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Mann fürs Spezielle: Max Mauff als Papa und Mama in einem

| Lesedauer: 7 Minuten
Peter Zander
Er hat immer mal wieder überlegt, als Schauspieler aufzuhören - aber dann kamen doch immer wieder spannende Angebote: Max Mauff.

Er hat immer mal wieder überlegt, als Schauspieler aufzuhören - aber dann kamen doch immer wieder spannende Angebote: Max Mauff.

Foto: Jens Kalaene / picture alliance

Der Berliner Schauspieler Max Mauff brilliert in der Serie „Mapa“. Und ist sehr wählerisch, was die Auswahl seiner Rollen betrifft.

Sie waren eine ganz normale junge Familie. Vater Mutter Kind. Bis die Mutter unerwartet an einer Hirnblutung stirbt. Nun muss Meti Müller für seine einjährige Tochter beides sein: Mama und Papa. MaPa sozusagen. So heißt denn auch die sechsteilige Serie, die am 17. und 18. April auf RBB gezeigt wird. Eine Sadcom, wie man das neuerdings – als Mix und Abwandlung aus Sitcom, der Situationskomödie, und Romcom, der romantischen Komödie – nennt, ein Serienformat mit kurzen, nur 23 Minuten langen Folgen.

Und in deren Mittelpunkt steht Max Mauff, der sich rührend um sein Töchterchen kümmert, dafür sein ganzes Leben aufgibt und sich, als trauriger Clown, mit allen möglichen Tücken des Alltags plagen muss: von der übergriffigen Oma über rücksichtslose Mitbürger bis zu Müttern, die dem Mann auf dem Spielplatz höchst ablehnend begegnen.

Das klassische Männerbild wird in Frage gestellt

Mauff weiß, was er spielt. Und das sieht man in jeder Szene, wenn er sein Kind füttern oder wickeln muss. Der 33-Jährige ist selbst Vater eines Kindes. Dessen Geschlecht will er uns in unserem Gespräch im Freien nicht verraten, das ist ihm zu persönlich. Aber das Alter verrät er doch: „Mein Kind ist vier. Diese erste Zeit ist noch ganz nah, aber es legt sich auch schon ein erster Schleier drüber.“ Worüber er auch ganz dankbar ist. „Das war schon eine sehr schöne Zeit, aber, ehrlich, auch ganz schön anstrengend.“ Da wird wohl jeder nicken, der selbst ein Kind großgezogen hat.

Am Set waren auch lauter junge Eltern. Vom Drehbuchautor Alexander Lindh, der die Serie entwickelt hat, bis zum Regisseur Jano Ben Chaabane. Und alle, erklärt Mauff, trieb diese Fragestellung um, wie man Kinder großzieht, dass das nicht nur die Aufgabe der Frau sein kann. „Wenn wir aber diesen feministischen Standpunkt vertreten, müssen wir auch anfangen, unser eigenes Männerbild zu hinterfragen.“ Den Partner mit der Verantwortung allein zu lassen, das war ja lange so ein männliches Ding. Hier aber kann sich der Vater nicht aus der Verantwortung stehlen. Auch wenn er mit der Situation oft überfordert ist.

Der Schauspieler ist selbst ein Mapa-Kind

Eine schwere Rolle, gibt Mauff zu. Denn sie handelt ja von Urängsten: den Partner zu verlieren, allein verantwortlich zu sein, versagen zu können. Der Part des Metin war deshalb auch nicht so einfach abzustreifen. „Da hat man“, gibt Mauff, „schon ein paar Monate Nachlauf, wo vieles noch mal nachsackt.“

Max Mauff ist selbst ein Mapa-Kind. Auch seine Mutter hat ihn alleine großgezogen. Natürlich hat er in der Vorbereitung zur Serie mit ihr gesprochen. Aber eher, weil es im Bekanntenkreis einen ähnlichen Fall eines jungen Vaters gab, der seine Freundin verloren hat. Dass seine Mutter alleinerziehend war, „darüber reden wir seit jeher viel.“ Weil er das immer sehr beeindruckend fand.

Mauff, 1987 in Berlin geboren, spielte schon von klein auf in Theatergruppen, drehte mit sieben Jahren seinen ersten Film und hatte mit 14 die erste Kinohauptrolle in „Das Jahr der ersten Küsse“. Er wurde quasi vor der Kamera groß und spielte in so preisgekrönten Filmen wie „Absurdistan“, „Victoria“ und „Patong Girl“. 2014 gewann er den Max-Ophüls-Preis als bester Nachwuchsdarsteller, 2016 einen Grimme-Preis. Auch in internationalen Produktionen war er schon zu sehen, in „Sense8“ etwa, der Serie von Tom Tykwer und den Wachowskis, und in Steven Spielbergs Berlin-Drama „Bridge of Spies“.

Er sagt alles ab, woran er nicht glaubt

Ab wann war ihm eigentlich klar, dass er wirklich Schauspieler werden wollte? „Das war mir immer mal wieder klar. Und dann auch wieder unklar.“ Phasenweise habe er sich immer wieder überlegt, ob das sein Weg sei „oder ob ich noch mal eine Ausfahrt nehme.“ Denn Mauff ist sehr anspruchsvoll. Er sucht immer nach ganz speziellen Projekten. Und sagt auch vieles ab, woran er nicht glaubt oder von dem er denkt, dass es nicht zu ihm passt. „Da fragt man sich dann schon manchmal“, gibt er zu,“ob das alles der richtige Beruf ist.“ Doch immer dann, wenn er am meisten gezweifelt hat, kamen dann immer wieder Angebote, die ihn gepackt hätten.

Wie „Victoria“ etwa, diesen zweieinhalbstündigen Berlin-Film, der in einer einzigen Einstellung gedreht wurde. Vor dem Film war Mauff gerade in einer echten Krise, „Ich war mir unsicher, ob ich überhaupt Lust hatte, weiterzumachen, ob sich das ausgeht für mich.“ In „Victoria“ spielt er zwar nur eine kleine Rolle, aber es war ein großes Experiment. Und Regie führte Sebastian Schipper, dessen „Absolute Giganten“ Mauff umgehauten hat, als er 14 war. Und überhaupt an den deutschen Film glauben ließ.

Solche Punkte hatte er mehrfach in seinem Leben. Seine schönsten Erfahrungen waren denn auch nicht sein erstes Filmfestival oder der Grimmepreis, sondern eher kleine, aber entscheidende Momente. Wie die Arbeit mit Spielberg. Auch da gab es nur eine kleine Rolle für ihn. „Aber diese Begeisterung von einem so erfahrenen Regisseur und die Freude an der Arbeit, die ich als Schauspieler hinterlasse, diese Liebe zum Film, die einen verbindet – diese Momente sind wirklich großartig, von denen zehrst du ganz lange.“ Und einen echten Plan B hat er sowieso nicht. Da hat er wohl eher ein bisschen kokettiert.

„Mapa“ ist nun eine Serie, in der er ganz klar im Mittelpunkt steht. Und mit der er auch ein Format für seine Generation mitgeschaffen hat. Erstmals zu sehen war der Sechsteiler vor einem Jahr auf der Streamingplattform Joyn. Jetzt folgt die Free-TV-Premiere auf RBB an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

Wird es denn auch eine zweite Staffel geben? Das ist unsicher. Ende Dezember erst hat der Drehbuchautor Lindh eine Fortsetzung angekündigt, Joyn hat aber gleich dementiert oder, wie Mauff sich ausdrückt, „sich als Partner ein bisschen entbehrlich gemacht“.

Das Team würde jedenfalls wahnsinnig gern weitermachen. „Wir haben das ja auch so angelegt.“ Vielleicht ja diesmal nur mit dem RBB. Oder auch als Langzeitprojekt mit langen Zwischenpausen. Wie etwa bei Richard Linklaters Film „Boyhood“, der vom Erwachsenwerden eines Jungen erzählt und bei dem über einen Zeitraum von zwölf Jahren immer mal wieder Szenen gedreht wurden. „Ich könnte mir das auch hier gut vorstellen, wenn man sich unabhängig machen kann von wankelmütigen Finanziers.“

„Mapa“: RBB, 17.4., 22 Uhr (Folgen 1-3) und 18.4., 22.40 (Folgen 4-6)