Ausstellung

Märkisches Museum - Das wilde Leben auf zwei Rädern

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Zukunftsvisionen: Ein Simulator gibt ein Gefühl davon, wie es sein könnte, mit dem Fahrrad zu fliegen.

Zukunftsvisionen: Ein Simulator gibt ein Gefühl davon, wie es sein könnte, mit dem Fahrrad zu fliegen.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Eine Ausstellung im Märkischen Museum widmet sich dem Fahrrad als Kulturgut – und zeigt die internationale Vielfalt der Szene.

Wer Tod Seelies Bilder vom jährlich stattfindenden New Yorker „Bike Kill“ sieht, wähnt sich schnell in eine apokalyptische Welt voller wilder Gestalten versetzt. Manche der Teilnehmer tragen von der Weltraumsaga „Star Wars“ inspirierte Kostüme, andere erinnern an den Joker aus Batman. Noch exzentrischer wirken die Gerätschaften, auf denen das Volk unterwegs ist, sogenannte Mutantenräder: die abenteuerlichsten Konstruktionen zwischen Hoch- und Kleinrad, auf denen manche der Fahrer mehr zu liegen als zu sitzen scheinen. Beim Sonnenuntergang werden einige von ihnen, der Höhepunkt des „Bike Kills“, mit gepolsterten Lanzen aufeinander zurasen wie mittelalterliche Ritter.

Die gemeinsam von Stadtmuseum Berlin und vom Museum für Subkulturen veranstaltete Ausstellung „Easy Rider Road Show“ eröffnet viele spannende Perspektiven auf das Fahrrad als Kulturgut und Kommunikationsmittel – und spart auch subversive Phänomene wie den Bike Kill nicht aus. Wer im vergangenen Sommer in Berlin unterwegs war, wird vielleicht das eine oder andere Motiv wiedererkennen – denn die „Easy Rider Road Show“ tourte da bereits mit Lastenrädern durch die Stadt – eigentlich eine coronabedingte Notlösung, die sich zugleich als spannendes neues Format erwies.

Die Ausstellung ist mit spürbarer Begeisterung an der Sache inszeniert. Aus Mexiko-Stadt sind Bilder zu sehen, die zeigen, wie sich ehemalige Gangmitglieder mit aufwendig geschmückten Fahrrädern im „Chilangos Lowbike Club“ von der Kriminalität abgewendet haben. Auch in London hat sich unter dem Titel „BikeStormZ“ eine Bewegung versammelt, die gerade junge Menschen auf den richtigen Lebenspfad zurückhelfen will. Und in Berlin liefern sich Gladiatoren auf stachelbewehrten Konstruktionen Zweikämpfe, die dem New Yorker Vorbild in nichts nachstehen. Zahlreiche Objekte wie ein historischer Heimtrainer oder sogar ein gefiedertes Fahrrad zeugen von der Liebe der Menschen zum Fahrrad. Der Verkehrswende in Berlin ist ein eigener Raum gewidmet.

Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5, Mitte. 13.11.-27.3.2022. www.stadtmuseum.de