Kinos

Kinoprogrammpreis: Schnellste Geldbeschaffung außer Bankraub

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Peter Zander
Sag’s mit Blumen: Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Nieehuus mit „Kino-King“ Knut Elstermann bei der Verleihung des Kinoprogrammpreises 2021.

Sag’s mit Blumen: Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Nieehuus mit „Kino-King“ Knut Elstermann bei der Verleihung des Kinoprogrammpreises 2021.

Foto: (C) MBB / Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH

Zum zweiten Mal musste der Kinoprogrammpreis des Medienboard online verliehen werden. Dieses Jahr werden noch mehr Kinos unterstützt.

Berlin. „Wir kommen wieder“, „Ohne Kultur wird’s still“ oder „2021: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“: Das sind so Botschaften, mit denen die Berliner Kinos auf ihre Misere verweisen statt auf aktuelle Filme. Denn abgesehen von wenigen Wochen, in denen sie im vergangenen Jahr mit aufwändigem Hygienekonzept und stark begrenztem Platzkontingent spielen durften, sind die Pforten seit über einem Jahr geschlossen. Und noch immer gibt es keinen Ausblick, wann sich das ändern könnte.

Das hat den Medienboard Berlin-Brandenburg vor ein großes Problem gestellt. Der richtet ja jährlich den regionalen Kinoprogrammpreis aus (nicht zu verwechseln mit dem bundesweiten der Kulturstaatsministerin Monika Grütters), um die Lichtspielhäuser mit den überzeugendsten Programmen zu küren. Aber was macht man nun mit dem Corona-Unjahr 2020? Den Preis ausfallen lassen? Oder die Häuser für ihre besten Durchhalteparolen auszuzeichnen oder für die kreativsten Maßnahmen, wie man sich im Lockdown mit Digitalisierung und Renovierung für bessere Zeiten rüstet? Nach reiflicher Überlegung haben die Medienboard-Geschäftsführerin Kirsten Niehuus und der Kinobeauftrage Christian Berg einen weisen Entschluss gefasst: Same Procedure as last year!

Keine Leichenfledderei

Es mache wenig Sinn, so Niehuus, „aus einem Skelettjahr wie 2020 die schönste Leiche zu honorieren“. Das wäre ihr „wie Leichenfledderei“ erschienen. Stattdessen hat man sich am Vorjahr orientiert und zeichnet alle 51 Filmtheater der Hauptstadtregion, die 2020 gewonnen haben, 33 aus Berlin und 18 aus Brandenburg, noch einmal aus. Um den Kinos in ihrer prekären Lage zu helfen, hat man schon im Vorjahr die Preisprämie auf 1,5 Millionen verdreifacht. Für die Gewinner verdoppelte sich die Prämie, darüber hinaus erhielt jeder der 61 Bewerber eine Soforthilfe in Höhe von 10.000 Euro.

In diesem Jahr hat man dieselbe Rekordsumme zur Verfügung gestellt. Diesmal aber bekommt jedes Kino, das sich beworben hat, ein Startgeld von 5.000 Euro. Und das wird nicht, wie ursprünglich geplant, mit den Preisgeldern verrechnet, das kommt auf ein Preisgeld noch obendrauf. Wichtig ist aber, dass man so auch weiteren Kinos helfen kann, die sich erstmals bewarben. Es sind 45 mehr als im Vorjahr: fast das Doppelte. „Nur in Brandenburg gibt es noch ein paar Kinos, die noch nicht aufgewacht sind, aber auch da wird es noch die Runde machen“, so der Kinobeauftragte Berg bei der Verleihung am gestrigen Donnerstag, die zum zweiten Mal wegen der Pandemie nur digital stattfinden konnte.

In grauen Zeiten ein Tag zum Feiern

Eine sehr sympathische Entscheidung, den Kinoprogrammpreis quasi zur Corona-Hilfe umzufunktionieren. Insgesamt 96 Kinos werden so unterstützt, die 51 Preisträger vom Vorjahr und die 45 Neuberbewerber, mit mindestens 5.000 und maximal 35.000 Euro. Zu den höchstdotierten Preisträgern zählen etwa Bali, Delphi Lux, Kino Krokodil oder Wolf Kino. Es sei „die unbürokratischsten, schnellste Bargeldbeschaffung, außer einem Banküberfall“, wie die nie um eine griffige Formulierung verlegene Kirsten Niehuus meint.

Das Medienboard unterstützt die Kinos der Region damit nachhaltig. Und die Kinos wissen das zu schätzen. Es sei ein wahnsinniger Standortvorteil in Berlin und Brandenburg, ein Medienboard zu haben, so Christian Bräuer von der AG Kino -Gilde der deutschen Filmkunsttheater: Da werde nicht lange geredet, sondern einfach gehandelt. „Wir haben gerade viel Grund für Frust, wie stiefmütterlich mit Kultur umgegangen wird“, so Bräuer. „Aber heute ist ein Tag zum Feiern.“