European Shooting Stars

Shooting Stars? „Bloß kein Druck!“, stöhnt Albrecht Schuch

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Peter Zander
Zum dritten Mal in Folge mit einem Film im Wettbewerb der Berlinale: Albrecht Schuch.

Zum dritten Mal in Folge mit einem Film im Wettbewerb der Berlinale: Albrecht Schuch.

Foto: Fabian Raabe / EFP

Die European Shooting Stars werden erstmals digital präsentiert – und nicht während, sondern bereits fünf Tage vor der Berlinale.

Irgendwie hat er hat kein Glück im Glück. Beim Deutschen Filmpreis im vergangenen Jahr ist Albrecht Schuch gleich zwei Mal ausgezeichnet worden: als bester Haupt- und bester Nebendarsteller. Aber corona-bedingt fand die Verleihung nur digital statt, den Triumph konnte der 35-Jährige nur im kleinsten Kreis feiern. Jetzt ist der Schauspieler zum dritten Mal in Folge auf der Berlinale im Wettbewerb vertreten, nach „Systemsprenger“ 2019 und „Berlin Alexanderplatz“ 2020 nun mit der Erich-Kästner-Neuverfilmung „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“.

Außerdem wird er in diesem Jahr als einer der zehn European Shooting Stars präsentiert. In der Regel würde sein Film am ersten Festival-Sonntag vorgeführt und direkt davor würden die Shooting Stars im Berlinale-Palast ausgezeichnet werden. Aber auch das Festival wird im März erst mal nur digital für die Branche stattfinden. Und wegen Corona werden die Shooting Stars erstmals gänzlich von der Berlinale abgekoppelt. Und wurden am gestrigen Mittwoch der Presse vorgestellt, quasi als Appetithäppchen für das Festival ab kommendem Montag.

Statt am Potsdamer Platz sind die Nachwuchsstars nun alle bei sich zuhause und werden in ein „Digitales Haus“ zugeschaltet, wo sie wie in einem Setzkasten neben-, über- und untereinander zu sehen sind. Zu den zehn Jungstars dieses Jahres zählt etwa die Ungarin Natasa Stork, deren Film „Preparations to Be Together for an Unknown Period of Time“ schon zahlreiche Preise erhalten hat und als ungarischer Kandidat ins Oscar-Rennen geschickt wurde. Die 37-Jährige war auch schon mit „Jupiter’s Moon“ 2017 im Wettbewerb von Cannes.

Tipps für die Karriere? – Botoxspritzen!

Oder der Schwede Gustav Lindh, der im dänischen Drama „Königin“ neben Tryne Dyrholm zu sehen war: einer der ersten Filme, der wegen des Lockdowns auch in Deutschland nicht in die Kinos kam, sondern als Video-on-Demand im Internet startete.

Gerade hat der 25-Jährige den Historienfilm „Northmen“ mit Nicole Kidman, Willem Dafoe und Ethan Hawke abgedreht. Man muss ihn international eigentlich nicht mehr vorstellen, wo er schon mit Hollywood-Größen dreht. Oder die Portugiesin Alba Baptista, deren Serie „Warrior Nun“ vor zwei Jahren für einen Golden Globe nominiert war. Für ihren jüngsten Film „Fatima“, der wegen Corona noch nicht in die Kinos kam, spielte die 23-Jährige neben Harvey Keitel. Auch sie steht also schon auf dem Sprungbrett in die internationale Karriere.

Außerdem sind da noch Seidi Harla (36) aus Finnland, Nicolas Maury (40) aus Frankreich, Fionn O’Shea (24) aus Irland, Zygimante Elena Jakstaite (25) aus Litauen, Sara Klimoska (26) aus Nord-Mazedonien und Martijn Lakemeier (27) aus den Niederlanden.

Sowie der in Berlin lebende Albrecht Schuch, der gleich als erstes eingeblendet wird, dann aber, wie undankbar, erst als letzter vorgestellt wird und von der schottischen Moderatorin Edith Bowman wie „Schuh“ ausgesprochen wird. Vielleicht ist das ja auch als französisches Kosewort gemeint.

Eintritt in einen ziemlich ehrenvollen Club

Es sagt natürlich etwas aus über die Talente, wie sie sich in ihrer Wohnung vorstellen. Das wirkt fast intimer, zumindest für die 230 Journalisten, die zugeschaltet sind. Für die Darsteller, die von einer unabhängigen Jury für die European Film Promotion ausgewählt wurden, entfällt dagegen der ganze Medienrummel und das Blitzlichtgewitter. Und natürlich auch das gegenseitige Kennenlernen. 324 Talente sind seit der ersten Shooting-Star-Präsentation 1998 vorgestellt worden, darunter spätere Stars wie Rachel Weisz, Carey Mulligan, Daniel Craig, Nina Hoss oder Daniel Brühl. Ein ziemlich ehervoller Club also, in den man da aufgenommen wird.

Aber es fühlt sich halt doch alles anders an in diesem Jahr. Da nutzt Schuch auch kein Heimvorteil in Berlin, die Präsentation wird diesmal aus Großbritannien geleitet. Schuch ist ohnehin auf dem Sprung, er steckt schon wieder mitten in Dreharbeiten und muss gleich zurück an den Set.

So bleibt nicht viel Zeit. Für Tipps etwa, wie man sich für den Job rüstet. Mit „Botoxspritzen“, wie Natasa Stork witzelt. Und auf die Frage, ob Hollywood ihn reize wie seine junge Partnerin Helena Zengel aus „Systemsprenger“, wehrt Schuch höflich ab: „Bloß kein Druck.“

„Direkt gerockt“ wäre schon schöner

Der eigentlich wichtige Tag für die Talente ist der heutige Donnerstag, an dem sie 60 Casting-Agenten, Produzenten und Regisseuren aus aller Welt zum Industry Network vorgestellt werden. Zuletzt gibt es noch eine Botschaft aus Berlin, von Mariette Rissenbeek, der Geschäftsführerin der Berlinale, die bekräftigt, dass die Shooting Stars fest zum Festival gehörten. Sie hofft, auch alle Jungstars im Juni persönlich begrüßen zu können.

Wie ist das für Albrecht Schuch, ein Shooting in diesem Ausnahmejahr zu sein. Er sei schon traurig und bevorzuge den „direkt gerockten Kontakt“, wie er zugibt. Aber er hofft, dass sie alle im Juni aufeinander treffen. Und vor allem aufs Publikum. Denn das ist für ihn das Besondere an der Berlinale: Dass man dort immer auch im direkten Kontakt zu den Zuschauern kommt.