Bühne

Melanie Herzig inszeniert „Pinocchio“ in der Komödie

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Plötzlich Vater – einer lebendigen Holzfigur: Gepetto (Emanuel Jessel)

Plötzlich Vater – einer lebendigen Holzfigur: Gepetto (Emanuel Jessel)

Foto: Metodi Popow / Komödie

Das traditionelle Weihnachtsmusical greift diesmal auf den berühmten Roman von Carlo Collodi zurück – zur Freude der Kinder.

Berlin. Sich einen passenden Vornamen auszudenken, ist eine Kunst. Dass „Pizza Salami“ und „Pinot Grigio“ in die Überlegungen einfließen, ist aber sicherlich Gepettos Aufregung geschuldet. Es geschieht schließlich nicht alle Tage, dass eine große Holzpuppe über Nacht lebendig wird. Da er die Puppe aus Pinienholz geschnitzt hat, entscheidet sich Gepetto für Pinocchio. Als frischgebackener Vater kann er sein Glück kaum fassen. Schon immer hat er sich einen Sohn gewünscht. Um ihm einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, verkauft Gepetto alles, was er entbehren kann, damit Pinocchio auf die Schule gehen kann. Wenn der hölzerne Lausbub fleißig ist und seinem Vater keinen Kummer macht, kann er vielleicht eines Tages ein richtiger Junge werden. Das hat ihm die gute Fee versprochen. Vorher aber muss Pinocchio noch einige Abenteuer bestehen.

In der Weihnachtszeit steht in der Komödie traditionell ein Musical für die ganze Familie auf dem Programm. Diesmal feierte „Pinocchio“ nach dem berühmten Roman von Carlo Collodi Premiere und begeisterte Menschen ab vier. Christian Berg hat die Geschichte von Italiens bekanntester Märchenfigur für die Bühne adaptiert und Liedermacher Konstantin Wecker hat dafür mitreißende Songs komponiert. Für den Soundtrack ließ er übrigens der toskanischen Heimat von Collodi inspirieren. Was man den federleichten Songs anhört. Wie „Buon Giorno Pinocchio“ kommen sie meist zweisprachig mit einem unverkennbaren italienischen Flair daher.

Liebevoll inszeniertes Musical

Melanie Herzig hat das Singspiel vor einer eher schlichten, wenngleich pittoresk gemalten Kulisse liebevoll inszeniert. Die Regisseurin zeigt dabei ein großes Herz für Kinder, die an verschiedensten Stellen lautstark mitmachen dürfen. Etwa, wenn sie Pinocchio (Sonja Grenz) erzählen, wie es in der Schule ist. Dabei hat die Holzpuppe überhaupt keine Lust, lesen oder rechnen zu lernen. Sie findet es viel spannender, mit Fuchs Amadeo (Mattis Nolte) und Kater Cherubino (Nadine Stiebel) ins Puppentheater zu gehen. Wobei Pinocchio von dem betrügerischen Duo ausgetrickst und an den Theaterdirektor verkauft wird, der ihn in einen Käfig steckt. Mit einer sprechenden Puppe lässt sich nämlich viel Geld verdienen.

Die Fee (Nura Mundy) befreit Pinocchio aus der misslichen Lage. Erleichtert verspricht der neunmalkluge Bengel hoch und heilig, sich zu bessern. Und nicht mehr zu lügen, nachdem ihm beim Schwindeln eine lange Nase gewachsen ist. Aber das Leben lässt sich nicht mal eben bis kurz nach sieben erlernen, wie Pinocchio hofft. Voller Sorge hat sich Gepetto (Emanuel Jessel) auf die Suche nach seinem Sohn gemacht. Pinocchio folgt ihm und erkennt erst auf seiner langen Reise, wer seine echten Freunde sind. Dabei landet er sogar im Bauch eines Walfischs. Doch stets tatkräftig von den Kindern im Publikum unterstützt, kann er zu guter Letzt frohgemut „Danke Papa“ singen.

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater, Bismarckstr. 110, Charlottenburg, Tel. 88 59 11 88, 11., 18., 27. 28.12. um 15 Uhr, 12., 25. 26.12. um 14.30 Uhr, 19.12. um 11 Uhr