Eurovision Song Contest

ESC-Kandidat Daði Freyr: „In Berlin ist das Wetter besser“

| Lesedauer: 6 Minuten
Martin Schmidtnerund Marc Schulte
Die Formation „Daði og Gagnamagnið“ geht für Island an den Start.

Die Formation „Daði og Gagnamagnið“ geht für Island an den Start.

Foto: EBU/Thomas Hanses / Ebu/Thomas Hanses

Daði Freyr lebt seit 2014 in Berlin. Für seine Heimat Island tritt er beim Eurovision Song Contest an. Ein Gespräch

Beim Eurovision Song Contest in Rotterdam geht für Island die Formation „Daði og Gagnamagnið“ an den Start. Der 28 Jahre alte Sänger und Wahlberliner Daði Freyr war schon letztes Jahr angetreten, als der Wettbewerb aufgrund der Pandemie ausfallen musste. Dennoch entfachte der Isländer einen Hype mit seinem Song „Think About Things“. Hollywood-Star Russell Crowe hatte über den Song getweetet und ihn damit bekannt gemacht. Markenzeichen der Band sind das grün-türkise Outfit mit nerdigen Pixel-Konterfeis der Bandmitglieder, minimalistische, aber wirkungsvolle Choreografien und der 2,08 Meter große Daði. Mit „10 Years“, seinem Song über die Jahre mit seiner Frau Árný, die schwanger mit auf die Bühne kommt, haben die Isländer gute Chancen, ganz vorne in Rotterdam mitzuspielen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass ein Mitglied der Gruppe positiv auf Corona getestet wurde. Und Corona-Positive dürfen nicht auf die Bühne. Da die Gruppe nur gemeinsam auftreten will, hat sie sich dazu entschieden, auf einen Live-Auftritt zu verzichten. Kein Problem für die TV-Verantwortlichen: Denn von den Proben der Vortage ist eine Version im Kasten und die wird stattdessen gezeigt.

Daði, Sie treten für Island an, leben aber in Berlin. Seit wann eigentlich?

Daði Freyr: 2014 bin ich von Island nach Berlin gekommen. Ich war zuvor noch nie in Deutschland gewesen, habe es also vorher gar nicht gekannt.

Aufgewachsen sind Sie auf Island und in Dänemark?

Ja, von 1993 bis 2001 lebte ich mit meinen Eltern in Dänemark. Dann wieder Island und jetzt Berlin.

Wie sehen Sie sich: als Isländer, Berliner oder Kosmopolit?

Ich sehe mich klar als Isländer, wenn ich so gefragt werde, aber eigentlich definiere ich mich vor allem als mich selbst, als Daði Freyr.

Warum sind Sie nach Berlin gezogen?

Das Studium! Ich wollte ursprünglich in Amsterdam studieren, aber dann überzeugte mich ein Freund aus Berlin von der Ausbildung und der Stadt hier. In Berlin habe ich meinen Bachelor in Musikproduktion und Tontechnik gemacht.

Wie gut kann man als Musiker von seinem Beruf leben?

Seit 2017 funktioniert das für mich tatsächlich. Hauptsächlich durch Auftritte in Island. Also zumindest bis vor Corona…

Sie sind der kreative Kopf hinter der Band Gagnamagnið – was bedeutet dieser Bandname?

Gagnamagnið bedeutet „Daten“, also eine große Menge an Daten. Die Band besteht neben mir aus meiner Frau, meiner Schwester und guten Freunden.

In welchem Bezirk leben Sie?

In Schöneberg. Wir starteten in Reinickendorf, dann kam Neukölln und dann sind wir in Schöneberg gelandet.

Leben Sie gerne in Berlin?

Oh ja! Meine Arbeit könnte ich überall machen, aber wir leben einfach richtig gerne in Berlin.

Warum? Was ist anders als in Island?

Das Wetter ist einfach viel besser. Und der öffentliche Nahverkehr! Außerdem sind die Preise, die Lebenshaltungskosten, hier doch viel netter. Natürlich auch die Musikszene: Die ist so unglaublich viel größer! Jeden Tag kann ich auf ein anderes Konzert oder an einen neuen Veranstaltungsort gehen. In Reykjavik werden es immer weniger. Alles wird in Hotels umgewandelt. Außerdem ist Berlin viel chilliger – in Island ist es um einiges hektischer. Dort muss man ständig irgendetwas machen.

Wenn sie schon so lange hier wohnen: Sprechen Sie auch Deutsch?

Nein. Leider wenig. Bisher habe ich es meiner Frau überlassen, sich um alles zu kümmern, aber ich will, wenn ich zurück bin, unbedingt Kurse belegen.

Dann treffen Sie sich vermutlich vor allem mit anderen Expats in Berlin?

Ja, so ist es. Es gibt so unglaublich viele Leute aus Island in Berlin. Darum spreche ich auch in Berlin vor allem Isländisch. Bereits in meinem Studienjahrgang gab es nur einen Typen aus Deutschland. Die anderen waren aus Italien, Großbritannien, Polen, den USA, Israel und einer aus Lettland.

Wo gehen Sie in Berlin am liebsten hin?

Ich liebe das Tempelhofer Feld, mein liebstes Restaurant ist W-Der Imbiss, dann… (kurze Pause) … Ich merke gerade, wie lange ich durch Corona schon nicht mehr in Berlin aus der Wohnung gekommen bin. Mir fällt gerade gar nichts Passendes ein.

Mögen Sie Spiele? Brettspiele etwa? Oder Videospiele?

Ja – beides eigentlich. Hier ins Hotel haben wir eine Menge mitgebracht: 3 Playstations, 2 Nintendos und ungefähr 10 Brettspiele…

Dann haben Sie vielleicht auch Lust auf ein Kennenlernspiel?

Ja, klar.

Schöneberg oder Friedrichshain?

Schöneberg.

Falafel oder Currywurst?

Falafel.

Dachterrasse oder Park?

Dachterrasse.

U- oder S-Bahn?

S-Bahn…definitiv!

Mathematik oder Geschichte?

Geschichte…nein, Mathe

Eisberg oder Eisbrecher?

Eisberg.

Club oder Couch?

Mmmmmm…vermutlich Couch.

Backstreet Boys or Linkin Park?

Uff. Wow. Das ist eine schwierige Frage. Backstreet Park oder Linkin Boys vielleicht? Ich war tatsächlich mal ein großer BSB-Fan.

Bayern München oder Hertha BSC?

Hertha! Berlin! Natürlich!

World of Warcraft oder Candycrush?

(lacht) World of Warcraft. Ich habe beides nie gespielt, aber wenn ich mich entscheiden müsste…

Und welches ist tatsächlich Ihr Lieblings-Game?

Rocket League.

Lordi oder Loreen?

Oh – was für eine Frage! Aber ich nehme da Lordi.

Was ist Ihr Lieblingssong aus der Eurovisionsgeschichte?

Vermutlich tatsächlich ‚Euphoria‘. Oder Sébastien Telliers ‚Divine‘.

Was ist Ihr liebstes Berliner Gericht?

Döner.

Und das Liebste in Island?

Hamborgari! (Isländisch für Hamburger)

Haben Sie für die Zukunft Konzerte in Berlin geplant?

Wir mussten leider alle schon geplanten verschieben, aber ich werde in den nächsten Tagen neue Termine und Veranstaltungsorte für 2022 bekannt geben.

Sie haben hier ein Videospiel vorgestellt, das es kostenlos in den App-Stores gibt. Die Spieler kämpfen gegen Außerirdische und bringen Sie gegen alle Widrigkeiten auf die ESC-Bühne. Wer kommt auf solche Ideen?

Eine Menge kommt tatsächlich von mir. Gabriel Kuklinski hat die Animationen entworfen, die wir auch beim Auftritt auf den Screens verwenden.

Herzlichen Dank und viel Erfolg.