Deutsche Oper

Dirigent Donald Runnicles zum Ritter geschlagen

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Volker Blech
Der britische Thronfolger Prinz Charles hat den Berliner Dirigenten Sir Donald Runnicles auf Schloss Windsor zum Ritter geschlagen.

Der britische Thronfolger Prinz Charles hat den Berliner Dirigenten Sir Donald Runnicles auf Schloss Windsor zum Ritter geschlagen.

Foto: Dominic Lipinski / PA

Prinz Charles hat den Generalmusikdirektor der Deutschen Oper, Donald Runnicles, in Windsor Castle zum Ritter geschlagen.

Es ist eine große alte Tradition, wobei im Mittelalter der Ritterschlag gleich auf dem Schlachtfeld stattfinden konnte. Es erhöhte für spätere Schlachten beiläufig die Überlebenschancen, weil ein wohlhabender gefangener Krieger ein Lösegeld versprach. Heute sind die Ritter auf anderen Feldern unterwegs. Im Vereinigten Königreich ist der Ritterschlag eine erhalten gebliebene Auszeichnung für besondere Leistungen in Wissenschaft, Kultur oder Sport, die ausschließlich durch den jeweils amtierenden britischen Monarchen verliehen wird. Und wenn die Queen einmal verhindert ist, dann übernimmt Prinz Charles diesen feierlichen Initiationsritus. Der älteste Sohn der Königin und Thronfolger hat Donald Runnicles, den Generalmusikdirektor der Deutschen Oper Berlin, in Windsor Castle zum Ritter geschlagen.

Die Verkündung des britischen Adelstitels „Knight Bachelor“ hatte bereits ein Jahr zuvor stattgefunden. Der Dirigent war vom britischen Botschafter in Berlin vorsorglich angerufen worden, ob er die Auszeichnung annehmen würde. Er habe nicht lange überlegt, sagte Runnicles damals. Außer den Briefbögen habe sich auch nicht viel verändert, scherzte Sir Donald. Aber der Ritterschlag zog sich wegen der pandemischen Lage und den eingeschränkten Reisemöglichkeiten lange hin. Am 15. Dezember fand er auf Schloss Windsor statt.

Vor Sir Donald erhielt Lewis Hamilton seinen Ritterschlag

„Ich hatte ausnahmsweise in der Woche frei und bin mit meiner Frau Adelle, inzwischen Lady Adelle Runnicles, nach London geflogen. Wegen der Coronabestimmungen sind wir einen Tag früher angereist“, erzählt Sir Donald: „Gegen 11 Uhr an diesem Mittwoch sind wir erschienen, aber nicht die Königin, sondern Prince Charles hat mit dem Schwert vor mir gestanden. Was mich sehr gefreut hat, weil wir uns bereits in San Francisco kennengelernt hatten. Ich bin ihm auch schon in Glyndebourne begegnet. Prince Charles ist ein großer Opernliebhaber, ein Kenner.“

Die Fotos eines ebenfalls an diesem Tag vor Prinz Charles Knieenden gingen bereits um die Welt. „An dem Tag waren wir nur zwei, die den Ritterschlag bekommen haben. Vor mir wurde Lewis Hamilton, ein Superstar der Formel 1, geadelt. Es war überhaupt das erste Mal seit Monaten, dass insgesamt 80 Leute in dem Rahmen geehrt wurden“, sagt Donald Runnicles und fügt hinzu: „Ich habe mich nur kurz mit Lewis Hamilton unterhalten. Es wartete eine große Menge von Journalisten auf ihn.“ Jeder Geehrte durfte nur einen ihm nahestehenden Menschen zur Zeremonie mitbringen. Auf dem Foto von Donald Runnicles ist im Hintergrund seine Ehefrau Adelle zu entdecken. Lewis Hamilton war von seiner Mutter begleitet worden.

Viele werden sich fragen, was sich dabei hinter den Schlosskulissen noch alles abspielt. „Das Ganze war fantastisch choreographiert und organisiert. Genau genommen ist es eine Inszenierung“, sagt der Wagner-Dirigent. „Es gab ein Vorgespräch, wo uns von einem entzückenden Herrn beschrieben wurde, wie alles abläuft, wie man angesprochen wird und wie man zu seinem Platz kommt. Denn man kniet sich wirklich nieder und erhält rechts und links mit dem Schwert den sogenannten Ritterschlag. Während dieses Vorgangs wird nicht gesprochen. Danach steht man wieder auf, und normalerweise würde es jetzt einen Handschlag geben, aber wegen Corona geht man auf Nummer sicher. Die Zeremonie ist wirklich sehr streng, aber sehr angenehm organisiert.“

Windsor Castle ist das britische Vorzeige-Schloss, vergleichbar mit dem prächtigen Versailles in Frankreich. Und Schloss Windsor ist neben dem Buckingham Palace in London und dem Holyrood Palace in Edinburgh eine der offiziellen Hauptresidenzen der britischen Monarchie. „Ich war zum ersten Mal in Windsor Castle. Das ist wie eine Reise um Jahrhunderte zurück“, sagt Sir Donald. „Wenn man die Netflix-Serie ,Crown’ kennt, ich liebe die Serie übrigens sehr, dann hat man eine Vorstellung davon. Aber die Realität ist noch viel überwältigender.“

Die Ehrung erhielt Donald Runnicles, der 1954 in Edinburgh geboren wurde, für sein künstlerischen Wirken im Ausland. „Es ist als Begründung angesagt worden: for Services in Music“, sagt der Dirigent: „Speziell geht es um die Deutsche Oper Berlin, aber auch um meine Verdienste an der San Francisco Opera.“ Darum sei es auch in dem angenehmen, kurzen Gespräch mit dem zukünftigen König gegangen. „Er hat mich begrüßt und sich darüber gefreut, dass ich von San Francisco nach Berlin – und nun nach Windsor Castle gekommen bin. Wir haben über Oper gesprochen, er ist ein großer Wagner-Fan. Das wusste ich bisher nicht.“ Auch über den neuen ,Ring’ an der Deutschen Oper haben die Beiden kurz gesprochen. Nun berichteten andere bereits von ihren wunderbaren, auch witzigen Gesprächen mit Prinz Charles. Verbindlicher Small Talk gehört sicherlich zur Stellenbeschreibung eines modernen Monarchen.

Prinz Charles bezeichnet sich als Wagner-Liebhaber

„Prince Charles wusste, dass ich Generalmusikdirektor in Berlin bin. Und das wusste er nicht nur, weil er vorher gute Notizen bekommen hat“, sagt Sir Donald. „Er fragte nach der neuen Inszenierung und sagte, er würde gerne nach Berlin kommen. Außerdem erzählte er, dass er ein Wagner-Liebhaber sei und beschrieb seine Leidenschaft etwa so: Er leide auch darunter. Das haben wir gemeinsam. Es war ein sehr entspanntes Gespräch.“

Männliche Knights stellen ihrem Namen das Prädikat Sir voran, weibliche Knights benutzen das Prädikat Dame. „Der Titel bleibt bei mir, er kann nicht von meinen Kindern geerbt werden“, sagt Sir Donald. „Ich bereue nur, dass meine Eltern es nicht mehr miterlebt haben. Meine Familie stammt aus Edinburgh, der schottischen Hauptstadt. Am Anfang gab es nur meine Träume. Dass mich meine Musik so weit in die Welt hinausgeführt hat und mein Wirken jetzt im eigenen Land von der königlichen Familie anerkannt wird, ist ein Privileg.“

Den Nachmittag hatte das Ehepaar Runnicles noch in Windsor verbracht. „Nach der Zeremonie wollten wir einige Andenken an diesen wichtigen Tag kaufen. Auch schottische Läden gibt es dort“, sagt Sir Donald. „Windsor ist so entzückend, dort ist nichts auf alt gemacht, es ist wirklich so alt. Wir saßen in einem der ältesten Pubs überhaupt, der so um die 500 Jahre existiert.“

Auf die Frage, ob er jetzt die Privatnummer von Prinz Charles habe, lacht der Dirigent. Und von Verpflichtungen sei ihm nichts bekannt. „Wahrscheinlich muss ich mich immer gut benehmen.“ Aber dann fügt Sir Donald doch noch standesgemäß hinzu: „Ich gelte jetzt gewissermaßen als Botschafter für das Land. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich dort geboren wurde.“