Musik

TV-Doku zeigt "Tote Hosen" bei Ingwertee und Mineralwasser

| Lesedauer: 3 Minuten
Ulrike Borowczyk
Das Live-Erlebnis wird von vielen Fans schmerzlich vermisst – nun kann Campino im Fernsehen bewundert werden.

Das Live-Erlebnis wird von vielen Fans schmerzlich vermisst – nun kann Campino im Fernsehen bewundert werden.

Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Bei Arte ist eine Dokumentation über die deutsche Punkband „Tote Hosen“ zu sehen. Sie gibt Einblicke ins Tour- und Bandleben.

Gerade noch schien alles in bester Ordnung. Die letzten 60 Sekunden wurden die Toten Hosen vom frenetischen Applaus der begeisterten Fans getragen. Doch Backstage dreht sich die Stimmung plötzlich. Weil beim Auftritt einiges nicht so lief, wie es sollte, ruft Frontmann Campino mit einer Stinkwut im Bauch laut das böse Sch-Wort. Und knallt dem Zuschauer die Tür regelrecht vor der Nase zu. Drama, Baby! Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Punkrocker so pingelig sein kann?

An diesem Freitag zeigt Arte den Dokumentarfilm „Weil du nur einmal lebst – Die Toten Hosen auf Tour“. Rettungsanker für all jene in der Pandemie, die Konzerte schmerzlich vermissen. Die Dokumentation in der Regie von Grimme-Preisträgerin Cordula Kablitz-Post begleitete die Düsseldorfer Punkrocker 2018 auf ihrer Tournee „Laune der Natour“. Und gibt Einblicke in das Tour- und Bandleben.

Die "Toten Hosen" im Lichtermeer auf der Waldbühne

Mit über 19 Millionen verkauften Tonträgern sind die 1982 gegründeten Toten Hosen eine der erfolgreichsten deutschsprachigen Bands. Natürlich erlebt man sie im Film auch auf der Bühne mit ihren Hits wie „Wünsch dir was“ oder „Tage wie diese“. Co-Regisseur Paul Dugdale hat beeindruckende Live-Bilder eingefangen. Von den Musikern, von tanzenden Fans. Von der in ein Lichtermeer getauchten Berliner Waldbühne beim Song „Alles passiert“.

War es früher quasi ein Muss, betrunken auf der Bühne zu stehen, gibt es heute vor dem Gig einen schwer gesunden Wurzelsud zum Gurgeln. Das ölt die Stimmbänder. Und nüchtern sein ist mittlerweile erstrebenswert. Die Band hat ihre Einstellung zum Tourleben über die Jahre gründlich revidiert, wie Campino erzählt: „Am Anfang unserer Tage sind wir aus unserem normalen Leben ausgebrochen und dann schweren Herzens zurückgekehrt. Und jetzt ist es genau umgedreht. Das ist unser Alltag, wenn wir unterwegs sind. Wir können durchdrehen, wenn wir zuhause sind, wenn das alles vorbei ist.“

Tagsüber gibt es eben Ingwertee und Mineralwasser. Gefeiert wird dann nicht vor oder während, sondern nach der Show im Tourbus. Ganz gepflegt mit Bier und Rotwein. Wild ist dabei höchstens die Musik aus den Boxen.

Die "Toten Hosen": Alles geben für eine gute Show

Disziplin heißt das Zauberwort bei Andi, Breite, Kuddel, Vom und Campino. Letzterer hat als Frontmann den kraftzehrendsten Part. Er trainiert dafür schweißtreibenden Kampfsport. Bereitet sich bestmöglich vor. Teil einer Punkband zu sein, sei eine Berufung, sagt er. „Dafür werden wir gut bezahlt und die Leute freuen sich auf uns.“ Im Gegenzug wird alles dafür getan, um eine gute Show zu bieten.

Alles kontrollieren kann selbst Perfektionist Campino nicht. Er erlitt während der Tour einen Hörsturz, musste pausieren. Umso energetischer ging es danach weiter. Vor allem in Argentinien, wo die Band zahlreiche Fans hat. Dort wie hier sind die Toten Hosen Kult.

Arte, 29.1. um 21.55 Uhr, Arte-Mediathek vom 27.1. bis 28.2.