Ausstellung

Virtual-Reality-Kunst im Haus am Lützowplatz

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Lauren Moffatt, Image Technology Echoes, 2020

Lauren Moffatt, Image Technology Echoes, 2020

Foto: Lauren Moffatt, Image Technology Echoes, 2020

Die Ausstellung „Resonanz der Realitäten“ im Haus am Lützowplatz zeigt VR-Kunstwerke

Was ist eigentlich ein Museum? Einer populären Definition zufolge eine Einrichtung, in der eine Sammlung von Gegenständen besichtigt werden kann. Was aber, wenn man dieses Verständnis ausweitet auf das Ensemble geistiger und emotionaler Gegenstände, die jede und jeder in sich trägt?

In Köpfe könne man nicht hineinsehen, heißt es, und doch wird es in der Virtual-Reality-Arbeit „Image Technology Echoes“ der australischen Künstlerin Lauren Moffatt möglich gemacht. Wer sich die VR-Brille im Umfeld eines liebevoll eingerichteten Kleinmuseums aufsetzt, findet sich plötzlich in dessen digitaler Entsprechung wieder, die jedoch vielfach erweitert ist.

Zu beobachten sind eine jüngere Frau und ein älterer Mann, die in ein unverständliches Gespräch über ein Kunstwerk verwickelt sind. Es ist möglich, in die Körper dieser beiden künstlichen Wesen einzutreten und plötzlich die Perspektive zu wechseln, die Ausstellung immer wieder neu und anders zu entdecken, die überall mit überraschenden Details aufwartet.

Die vielschichtige und faszinierende Arbeit wird derzeit in der von Tina Sauerländer kuratierten Ausstellung „Resonanz der Realitäten“ im Haus am Lützowplatz präsentiert und landete beim von der Deutschen Kreditbank in Kooperation mit der Contemporary Arts Alliance gestifteten VR Kunstpreis verdientermaßen auf dem ersten Platz.

Die Schau präsentiert fünf Werke von Stipendiatinnen und Stipendiaten, die allesamt den analogen und den digitalen Raum zugleich bespielen. Dabei gibt es handfeste Überraschungen zu erleben. Wer sich zum Beispiel auf dem von Patricia Detmering in „Aporia“ angebotenen Plastikstuhl niederlässt und die Brille aufsetzt, findet sich in einem animierten Aquarell wieder, in dem man vorbeiziehende Tiere, Menschengruppen, den Wechsel von Tageszeiten und Landschaftsstimmungen beobachten kann.

Oder wird man selbst beobachtet? Die interaktive Einbindung des Publikums ist ein wesentliches Potenzial dieser immer noch jungen und aufregenden Kunstform. Das Berliner Künstlerduo Banz & Bowinkel, bestehend aus Giulia Bowinkel und Friedemann Banz, hat mit „Poly Mesh“ eine virtuelle Erzählung erschaffen, in der der Mensch von einer virtuellen Intelligenz als Störfaktor wahrgenommen wird – eine kluge Einladung zur Reflexion unseres digitalen Alltags.

Haus am Lütowzplatz, Lützowplatz 9, Charlottenburg. Bis 4. Juli. Alle Informationen unter www.hal-berlin.de