Neu im Kino

Wenn ein Mönch Facebook entdeckt: „Sing Me A Song“

Eberhard von Elterlein
In der harten Realität gelandet: Der Mönch Peyangkin (l.) trifft seine Facebook-Bekanntschaft Ugyen erstmals persönlich.

In der harten Realität gelandet: Der Mönch Peyangkin (l.) trifft seine Facebook-Bekanntschaft Ugyen erstmals persönlich.

Foto: Real Fiction Filme

Ein buddhistischer Mönch verliebt sich im Internet in eine hübsche Sängerin – und lässt sein altes Leben hinter sich. Mit Folgen.

Ein kleiner Junge hüpft von einem Bein auf dem anderen eine sehr bergige Straße entlang und schlägt dabei Rad. Ein normaler Achtjähriger eigentlich, trüge er nicht eine Glatze und rote Mönchskleidung, denn wir befinden uns in den Bergen Bhutans, und das Leben von Peyangkin im Dienste Buddhas ist damit schon vorgezeichnet.

Nur: Zehn Jahre später hat auch der Himalaya-Staat als letzter Flecken der Erde Internet, und Peyangkin, mittlerweile 18, hat sich über WeChat, das chinesische Facebook, in die Karaoke-Sängerin Ugyen verliebt, die ihm über das Handy Liebeslieder singt, während er doch eigentlich Gebete lernen und Konzentration üben sollte. Doch als er die Angebetete in der Stadt Thimphu besucht, ist auf einmal alles anders.

Smartphones bringen alle aus dem Rhythmus

„Sing me a Song“ klingt wie ein klassisches Spielfilmdrama über die Verführung durch die sozialen Medien, ist aber tatsächlich ein wunderbarer Dokumentarfilm, in dem der französische Regisseur Thomas Balmés einfach jene Geschichte weitererzählt, die er 2013 mit „Happiness“ begann.

Damals beobachtete er mit dem jungen Peyangkin den Einzug der Zivilisation in Bhutans einsame Berge – und nun, zehn Jahre später, zeigt er das Ergebnis. In eleganten Bildkompositionen und ohne Off-Kommentare zeigt Balmés so gelassen wie eindringlich, wie Smartphones Menschen aus ihrer Umgebung reißen. Nicht nur die betenden Mönche in den Bergen, auch die tanzenden Karaoke-Mädchen in der Stadt – sie kommen alle gleichsam aus dem Rhythmus.