Raubkunst

Deutschland will alle Benin-Bronzen übereignen

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Sam Olukoya, Kristin Palitza und Gerd Roth
Deutschland und Nigeria haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Rückgabe von mehr als 1000 aus dem ehemaligen Königreich Benin geraubte Bronzen 2022 an Nigeria vorsehen könnte.

Deutschland und Nigeria haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Rückgabe von mehr als 1000 aus dem ehemaligen Königreich Benin geraubte Bronzen 2022 an Nigeria vorsehen könnte.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Die kunstvollen Benin-Bronzen stehen aktuell im Zentrum heftiger Debatten. Es sollen weiterhin Objekte in Deutschland gezeigt werden.

Mit einem beispiellosen Schritt will Deutschland die Eigentumsrechte an den als Raubgut aus der Kolonialzeit geltenden Benin-Bronzen den nigerianischen Verhandlungspartnern übereignen. In einer Absichtserklärung (Memorandum of understanding) wurden die Eckpunkte dafür von Vertretern beider Seiten in der nigerianischen Hauptstadt Abuja unterzeichnet. Zudem sind weiter „substanzielle Rückgaben“ vorgesehen. Einzelheiten sollen beim nächsten Treffen voraussichtlich im Dezember vereinbart werden, wie die Deutsche Presse-Agentur in Berlin aus der Verhandlungsdelegation erfuhr.

Die kunstvollen Benin-Bronzen stehen aktuell im Zentrum heftiger Debatten. Die Objekte stammen aus den britischen Plünderungen des Jahres 1897. Es sind Kunstwerke aus dem Palast des damaligen Königreichs Benin. Rund 1100 Bronzen sind in deutschen Museen zu finden, auch im Berliner Humboldt Forum sollen sie gezeigt werden. Die wichtigsten Bestände sind zu finden im Linden-Museum (Stuttgart), dem Museum am Rothenbaum (Hamburg), dem Rautenstrauch-Joest-Museum (Köln), den Völkerkundemuseen Dresden/Leipzig sowie dem Ethnologischen Museum in Berlin.

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Die Absichtserklärung sei von der deutschen Delegation und nigerianischen Vertretern am Mittwoch in Abuja unterzeichnet worden, teilte der Informations- und Kulturminister des westafrikanischen Landes, Alhaji Lai Mohammed, am Donnerstag mit. „Die deutsche Regierung und das deutsche Volk haben einen mutigen Schritt gemacht, indem sie sich bereit erklärt haben, die Artefakte freiwillig und ohne großen Zwang von Seiten Nigerias zurückzugeben“, sagte der Minister.

Für das Auswärtigen Amt hatte der für Kulturpolitik zuständige Abteilungsleiter Andreas Görgen die Gespräche geleitet. „Wir wollten den Weg auch mit Blick auf eine neue Bundesregierung vorbereiten, damit dann auf politischer Ebene eine Vereinbarung getroffen werden kann über den Zeitplan, über die Frage der Regulierung der Objekte und über die Unterstützung, die wir leisten wollen in dem großen Feld der Zusammenarbeit, das eben von Archäologie über Ausbildung von Museumsmanagern über mögliche Investitionen in kulturelle Infrastruktur bis zu Rückgaben geht“, sagte Görgen. „Wir sind uns einig, dass der zu Rückgaben führende Prozess im zweiten Quartal des nächsten Jahres mit Eigentumsübergang an den Objekten beginnen soll.“ Zudem gebe es eine Übereinstimmung mit allen nigerianischen Seiten, dass alle daran interessiert seien, dass weiterhin Objekte in Deutschland gezeigt werden.

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( dpa )