Berlin Art Week

Die Kunst kehrt mit Macht und Vielfalt zurück

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Felix Müller
Clemens Krauss, Selbstportrait als Kind, 2017

Clemens Krauss, Selbstportrait als Kind, 2017

Foto: Bernd Borchardt / B. Borchardt, courtesy Galerie CRONE Berlin | Wien

Von Malerei bis Sound: In der kommenden Woche wird die Hauptstadt mit der Berlin Art Week wieder zum Zentrum zeitgenössischer Arbeiten

Es ist ein Jubiläum, das nach dem Pandemiejahr 2020 mit besonderer Erleichterung begangen werden kann. Zum zehnten Mal präsentieren im Rahmen der Berlin Art Week vom 15.-19. September die Institutionen der zeitgenössischen Kunst, Kunstmessen, Galerien Privatsammlungen und viele weitere Akteure ein fast unübersehbares Programm in der ganzen Stadt. Bei seiner gestrigen Präsentation in Anwesenheit von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne), deren Verwaltungen die Art Week mit 550.000 Euro fördern, wurden die ersten Höhepunkte sichtbar.

Dazu gehören natürlich die Ausstellungen in den großen Häusern. In der Akademie der Künste werden in der Gruppenausstellung mit dem Titel „Nothingtoseeness“ die ganz großen Namen der Gegenwartskunst versammelt, darunter Arbeiten der derzeit auch in der Neuen Nationalgalerie ausstellenden Rosa Barba, des Dänen Ólafur Elíasson oder von Katharina Grosse, deren wilde Farbflächen bis zum Januar im Hamburger Bahnhof erlebt werden konnten. Hier ist aber mit mehr Zurückhaltung zu rechnen: Die inhaltliche Klammer der Schau ist der Umgang mit der Farbe Weiß, mit Leere und mit Stille.

Im Hamburger Bahnhof wiederum werden traditionsgemäß die Nominierten des diesjährigen Preises der Nationalgalerie zu erleben sein: der Klangkünstler Lamin Fofana, das den städtischen Raum erforschende Duo Calla Henkel und Max Pitegoff, Sandra Mujinga mit ihren faszinierend-flüchtigen Installationen und die Videoinstallationen von Sung Tieu. Spannend verspricht auch die Einzelausstellung des österreichischen Künstlers und Psychoanalytikers Clemens Krauss zu werden, der das Haus am Lützowplatz in einen Parcours verwandelt hat und dort in einem abgetrennten Raum Performances in Form von 90-minütigen Gruppensitzungen mit bis zu zwölf Gästen durchführen wird. Im Gropius Bau wird eine Soundinstallation des nigerianischen Künstlers Emeka Ogboh den Lichthof bespielen, die Berlinische Galerie wartet mit den Installationen der aus Polen stammenden Künstlerin Alija Kwade auf.

„The New Infinity“ heißt erneut das Programm der Berliner Festspiele, bei der die gewölbte Projektionsfläche des Zeiss-Großplanetariums an der Prenzlauer Allee zur Leinwand für Videokunst, aber auch zum Resonanzraum musikalischer Interventionen werden wird. Die Berliner Festspiele erproben diese Kunsterlebnisse bereits seit 2017, als im sogenannten Mobile Dome auf dem Kreuzberger Mariannenplatz die Arbeiten zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler zu sehen waren.

Hinzu kommen Ausstellungen in Privatsammlungen und Projekträumen, die bereits am Donnerstag startende Positions Berlin Art Fair im Flughafen Tempelhof und das am 17. September eröffnende Gallery Weekend, das sich unter dem Titel „Discoveries“ in diesem Jahr bislang wenig bekannten Kunstschaffenden widmet. Zu schweigen vom umfangreichen Programm im KW Institute of Contemporary Art. Wer zwischendurch verschnaufen will, kann das im neu geschaffenen Treffpunkt „BAW Garten“ vor dem Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst in Neukölln tun.