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Oscar-Chancen für „Und morgen die ganze Welt“ geplatzt

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Kam nicht auf die Longlist: der deutsche Film „Und morgen die ganze Welt mit Mala Emde (Mitte).

Kam nicht auf die Longlist: der deutsche Film „Und morgen die ganze Welt mit Mala Emde (Mitte).

Foto: Oliver Wolff / dpa

Zwei Deutsche können dennoch auf eine der begehrten Filmtrophäen hoffen. Und eine zwölfjährige Berlinerin demnächst vielleicht auch.

Mit ihrem Film „Und morgen die ganze Welt“ macht die Berliner Regisseurin Julia von Heinz eine Berg-und-Tal-Bahn durch. Das Filmdrama um eine Antifa-Gruppe startete nur kurz vor dem zweiten Lockdown – und war daher nur wenige Tage zu sehen. Dafür wurde er Ende Oktober von einem unabhängigen Auswahlgremium als deutscher Kandidat ins Oscar-Rennen geschickt. Nun wird über eine Wiedereröffnung der Kinos zu Anfang April diskutiert, wo das Politdrama wieder ins Programm kommen soll. Dafür ist nun der Traum vom Oscar geplatzt. Der Film hat es nicht in die engere Auswahl geschafft.

In die Vorauswahl zum Oscar für den besten ausländischen bzw. „internationalen Film“, wie das seit kurzem politisch korrekt heißt, gehen 15 Filme, wie die Academy of Motion Picture Arts and Sciences am Dienstag (Ortszeit) in Los Angeles mitteilte. Dazu zählen etwa Frankreichs „Wir beide“ von Filippo Meneghetti mit Barbara Sukowa, Russlands „Dear Comrades“ von Andrei Kontschalowskis, Tschechiens „Charlatan“ von Agniezska Holland oder Dänemarks„Der Rausch“ von Thomas Vinterberg, der bereits beim Europäischen Filmpreis im Dezember abgesahnt hat.

Ausgeschieden ist auch der Schweizer Beitrag „Schwesterlein“ mit den Berliner Bühnenstars Nina Hoss und Lars Eidinger, der zu großen Teilen in Berlin entstand. Das ist aber keine Schmach – gerade angesichts der Rekordbewerbungen von 97 Ländern in diesem Jahr.

Mehr zum Thema: Vinterbergs „Rausch“ sahnt beim Europäischen Filmpreis ab

Julia von Heinz könnte ausgerechnet die Abwahl von US-Präsident Donald Trump den Einzug in die Longlist vereitelt haben. Weil ihr Film von der Antifa handelt und Trump immer diffus vor einer Antifa in den USA gewarnt hatte, wurde ihrem Film dort, nach seiner Weltpremiere auf dem Filmfest in Venedig, große Aufmerksamkeit zuteil.

Auch im Vorjahr kam der deutsche Kandidat „Systemsprenger“ von Nora Fingscheidt nicht auf die Longlist. Dafür machte dieser die damals zehnjährige Hauptdarstellerin Helena Zengel berühmt, die nun im Western „Neues aus der Welt“ mit Tom Hanks spielte und dafür eine Golden-Globe-Nominierung erhielt. Nicht unwahrscheinlich, dass sie dafür auch zum Oscar nominiert wird.

Corona zwang den Oscar in den April

Zwei Deutsche können sich jetzt schon Hoffnungen machen: Der Komponist Volker Bertelmann, besser bekannt unter dem Künstlernamen Hauschka, schaffte es zusammen mit dem Amerikaner Dustin O’Halloran für ihre Filmmusik zu „Ammonite“ auf eine Shortlist von 15 Anwärtern, die die Oscar-Akademie ebenfalls schon bekannt gab. Und der Animationsfilmer Max Lang kam mit seinem Koregisseur Daniel Snaddon für den gemeinsamen Trickkurzfilm „The Snail and the Whale“ in die Vorauswahl von zehn Kandidaten. Im Kurz- und Trickfilmbereich haben deutsche Filmschaffende schon oft reüssiert.

All dies sind nur Vorauswahlen. Wer am Ende wirklich für den Oscar nominiert wird, wird erst am 15. März bekannt gegeben. Wegen der Corona-Pandemie ist die Oscar-Verleihung, spät wie nie, auf den 25. April verschoben worden.

( zdr )