Der Sonntags-Krimi

„Tatort“: Auch das hellste Licht wirft lange Schatten

| Lesedauer: 3 Minuten
Peter Zander
Der Zeuge (Christopher Schärf) flirtet offen mit den Kommissarinnen.

Der Zeuge (Christopher Schärf) flirtet offen mit den Kommissarinnen.

Foto: ARD / SWR/Benoit Linder

Der „Tatort“ mit Ulrike Folkerts erzählt vom Schwitzen in der Sommerhitze und von Angstschweiß. Trotzdem ist er nur mäßig spannend.

Der Späti ist die neue Eckkneipe. Hier treffen sich die, die sich sonst nichts leisten können. Und sonst niemanden haben. Auch nicht mehr ihre alte Eckkneipe als Treff. In Ludwigshafen gibt es offenbar nicht viele davon. Hier geht man wirklich nur zum Spätkauf, um nächtens zu kaufen, was man tags vergessen hat. Und es kann da schon eine Weile dauern, bis ein Ladeninhaber ermordet hinter der Kasse gefunden wird. Zumindest in „Der böse König“, dem neuen Fall der „Tatort“-Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts).

Gerade mal drei Kunden sind da nachts um zehn in dem Laden, als die Leiche entdeckt wird. Der Mann wurde, wie sich bald herausstellt, mit einem Baseballschläger erschlagen. Gestorben aber ist er an ein paar Geldstücken, die man ihm in die Luftröhre gesteckt hat. 73 Cent insgesamt. Wer macht sowas? Und wie verträgt sich die offenbar im Affekt geschehene Tat mit der Tatsache, dass der Täter noch in aller Ruhe den Videofilm aus der Überwachungskamera entfernt hat?

Ein Sträußchen zum Verhör

Frau Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) tappen erst mal im Dunkeln. Da gibt es einen jungen Mann mit verschlagenem Gesicht (Pit Bukowski), der zur Tatzeit mit einem Baseballschläger in einer Kneipe gesehen wurde. Und der Vorbesitzer des Spätis (Özgur Karadeniz) war offensichtlich im Clinch mit dem Toten. Weit entgegenkommender ist dagegen der charmante Zeuge Antoine Maler (Christopher Schärf), der sich liebevoll um seine kranke Ex-Freundin (Lana Cooper) kümmert, der auf dem Revier der ewigen Sekretärin Frau Keller (Annalena Schmidt) sogar ein Sträußchen mitbringt und beim Verhör offen mit Frau Stern flirtet.

Hinter der freundlich-höflichen Fassade scheint sich jedoch eine tief narzisstische Störung zu verbergen. Der Mann leidet unter Grandiositätsverlangen, diagnostiziert Kommissarin Stern verächtlich. Das kennt sie nur zu gut, gibt sie zu, von ihrer eigenen Schwester. Aber dann fährt ihr dieser Herr Maler sogar nach. Und beobachtet sie, wie sie sich zuhause um ihre Kinder kümmert.

Man ahnt schnell, wohin der Hase läuft

Es ist seit der Weihnachtszeit schon der dritte neue „Tatort“ für Lena Odenthal, der man damit ein gesteigertes Sendungsverlangen unterstellen könnte. Ihr jüngster, mittlerweile 74. Fall (da gibt es bald wieder ein kleines „Tatort“-Jubiläum zu feiern) wurde im Hochsommer gedreht und erzählt auch von der Hitze, die einen da selbst nachts bedrückt. Deshalb spielen viele Szenen auf Parkdecks und im Freien, wo die überhitzten Einwohner sich etwas abkühlen.

Wo sonst eher bläulich-dunkles Krimilicht vorherrscht, flirrt diesmal grellstes Sonnenlicht. Für Regisseur und Drehbuchautor Martin Eigler wohl auch eine Metapher für eine gespaltene Persönlichkeit, die sich immerzu im besten Licht darstellen will und doch Schattenseiten hat. Am Ende wird die sonst so unterkühlte Kollegin Stern mal ganz persönlich herausgefordert wird und muss schlimmste Ängste ausstehen. Über durchschnittliche Spannung kommt dieser „Tatort“ dennoch nicht hinaus, zumal man als Zuschauer trotz mancher falscher Fährte recht schnell ahnt, in welche Richtung das Drama drängt.

„Tatort: Der böse König. ARD, 11. April, 20.15 Uhr