Kultur

Museum der Zukunft: Wie Häuser digitaler werden wollen

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Charlotte Bauer
Max Hollein (Metropolitan Museum of Art, links) und Hermann Parzinger (Stiftung Preußischer Kulturbesitz).

Max Hollein (Metropolitan Museum of Art, links) und Hermann Parzinger (Stiftung Preußischer Kulturbesitz).

Foto: Stiftung St. Matthäus / Stefanie Heider

Max Hollein und Hermann Panziger diskutierten in der Neuen Nationalgalerie über Herausforderungen der Museumslandschaft

Wie kommen Museen mit Krisen klar, wie wird es mit Kulturquartieren generell weitergehen? Darüber diskutierten am Donnerstagabend Max Hollein, Direktor des New Yorker Metropolitan Museum of Art, und Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Moderiert wurde das Gespräch in der Neuen Nationalgalerie von Lisa Zeitz, Chefredakteurin des Magazins „Weltkunst“. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Projekts „Utopie Kulturforum“ statt.

Ein wesentliches Thema war, wie die Museen mit den fehlenden Einnahmen durch die coronabedingten Schließungen umgehen. Parzinger betonte, dass die Einnahmen sehr wichtig für die Museen seien, auch zur Deckung ihrer Betriebskosten – auch wenn glücklicherweise ein Großteil durch den Bund kompensiert wurde. „Viel deprimierender war es jedoch für die Kuratoren: Kaum konnten sie eine Ausstellung eröffnen, kam die Pandemie dazwischen“, sagte Parzinger. „Das ist natürlich frustrierend.“ Doch die Pandemie habe auch einen positiven Effekt gehabt. Was gut angenommen wurde, so Parzinger, sei das „Museum 4punkt0“ gewesen. Ziel dieser Grundlagenstudie sei es gewesen, das Verhalten der Besucherinnen und Besucher mit allen Anreizen, Bedürfnissen und Herausforderungen besser zu verstehen. Im Rahmen dieses Projektes wurden auch verschiedenste Tools wie etwa Apps, Websites oder Virtual-Reality-Sequenzen entwickelt. Die Ergebnisse sollen in Kürze auf der Internetseite veröffentlich werden.

Ausstellungseröffnungen auch virtuell zugänglich

Die Digitalisierung spielt in den Museen eine große Rolle. In allen 19 Häusern, die zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz gehören, sei man aktuell dabei, den Bestand zu digitalisieren. „Das läuft auch ganz gut“, sagte Parzinger. Im Ethnologischen Museum etwa seien bereits 60.000-80.000 Objekte digitalisiert. Am weitesten sei allerdings das Münzkabinett, wo im Rahmen des Schinkelprojektes ein Großteil des Bestandes digital zugänglich gemacht werde. Ein großes Problem bei der Digitalisierung sei jedoch, dass solche Vorhaben als Projekte durchgeführt werden, die nur auf eine gewisse Zeit befristet seien. Das sei nicht nachhaltig und man müsse solche Vorhaben stattdessen in einer Dauerhaftigkeit umsetzen. Das müsse sich dringend ändern, so Parzinger.

Im Metropolitan Museum in New York hingegen sei man da schon weiter voraus, berichtete Max Hollein. Schon vor der Corona-Pandemie war bereits ein Großteil der Bestände digitalisiert. Dennoch habe man auch hier das Angebot noch weiter ausgeweitet. „Wir sind enorm expandiert, und zwar in den digitalen Raum“, berichtete der Museumsdirektor. Seit neustem würden die meistens Ausstellungseröffnungen auch virtuell übertragen werden. Dieses Angebot würde auch gut angenommen werden.

Weiter ging es in dem Gespräch unter anderem auch um die Planung des Museums des 20. Jahrhunderts. Gegen Ende sprach Moderatorin Zeitz noch die Herausforderung im Umgang mit der Rückgabe von Leihgaben und Raubkunst an. Als Stichwort dafür fielen die Benin-Bronzen. Parzinger sieht darin auch eine große Chance. „Grundsätzlich können dadurch auch Kooperationen entstehen“, sagte der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Schlusswort hatte Hollein: „Wir sollten nicht nur das teilen, was wir wissen, sondern auch das, was wir nicht wissen. Vielleicht ist das sogar spannender.“