Konzert

Wolfgang Niedecken spielt Bob Dylan im Columbia Theater

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Wolfgang Niedecken ist dem heutigen Literaturnobelpreisträger mehrfach begegnet.

Wolfgang Niedecken ist dem heutigen Literaturnobelpreisträger mehrfach begegnet.

Foto: Tina Niedecken

Mit persönlichen Anekdoten und einer Verneigung vor dem großen Musiker gelingt ein ergreifender Abend

Ein bisschen Rock’n’Roll soll ja sein auf einem Konzert von Wolfgang Niedecken. Daher kommt erst mal ein knackiges „Are You Ready!“ Doch dann steigt der Kölner Kultmusiker mitnichten mit einem Song ein, sondern liest erst mal ein bisschen. Und dann folgt mit „Sintflut“ ein eher ruhiges Lied. Macht nichts. Der Song ist nämlich einfach schön. Und dazu erklingt eine Mundharmonika, die der von Bob Dylan ziemlich nahe kommt.

Was perfekt passt. Denn der 70-Jährige erzählt unter dem Titel „Niedecken liest singt Bob Dylan“ äußerst launig von seiner persönlichen Verbindung zu Bob Dylan, seinem Idol, dem er mehrfach begegnet ist. Und zwar im Columbia Theater, wobei der BAP-Frontmann über den Auftrittsort scherzt: „Wusste gar nicht, dass es das gibt.“ Ist ja auch das Zusatzkonzert vor dem ursprünglich einzigen angesetzten Termin am 1. Advent in der Passionskirche, der ratzfatz ausverkauft war.

Als er erstmals Dylan hörte, traf es ihn wie ein Blitz

Roter Faden des Abends sind Geschichten aus seinem Buch „Wolfgang Niedecken über Bob Dylan“. Aber selbstredend covert Niedecken auch Dylan-Songs. Darunter berühmte wie „The Times They Are A-Changing“. Die markante Singstimme mit dem unverwechselbaren Timbre kennt man natürlich. Dass Niedecken aber auch eine begnadete Erzählstimme hat, beweist er jetzt. Er verwebt dabei biografische Rückblenden mit Dylans Schaffen, das ihn bis heute prägt. Und verrät, dass es ihn mit 15 Jahren wie ein Blitz getroffen hat, als er zum ersten Mal Dylans „Like a Rolling Stone“ hörte. Klar, dass der Song auf der Setlist steht und live mächtig groovt.

Wolfgang Niedecken performt seinen Dylan gradlinig, sehr entspannt und erdig zur Akustikgitarre. Begleitet wird er dabei von seinem Freund, dem Pianisten Mike Herting. Den kennt er schon länger, als BAP existiert. Damals war Niedecken noch der Maler und Herting der Musiker. Nun veredelt sein Tastenspiel die Songs des Literatur-Nobelpreisträgers.

Schon 1995 hat sich Wolfgang Niedecken Songs von Bob Dylan auf dem Album „Leopardenfell“ zu eigen gemacht und darin den originalen Texten Kölsche Übersetzungen zur Seite gestellt. Wie auch jetzt wieder in „Du gehst nirgendwo hin“, das er sogar noch mit ein paar bayerischen Zeilen anreichert.

Ganz in Kölsch genießen kann man indes „Songs sinn Dräume“, inspiriert von einem Satz in Bob Dylans Biografie „Chronicles“: „Songs sind Träume, die man wahr zu machen versucht. Sie sind wie fremde Länder, die man bereist.“ Und der Vollblutmusiker Wolfgang Niedecken verführt sein Publikum mit wahrer Leidenschaft in eben jene Gefilde.