Klassik

Festkonzert mit etwas Barfeeling

Volker Blech
Geigerin Lisa Batiashvili und Dirigent Robin Ticciati beim Deutschen Symphonie-Orchester.

Geigerin Lisa Batiashvili und Dirigent Robin Ticciati beim Deutschen Symphonie-Orchester.

Foto: Volker Blech

Das Deutsche Symphonie-Orchester feierte sein 75-jähriges Bestehen mit Robin Ticciati fast ausgelassen in der Philharmonie.

Wenn es bei dem Festkonzert ein Statement gab, dann das Bekenntnis zur ausgelassenen Vielseitigkeit. Das Deutsche Symphonie-Orchester (DSO) feierte in der Philharmonie sein 75-jähriges Bestehen und streifte musikalisch den Kontinent. Bereits Ralph Vaughan Williams’ Fantasie über ein Thema von Thomas Tallis verführte in renaissancehafter, fast zärtlicher Klangsinnlichkeit des geteilten Streicherapparats. Robin Ticciati kann als Chefdirigent Farben und Stimmungen aus seinem Orchester herauszukitzeln, zumal wenn es very british zugeht.

Auch Sir George Benjamin, der Composer in Residence beim DSO war, ist ein Landsmann Ticciatis. Benjamins „Sudden Time“ für großes Orchester ist ein auskomponierter Traum, der sich in albtraumhafte Dimensionen steigert und auf fast irrwitzige Weise - mit solistischen Ausbruchsversuchen - um sich selbst kreist. Es war das ambitionierte zeitgenössische Stück des Festabends.

Dvořák steht für das Transatlantische in der Orchestergeschichte

Als Rias-Symphonie-Orchester war das DSO am 15. November 1946 gegründet worden. Die Verbeugung vor Amerika blieb vermisst, immerhin Antonín Dvořáks Scherzo capriccioso für Orchester sollte das Transatlantische andeuten. Dvořák komponierte bekanntlich aus der Neuen Welt. In sein schwungvolles Scherzo hinein spülten Pianist Rolf Zielke und Cellist Stephan Braun ihre weichen Jazz-Improvisationen. Manchmal war es eher Barstimmung als Festakt. Das Publikum war von dem Rausschmeißer in die Pause begeistert.

Die georgische Geigerin Lisa Batiashvili ist eine Bühnenerscheinung, die jede große Gala ziert. Und sie findet immer den richtigen Ton. Auch bei Ernest Chaussons „Poème“ kann sie mit ihrer irisierenden Virtuosität überwältigen. Mit Richard Strauss’ „Don Juan“ im Finale geht Robin Ticciati noch einmal auf Nummer sicher. Dieser Don Juan ist eher ein Getriebener mit melancholischen Züge. Viel Jubel am Ende.