Globe Berlin

Zwei Königinnen und ihre Einsamkeit

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Graf Leicester (Anselm Lipgens) ist der langjährige Günstling Elisabeths (Saskia von Winterfeld).

Graf Leicester (Anselm Lipgens) ist der langjährige Günstling Elisabeths (Saskia von Winterfeld).

Foto: Thorsten Wulff

Mit Schillers „Maria Stuart“ in einer auf vier Figuren konzentrierten Fassung kann das Globe Berlin überzeugen.

Schon lange bevor Maria Stuart und Elisabeth Tudor aufeinander treffen, zeichnet sich ein schlagfertiges Duell zwischen ihnen ab. Das lässt aber erst mal auf sich warten. Denn obwohl die Schottin Maria seit 19 Jahren im englischen Knast hockt, sind sich die beiden Königinnen noch nie persönlich begegnet. Eigentlich war die Gatten-Mörderin nach England geflohen, um Schutz zu erbitten. Doch Elisabeth sieht in der Katholikin eine Rivalin um den englischen Thron. Gilt sie selbst als Protestantin doch vielen als illegitime Herrscherin. Daher muss Elisabeth permanent um ihr Leben fürchten. Ein Zustand, den sie mit der Hinrichtung ihrer Konkurrentin beenden könnte. Noch schreckt sie davor zurück, weil sie nicht als Mörderin dastehen möchte.

Doch Marias Todesurteil ist längst gefällt, bevor das Drama losgeht. Eigentlich müssten die beiden Frauen Schwestern im Geiste sein, weil sie gemeinsam stark wären. Aber äußere Zwänge machen sie zu Feindinnen. Ein Dilemma - und das große Thema von Friedrich von Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“, das man als Klassiker mit riesiger Bühnen-Personage kennt. Im Globe Berlin hingegen feierte nun eine auf vier Figuren konzentrierte Fassung in der Regie von Carola Söllner Premiere, die nach einem zögerlichen Beginn eine gewaltige Sogwirkung entfaltete.

Elisabeth liebt ihre Unabhängigkeit

Für das Königinnendrama hat Bühnenbildner Thomas Lorenz-Herting eine Bühne mit drei sich verjüngenden Ebenen in die Mitte des Open-Air-Runds gesetzt. Mal ist der hölzerne Bau Marias beengtes Gefängnis, mal Elisabeths erhabener Thron. Er ist aber auch das Spielfeld ihrer männlichen Trabanten. Graf Leicester (Anselm Lipgens) ist der langjährige Günstling Elisabeths. Ursprünglich mal sollte er Maria heiraten. Hat er aber abgelehnt, weil ihm der englische Thron verlockender schien. Elisabeth indes wollte ihn nicht. Damit hätte sie ihm nämlich die Regentschaft überlassen müssen. Kein Wunder, dass sie ihre Unabhängigkeit liebt.

Das Volk verlangt aber eine Vermählung von ihr. Ein Diktat, dem sie sich beugen muss. Ihr Auserkorener ist der französische Thronfolger, nicht der seit Ewigkeiten in der Warteschleife schmorende Leicester. Woraufhin der sich wütend von Elisabeth ab- und Maria zuwendet. Doppeltes Spiel treibt auch Mortimer (Benjamin Krüger). Von Elisabeth eigentlich beauftragt, Maria heimlich zu töten, will er sie stattdessen befreien. Was Maria wiederum ablehnt. Sie hofft auf ein Gespräch mit Elisabeth. Die Lage ist also so verfahren wie kompliziert.

Die Frauen bleiben Spielbälle männlicher Politik

Getragen wird die Inszenierung vom famosen vierköpfigen Ensemble, das eine dichte Atmosphäre schafft. Beredt sind auch die monochromen Kostüme mit stylischen Anleihen aus der Tudor-Zeit. Je unbequemer die Klamotte, desto mächtiger der Träger. Wobei Elisabeth die höchsten Schuhe anhat, aber als Zeichen ihrer Emanzipation eben auch eine Hose. Die grandiose Saskia von Winterfeld spielt Elisabeth mit umwerfender Lässigkeit und ironischer Klugheit, zeigt sie aber auch als einsame Königin. Ein Gefühl, das auch Maria nur zu gut kennt. Fabelhaft zwischen Leidenschaft, äußerer Gelassenheit und innerer Verzweiflung getroffen von Wiebke Acton. Letztlich sind beide Frauen Spielbälle männlicher Politik. Ihr einziger Ausweg in die Freiheit ist der Tod.

Globe Berlin, Sömmeringstr. 15, Charlottenburg. Tel. 84 10 89 09 Termine: 8. und 14. 8. um 19.30 Uhr, 15.8. um 15 und 19.30 Uhr