Hauptrolle Berlin

Ein Film, der nur unter Aufsicht eines Clans möglich war

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Peter Zander
Sherry Hormann mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Foyer des Zoo Palastes.

Sherry Hormann mit Morgenpost-Redakteur Peter Zander im Foyer des Zoo Palastes.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

Sherry Hormann stellte in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ noch einmal ihren Film „Nur eine Frau“ über den Mord an Hatun Sürücü vor.

Mit „Nur eine Frau“ hat Sherry Hormann einen anklagenden, aber auch großartigen Film über den sogenannten „Ehrenmord“ an Hatun Sürücü gedreht: ganz aus der Sicht der Toten erzählt, die damit wieder eine Stimme bekommt. Den Film, der vor zweieinhalb Jahren in die Kinos kam, hat Hormann am gestrigen Dienstag noch einmal im Zoo Palast in der Filmreihe „Hauptrolle Berlin“ gezeigt, die die Berliner Morgenpost gemeinsam mit dem Kino veranstaltet.

Ein Film von dauernder, brisanter Aktualität

Der Film hat nichts von seiner Gültigkeit verloren, hat im Gegenteil, nach einer ähnlichen Gewalttat erst vor wenigen Monaten in Berlin, wieder traurige Aktualität. Seither wird diskutiert, das Unwort vom „Ehrenmord“ nicht länger zu benutzen, auch nicht in Anführungszeichen, sondern ihn durch ein anderen Begriff zu ersetzen: Femizid. Da aber geht Sherry Hormann nicht ganz mit, wie sie gestern vor der Vorführung des Films bekannte. Femizid meine einfach Tötung von Frauen, dieser Fall aber, wo Familien sich gegen eigene Töchter und Schwestern richten, sei noch mal ganz speziell und müsse einen eigenen Begriff bekommen.

Lesen Sie hier: So entstand der Film „Nur eine Frau“

Hormann hat, um ihren Film so authentisch wie möglich zu machen, an Originalschauplätzen gedreht. Und ja, auch diese Frage beantwortet sie klar, das Team sei dabei auch beobachtet worden. Und ja, es gab auch Widerstand. Dass die Stadtteile unter Clans aufgeteilt seien, wisse inzwischen ja jeder. Sie musste sich vor einem solchen sogar rechtfertigen. Und eins der größten Probleme war nicht, dass sie sich aus einem anderen Kulturkreis kommend anmaßte, einen Film über eine kurdisch-sunnitische Familie zu drehen. Sondern – dass sie eine Frau war.

Die Regisseurin hätte nie gedacht, dass sie heute noch darüber diskutieren müsse. Sie konnte den Clan am Ende überzeugen. Und auch vor Ort drehen. Der Clan hat ihr sogar eine Security zur Seite gestellt, ohne die der Dreh wohl nicht möglich gewesen wäre. Auch das, meint Sherry Hormann, sei Berlin. Dass es solche Morde gibt, mache sie unendlich traurig. Und trotz des schrecklichen Themas musste sie den Film einfach machen. Sonst, meinte sie, müsse sie eine Therapie machen.

Als nächstes wird in der Filmreihe am 2. November „Vorwärts immer“ gezeigt. Zu Gast ist dann Hauptdarsteller Jörg Schüttauf.