Der Sonntags-Krimi

Trotz Schokolade: Der neue „Tatort“ ist kein Zuckerschlecken

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Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, r) und ihre Kollegin Tessa Ott (Carol Schuler) sind sich nicht grün.

Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, r) und ihre Kollegin Tessa Ott (Carol Schuler) sind sich nicht grün.

Foto: Sava Hlavacek / dpa

Auch in ihrem zweiten Fall „Schoggiläbe“ tun sich die Kommissarinnen aus dem Züricher „Tatort“ schwer. Da hilft auch keine Süßware.

Es bleibt schwierig. Auch in ihrem zweiten Fall sind sich die neuen Zürcher „Tatort“-Kommissarinnen, die im Oktober erstmals zu erleben waren, alles andere als grün. Gleich anfangs etwa wird der neue Chef des Kommissariats gefeiert. Und es ist eben nicht die Kommissarin Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zürcher), die doch eigens dafür vom Internationalen Gerichtshof Den Haag nach Zürich gekommen ist, um diesen Posten anzutreten. Was ihre Kollegin, die Profilerin Tessa Ott (Carol Schuler), denn auch sehr sarkastisch kommentiert.

Aber dann ist es Ott, die in einer Gefahrensituation nicht schießen kann, sondern Schussangst hat und ihrer Kollegin damit nicht den Rücken deckt. Spätestens da ist das Verhältnis der beiden zerrüttet. Kein Wunder, dass Grandjean die jüngere Kollegin nur noch spitz mit dem Nachnamen anspricht. Und Ott auffordert, sie solle erst mal einen Tag frei nehmen, könne aber auch künftig ganz wegbleiben. Weggehen, das überlegt sich Grandjean auch selber. Weil sie mit Zürich einfach nicht warm wird.

Die Kolleginnen sind sich notorisch uneins

Neben diesem nach wie vor problematischen Kollegenverhältnis gilt es auch einen Mord zu lösen. Ein Unternehmer wurde in seinem luxuriösen Domizil ermordet. Er war Schokoladenfabrikant. Schokolade aus der Schweiz, liebevoll Schoggi genannt, das ist ja fast schon ein Klischee. Auch ein Alfred Hitchcock hat, in seinem einzigen Film, der in der Schweiz spielte, „Geheimagent“ von 1936, eine Schokoladenfabrik zum Hort des Bösen gemacht. Hier ist es zumindest ein Hort des Neids und des Misstrauens, ein „Schoggiläbe“, wie es der Titel verspricht, jedenfalls nicht.

Der Schokoladenkönig Chevalier war schwul und führte ein Doppelleben. Er hat eine Tochter, Claire (Elisa Plüss), adoptiert, der er die Firmenleitung aber nicht anvertrauen wollte. Er pflegte auch Kontakte mit einem jungen ungarischen Prostituierten (Csémy Balász), der sich womöglich bereichern wollte. Aber vor seiner Ermordung traf er sich auch, wie Videoaufzeichnungen belegen, mit einem Fremden in einem Hotel.

Seine Haushälterin (Isabelle Stoffel) scheint mehr zu wissen, will aber nichts sagen, weil sie „sans papier“ ist: eine illegale Einwanderin also, wofür in der Schweiz sofortige Abschiebung droht. Jede Menge Motive und Konfliktstoffe also. Und dann taucht auch noch die gebrechliche Mutter (Sibylle Brunner) des Toten auf und will die Firma übernehmen, weil sie ihre Enkelin für unfähig hält.

Das Schwyzerdütsch wurde nachsynchronisiert

Wahrlich kein Zuckerschlecken also für die ungleichen Ermittlerinnen, die sich bei ihren Methoden notorisch uneins sind. Aber dem Zuschauer geht es ein bisschen wie Madame Grandjean. Mit dem Zürcher „Tatort“ wird er nicht recht warm. Das mag am schwachen Drehbuch liegen oder auch an der unentschiedenen Regie von Viviane Andereggen. Es liegt aber auch an der Nachsynchronisation der im Schwyzerdütsch gedrehten Folge. Das lässt diesen Krimi so künstlich-fremd wirken wie die TV-Krimis aus Dänemark oder Großbritannien.

Schade ist das vor allem wegen Carol Schuler, die man an Berliner Bühnen, erst an der Volks-, jetzt an der Schaubühne, immer mit großer Kraft und Präsenz erlebt und die in dieser Rolle als Profiler kein wirkliches Profil entwickeln darf.

„Tatort: Schoggiläbe“ ARD, heute, 20.15 Uhr