halten. „Aber es gibt auf hohem Niveau eine gewisse Entspannung.“ Und wenn, wie in der Requisite zwei Leute ausfallen, haben andere mehr zu tun.

Orchester, Chor und Sänger gehören zu Schutzgruppen

„Wir haben Schutzgruppen“, erklärt Schulz das Prozedere. „Dazu gehören das Orchester, der Chor und alle, die auf der Bühne agieren. Diese Schutzgruppen haben drei Mal pro Woche einen PCR-Test. Das wird sehr streng gehandhabt.“ Als dramatisch will der Intendant die Lage nicht bezeichnen. „Aber man hat Sorgen, wenn man sieht, dass wir Karten nur kurzfristig verkaufen können und das internationale Publikum fehlt. Überhaupt ist das Publikum zögerlicher geworden.“ Man frage sich, wie schnell und wie gut der Betrieb wieder normal werden könne. Bis dahin gilt die Ansage: „Wir spielen normal weiter.“

Die Deutsche Oper hatte die Reißleine gezogen und eine Woche lang ihre große Bühne dicht gemacht. „Aufgrund von Infektionsgeschehen in den Ensembles können leider die für die ,Zwerg’-Wiederaufnahme notwendigen Proben nicht stattfinden“, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Vorstellungen am 15., 21. und 28. Januar wurden abgesagt, ebenso „Die Zauberflöte“. Am Sonnabend findet Verdis „Aida“ konzertant statt, die Vorstellung am Montag ist abgesagt. Man fokussiert sich auf die Premiere von „Antikrist“ am 30. Januar.

Der dezimierte Opernchor sang auf der Bühne mit Maske

An der Komischen Oper gab es eine denkwürdige Wiederaufnahme von Jacques Offenbachs Oper „Les Contes d’Hoffmann“ in der Regie von Barrie Kosky. 19 Mitglieder des Chores fielen an diesem Abend aus. Sie waren entweder krank oder in Quarantäne. Die übrigen sangen mit Maske. Was in der Weinstube von Lutter & Wegener seltsam ist. Die Vorstellung am Freitag wurde kurzfristig abgesagt. Die Komische Oper hält an der Premiere von Glucks „Orpheus und Eurydike“ am Sonntag fest. Diese Oper fordert nur eine kleine Solistenschar, allerdings einen Chor.