Zwölf Stunden

Die Abrafaxe - eine unendliche Reise durch Raum und Zeit

| Lesedauer: 5 Minuten
Max Müller
Die Abrafaxe und die Annabellas grüßen die Leserinnen und Leser der Berliner Morgenpost!

Die Abrafaxe und die Annabellas grüßen die Leserinnen und Leser der Berliner Morgenpost!

Foto: Jens Fischer

Die bekannteste Comic-Zeitschrift der DDR wird seit den 1990er-Jahren in Westend gezeichnet. Ein Blick hinter die Kulissen.

Berlin. Mehr als 500 Folgen sind seit 1976 im monatlichen Zyklus erschienen, mehr als 500 Abenteuer haben Abrax, Brabax und Califax, die gemeinsam die Koboldbande Abrafaxe bilden, bereits erlebt. Die maßgeblich von Lothar Dräger und Lona Rietschel erschaffenen Nachfolger der Digedags waren die Comic-Helden in DDR-Kinderzimmern. Und sie blieben es auch, nachdem die Mauer fiel.

Noch heute ist die Comic-Zeitschrift mit 70.000 verkauften Exemplaren, darunter sind viele Abonnements, die größte in Deutschland. Mittlerweile entsteht die Serie tief im Westen von Berlin. In einer mondänen Villa in Westend arbeiten Zeichner, Grafiker und Autoren Hand in Hand, um die Abrafaxe auf immer neue, historisch möglichst authentische Abenteuerreisen zu schicken.

Derzeit sind Abrax, Brabax und Califax in der Südsee ­unterwegs und begegnen dort unter anderem Fituu, Anoun und Pitipak. Mit denen kennt sich Comic-Zeichner Andreas Pasda gut aus. Die fünf festangestellten Kreativen teilen sich die einzelnen Figuren auf. Pasda zeichnet aktuell die indigenen Inselbewohner. Die Liebe zu Comics im Allgemeinen und die Passion zu zeichnen brachten den gelernten Drucker Pasda noch zu DDR-­Zeiten zum Junge-Welt-Verlag, wo dereinst die Abrafaxe entstanden. Pasda ist bis heute geblieben. Seine Werkzeuge sind Bleistift und Pinsel, von Technik hält er nicht viel. „Sobald ich meine Figuren fertiggezeichnet habe, geht das Blatt an den nächsten Kollegen“, sagt er. So geschieht das mit allen 51 Seiten, die pro Ausgabe buchstäblich in Handarbeit produziert werden.

Die Abrafaxe in der Welt der Musik als Sonderband mit CD

Auf dem Tisch von Redaktionsleiterin Maren Ahrens stapelt sich die Fanpost. „Wir drucken in jeder Ausgabe auf einer Doppelseite ­Leserbriefe und Zeichnungen ab“, sagt ­Ahrens. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen. Sie organisiert, sortiert und schaut, dass alle Mosaik-Publika­tionen rechtzeitig fertig werden. Dazu zählen neben den Heften auch Editionen und Sonderbände. „Der neueste ist von Vincent Strehlow, heißt ‚So klingt Abenteuer!‘ und entführt die Abrafaxe in die Welt der Musik.“ Der Clou: Die Musikstücke kann man nicht nur mittels beigelegter CD anhören, das geht auch mit der hauseigenen „Mosaik Magic“-App. „Nach dem Download wählt man die jeweilige Publikation aus, scannt die Seite und kann sich überraschen lassen“, so Ahrens.

Einmal die Woche treffen sich alle in einer – pandemiebedingt online stattfindenden – Sitzung, um die neuen Hefte zu besprechen. Aus dem Homeoffice dazugeschaltet ist auch Jens Uwe Schubert, der in den vergangenen Jahren „rund 90 Prozent der Geschichten“, so sagt er, geschrieben hat. In der wöchentlichen Lesung schaut Schubert, wie seine Ideen ankommen und ob die Zeichner sie verstehen und umsetzen können. „Die Abrafaxe helfen mir, die Welt zu verstehen“, so Schubert.

Geschichte fundiert und kindgerecht aufgearbeitet

Robert Löffler ist eigentlich in alle Prozesse involviert. Der gelernte Medienkaufmann scannt die fertigen Seiten und setzt die Sprechblasen, er besprichten mit den Koloristen die Farbgebung. Er kommuniziert mit der Druckerei und holt Angebote für neue Bücher ein. Zudem unterstützt er Redaktionsleiterin Maren Ahrens bei der Gestaltung der Innenseiten. In jedem Mosaik-Comic gibt es spannende Hintergrundinformationen, die das Team einerseits geschichtlich fundiert, andererseits kindergerecht aufarbeitet. In der gerade erschienenen Ausgabe erfährt man etwas über den transpazifischen Silberhandel zwischen Spanien und China oder die Schrift- und Kulturtechniken im Südseeraum.

Während die Kollegen im Raum nebenan noch mit der Hand arbeiten, setzt Jens Fischer auf moderne Technik. Vor ihm liegt ein großes Zeichentablet. Fischer ist seit 1995 beim Mosaik-Verlag. „Anfangs habe ich auch die Abrafaxe gezeichnet, seit 2016 kümmere ich mich um unsere zweite Publikation.“ Jens Fischer meint damit das Pendant zu den Abrafaxen, das Mädchen-Trio „Anna, Bella & Caramella“. Auch wenn dieses im Verlag gern mal als „Mädchenheft“ bezeichnet wird, ist es Fischer doch wichtig zu betonen, dass sich der Ableger keinesfalls nur an Mädchen richtet. „Allerdings rückt es weibliche Erfahrungen in den Fokus, weil die Annabellas in ihren vierteljährlich erscheinenden Abenteuern vor allem auf berühmte historische Frauen treffen“, so der Zeichner.

An einem Korkbrett angepinnt sind Proportionsstudien der Abrafaxe. Thomas Schiewer muss allerdings nur selten auf die Vorlagen schauen, denn er zeichnet bei Mosaik ausschließlich die drei Abenteurer – Seite für Seite, Tag für Tag. „Keiner kann es besser“, sagt sein Kollege Andreas Pasda. Aber wird das auf Dauer nicht zu eintönig? „Nein“, meint Schiewer. Ihm gefällt an dem Trio vor allem, dass sich Abrax, Brabax und Califax so gut ergänzen. „Die Drei finden für alles eine Lösung“, sagt Schiewer. „Das macht sie so faszinierend und einzigartig.“

Mosaik Steinchen für Steinchen Verlag Lindenallee 5, Westend. Das aktuelle Heft ist gerade erschienen. Infos zu Abo-Optionen unter www.abrafaxe.com