Schloss Bellevue

Bundespräsident Steinmeier räumt sein Schloss um

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Volker Blech
Im Schloss Bellevue präsentiert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den der Aufklärung gewidmeten Salon Voltaire.

Im Schloss Bellevue präsentiert Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den der Aufklärung gewidmeten Salon Voltaire.

Foto: Reto Klar

Frank-Walter Steinmeier hat die Kunst neu sortiert und stellt Salons für Voltaire, Schinkel, Varnhagen und die Brüder Humboldt vor.

Berlin. Beim Flanieren durchs Schloss Bellevue fragt man sich schon, was in einem – sagen wir mal – wenig demokratischen Staatsoberhaupt aus Afrika oder Asien vorgeht, wenn er unseren ersten Mann im Staate in seinem Amtssitz besucht und sich plötzlich in einem Salon wiederfindet, in dem der blutvollen Deutschen Revolution von 1848/49 gedacht wird. Revolutionen werden bekanntlich nicht überall geschätzt und historisch bewertet. Der Robert-Blum-Saal war in Erinnerung an den Verleger, Demokraten und Freiheitskämpfer bereits im vergangenen November eingerichtet worden. Am Freitag hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vier weitere Räume eingeweiht. Großartigerweise sind in der „neuakzentuierten Kunstausstattung“ auch viel Widerspruchsgeist und Bildungslust verborgen.

„Um die Aussagekraft von Schloss Bellevue als Repräsentationsort der Demokratie noch deutlicher herauszustellen, haben wir einige neue Akzentuierungen vorgenommen, die an die Wurzeln und Verzweigungen der deutschen Aufklärungs-, Freiheits- und Demokratiegeschichte erinnern“, sagte Steinmeier bei der Präsentation. Natürlich muss es im alten Preußen-Schloss von 1785, in dem sich gestalterisch zuerst der Hochadel verewigt hatte, auch um Friedrich II. gehen. Aber im früheren Gartensalon, der jetzt Salon Voltaire heißt, wird sich dem Monarchen durchaus auf hintergründige Weise genähert. Denn die Epoche der Aufklärung in Preußen wurde von widerstreitenden Akteuren geprägt. Die Beziehungsgeschichte von Friedrich II. und dem französischen Philosophen Voltaire gehört heute zum bildungsbürgerlichen Kanon. Auch wenn die beiden sich nach allerlei Querelen bei Hofe überwarfen.

Die jüdische Aufklärung ist ins Schloss Bellevue eingezogen

Preußen nahm aufklärerische Impulse an. „Zwei besonders herausragende Vertreter dieses Preußen, Immanuel Kant und Moses Mendelssohn, haben jetzt ebenfalls ihren Platz im Schloss“, sagte Steinmeier. Ihre Bildnisse hängen dicht neben Friedrich II. und Voltaire. Das ist durchaus bemerkenswert. Mendelssohn war zentrale Figur der jüdischen Aufklärung (Haskala) und Vorbild für Lessings Theaterstück „Nathan der Weise“. 1777 hatte sich Mendelssohn aufgemacht, um den großen Kant an seiner Universität in Königsberg zu besuchen. Studenten konnten erleben, wie ihr Professor einem Juden die Hand reichte. Ein neues Zeitalter war angebrochen. Friedrich II. hingegen verhinderte, dass Mendelssohn in die Preußische Akademie der Wissenschaften aufgenommen wurde. So weit reichte seine Aufklärung noch nicht.

„Der Beitrag jüdischer Gelehrsamkeit und insbesondere der selbstbewusste, ja emanzipierte Beitrag jüdischer Frauen“, so der Bundespräsident, solle künftig im Schloss Bellevue zu Hause sein. Der Damensalon heißt jetzt Salon Rahel Varnhagen und erinnert an die jüdischen Berliner Debattiersalons, die um 1800 herum eine wichtige Rolle spielten. Auch eine Tieck-Büste des damaligen Hoftheater-Stars Friederike Bethmann-Unzelmann ist aufgestellt. Auf ihre kecke Frisur wird beim Rundgang verwiesen, diese gilt als ein Beleg für die frühe Emanzipation.

Im bisherigen Musikzimmer ist jetzt der Karl-Friedrich-Schinkel-Salon untergebracht, in dem man seine Zeichnungen vom Schauspielhaus oder des Alten Museums sehen kann. Im Südflügel des Schlosses, genau in den Räumen, in denen zuletzt noch Bundespräsident Horst Köhler mit seiner Frau wohnte, ist der neue Gebrüder-Humboldt-Salon verortet. Dieses kleine Humboldt-Forum zeigt Porträts, eine Buch-Erstausgabe und 39 Gesteinsproben, die der Forschungsreisende Alexander von Humboldt auf seinen Reisen gesammelt hat.