Friedrichstadt-Palast

„Vivid“-Gala nimmt Abschied vom Friedrichstadt-Palast

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Ulrike Borowczyk
FSP

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Foto: Nady El-Tounsy

Kunterbunt und artistisch: Die „Vivid“-Gala wird nach drei Jahren zum letzten Mal gezeigt - als Livestream

Die tanzenden Schmetterlinge, singenden Blumen und Salto schlagenden Fabelwesen inmitten eines irrwitzigen Dschungel-Wimmelbilds sind so überwältigend, dass man gar nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll. „Jungle Extravaganza“ singt Musical-Star Andreas Bieber denn auch trefflich dazu. Für diese farbenprächtige Fantasie hat Kostümdesigner Stefano Canulli atemberaubende Bühnenroben ersonnen. Die noch getoppt werden vom ausgefallenen Kopfschmuck von Philip Treacy, dem berühmtesten Hutmacher des Planeten, der sonst für die Queen und Lady Gaga arbeitet.

Bilder der kunterbunten, artistischen Szenerie gingen 2018 um die Welt, als „Vivid“ im Friedrichstadt-Palast Premiere feierte. Die erste Grand Show in der Geschichte des Hauses, die von einer Frau inszeniert wurde. Und zwar Krista Monson. Ihr gelang mit über 100 Künstlerinnen und Künstlern ein grandioses Spektakel. Irgendwo zwischen glitzerndem Las-Vegas-Style und „Alice im Wunderland“. Über 700.000 Zuschauer haben die mit zwölf Millionen Euro Produktionskosten die bislang teuerste Show des Palasts live erlebt. Es hätten noch viel mehr werden können, wäre das Haus nicht pandemiebedingt geschlossen worden. Jetzt sagt der Friedrichstadt-Palast auf seiner Website und Facebook in einem einmaligen, kostenlosen Livestream „Goodbye Vivid“, bevor im August die neue Show „Arise“ startet.

Der Abend beginnt virtuell im Foyer

Natürlich ist der virtuelle Abschied nach 17 Monaten Spielzeit nicht vergleichbar mit einer offiziellen letzten Vorstellung. Doch der Palast hat sich für die einstündige Dernière etwas besonderes einfallen lassen. So beginnt der Abend auch auf den digitalen Endgeräten eine Viertelstunde vor Showbeginn im leeren Foyer. Das traditionelle Einklingeln kündigt den virtuellen Einlass an. Mit der Bitte, im leeren Zuschauersaal Platz zu nehmen. Stimmungsvolle Kamerafahrten sorgen dafür, dass dabei auch auf der heimischen Couch schon vor Vorstellungsbeginn Theaterfeeling aufkommt.

Andreas Bieber führt in seiner Rolle als Entertainer auf der größten Theaterbühne der Welt durch die Show. Deren vollständiger Ablauf lässt sich wegen der aktuellen Pandemiebedingungen nicht realisieren. Daher präsentieren Solisten und Showband zum letzten Mal die schönsten Songs aus Vivid. Ballett und Artisten zeigen zudem sehr persönliche Einlagen. Damit man auch in der abgespeckten Version einen Eindruck von der Opulenz der Revue bekommt, sind an vielen Stellen im Gegenschnitt Originalszenen einer aufgezeichneten Vorstellung von 2019 zu sehen.

Die Geschichte von Protagonistin R’eye, einer Androidin, also halb Mensch, halb Roboter, gerät dabei zur Nebensache. Mit einer blauen Blume in der Hand, dem Sehnsuchtsymbol der Romantik, war sie bekanntlich auf der Suche nach ihrer Menschlichkeit. Ihre Reise führte sie zu den verrücktesten Schauplätzen. Vom wirbelnden Sternenhimmel in futuristische Sphären. Etwa mit der legendären Girlreihe in hautengen Lackoutfits und dem längst ikonischen scheibengroßen Kopfputz. Mit einem LED-Farbenwechsler ein absoluten Hingucker, der auch zum Abschied noch einmal begeistern dürfte.

Friedrichstadt-Palast, Livestream 29.4., 19.15 bis 20.30 Uhr, Informationen im Netz unter www.palast.de/goodbyeVIVID