Opus Klassik

Der Preis offenbart Generationswechsel im Klassikbetrieb

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Volker Blech
Nachwuchspreis für Sängerin Fatma Said.

Nachwuchspreis für Sängerin Fatma Said.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Das ZDF übertrug die „Opus Klassik“-Verleihung aus dem Konzerthaus. Ein Bericht zur Lage des Klassikbetriebs.

Wenn das ZDF am späten Sonntagabend die Verleihung der „Opus Klassik“-Preise aus dem Konzerthaus überträgt, dann ist das so etwas wie der offizielle Bericht zur Lage der Klassiknation. Zusammenfassend könnte man sagen: Der Generationswechsel ist vollzogen. Viele jüngere Musiker machen atemberaubende Karrieren, und es ist schön, die Kreativität der Preisträger mitzuerleben. Möglicherweise konnte auch von den Altmeistern keiner kommen, weil nach der Pandemie alle wieder in der Welt unterwegs sind. Der Berliner Stargeiger Daniel Hope durfte mit seinen 48 Jahren am Sonntag für sich in Anspruch nehmen, zu den Erfahrensten zu gehören. Hope ist in den „Sonderpreis der Jury für besondere Leistungen“ hineingewachsen, nachdem er in der Pandemie sein Wohnzimmer leergeräumt hatte, um mit unzähligen Musikern zu spielen. Er bedankte sich dafür auch bei seiner Ehefrau.

Opernsängerin Reri Grist für ihr Lebenswerk geehrt

Die Solidarität in der Pandemie war ein Thema des Abends. Überhaupt war bei der Übertragung zu erahnen, wie glücklich man beim öffentlich-rechtlichen Sender gewesen sein muss, im Klassikbetrieb jene Globalität, Diversität und politische Korrektheit vorzufinden, mit der sich die deutsche Gesellschaft ansonsten schwerer tut. Die 89-jährige Opernsängerin Reri Grist wurde für ihr Lebenswerk geehrt. Als eine der ersten afroamerikanischen Sängerinnen gelang ihr eine internationale Karriere im Opern- und Konzertbereich. Sie grüßte per Video.

Und die vor zwölf Jahren von Kairo nach Berlin gekommene Sopranistin Fatma Said entführte mit dem Lied „Aatini Al Naya Wa Ghanni“ in die arabische Musikwelt. Aufgeregt wirkte die 30-Jährige, als sie von ihrer Studienzeit erzählte, wo sie immer auf den Stufen des Konzerthauses saß und träumte.

Das Fernsehen misstraut der Popularität der Klassikstars

Bereits der ZDF-Vorspann zur Preisverleihung machte deutlich, wer die eigentlichen Live-Stars des Abends waren: die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva, der irisch-deutsche Geiger Daniel Hope und der polnische Tenor Piotr Beczała. Alle Preisträger bedankten sich aufrichtig. Der seit 2018 vergebene „Opus Klassik“ hat an Bedeutung zurückgewonnen, was der „Echo“-Vorgängerpreis wegen eines Antisemitismusskandals verloren hatte.

Offenbar aber misstraut das Fernsehen der Popularität der Klassikstars, weshalb Schauspieler wie Christian Berkel oder Julia Koschitz als Laudatoren das TV-Publikum zum Dranbleiben animierten. Schauspielerin Désirée Nosbusch hatte die Moderation von Thomas Gottschalk übernommen und sich gut vorbereitet. Natürlich verströmt sie nicht Gottschalks Schlagfertigkeit, aber Désirée Nosbusch ist eine gute Wahl.