Wettbewerb

Frederic Jost gewinnt den Bundeswettbewerb Gesang

| Lesedauer: 5 Minuten
Charlotte Bauer
Frederic Jost (27) bei einem seiner Auftritte. Er ist Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Unter den Linden und Stipendiat der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung.

Frederic Jost (27) bei einem seiner Auftritte. Er ist Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Unter den Linden und Stipendiat der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung.

Foto: Privat

Der Neu-Berliner Frederic Jost gewinnt den mit 5000 Euro dotieren Preis der Deutschen Oper Berlin.

Berlin. Frederic Jost kann sein Glück immer noch kaum fassen. Wochenlang hatte er hart für seinen Auftritt in der Deutschen Oper geprobt. Dennoch hätte er nicht damit gerechnet, dass gerade er sich unter mehr als 300 Bewerbern beim Bundeswettbewerb Gesang 2020 durchsetzen und den gemeinsamen, mit 5000 Euro dotierten Preis der Deutschen Oper Berlin, der Komischen Oper und der Staatsoper gewinnen wird. Viel Geld für den 27 Jahre alten Sänger, das er lieber erst mal "in diesen schwierigen Zeiten" sparen will. Doch auf seinen Erfolg ausruhen, das will Jost sich nicht.

Denn Musik habe schon immer eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt, sagt der gebürtige Münchner mit seinem bayerischen Dialekt. Als Frederic Jost gerade mal sechs Jahre alt war und noch in die erste Klasse ging, haben die Talentscouts vom Tölzer Knabenchor seine Begabung bei ihrer routinemäßigen Sichtung in den Schulen erkannt. Rund neun Jahre lang hat er dort die klassische Musik lieben gelernt, sagt er - bis zu seinem Stimmbruch. Nach einer kurzen Pause und einem Auslandsaufenthalt in den USA hat er dann im Männerchor wieder zur Musik gefunden. Schon während seines Abiturs sei ihm klar gewesen, dass er seine Leidenschaft zur Musik auch zu seinem Beruf machen will.

Also entschied er sich für ein Gesangstudium an der Hochschule für Musik und Theater (HMT) in München. "Vieles habe ich meiner Professorin Michelle Breedt zu verdanken", sagt Jost. Und: Beim Studium lernte er auch seine Frau, Teresa Artaza, kennen.

Mit den großen Sängern auf der Bühne der Staatsoper

Ambitioniert wie Jost ist, wollte er direkt nach seinem Masterabschluss 2019 unbedingt an das Opernstudio der Staatsoper Unter den Linden, bewarb sich hier um ein Stipendiat der Liz Mohn Kultur- und Musikstiftung - und bekam es auch. Dafür verließ er sogar seine geliebte Heimat und zog an den Berliner Alexanderplatz, um möglichst nah an seiner Arbeitsstätte zu sein.

"Die Staatsoper ist äußerst attraktiv, weil sie eine der wichtigsten Opern in ganz Europa ist", schwärmt Jost. "Und weil man hier auch als junger Sänger die Möglichkeit hat, mit den großen Sängerinnen und Sängern gemeinsam auf der Bühne zu stehen." Bei drei Opern wirkte er seitdem in der Staatsoper mit: "Die Zauberflöte", "Der Rosenkavalier" und "Ariadne auf Naxos". Doch dann kam Corona und die Auftritte vor Publikum wurden alle von jetzt auf gleich abgesagt.

Versuch, die Krise als Vorteil zu nutzen

Doch Jost will weiter Musik machen und versucht, die Krise zum Vorteil zu nutzen. "Den Bundeswettbewerb Gesang kannte ich zum Beispiel schon sehr lange, hab mich aber in diesem Jahr zum ersten Mal beworben, weil ich zum ersten Mal die Zeit dafür hatte", sagt Jost.

Der Bundeswettbewerb Gesang ist Europas bedeutendster, nationaler Gesangswettbewerb. Seine wichtigsten Ziele: noch unbekannte Künstler zu fördern und zu vernetzen. Schirmherr ist Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Frederic Jost ist dankbar für diese Erfahrung, auch wenn in diesem Jahr alles unter etwas anderen Bedingungen ablief als üblich: Statt auf der Bühne zu singen, mussten Jost und die anderen Bewerber bei der Vorauswahl Tondateien einsenden. Und auch die Finalrunden fanden zwar auf der Bühne, aber ohne Publikum statt. Per Livestream wurden diese dann übertragen, genauso wie das Preisträgerkonzert. "Es ist einfach etwas ganz anderes, in einem leeren Raum zu singen. Die Kommunikation mit dem Publikum fehlt, und das ist das, was der Künstler eigentlich auch braucht", sagt Jost. "Wenn der Opernsaal voll ist, dann herrscht eine ganz andere Spannung."

Jetzt arbeitet Frederic Jost für seinen nächsten Traum

Dennoch sei es für ihn der Auftritt vor dem größten Publikum gewesen, jedenfalls online. Zuvor war es ein Engagement im Herkulessaal in München beim Oratorium "Der Messias" von Georg Friedrich Händel. Zu seinen weiteren persönlichen Höhepunkten zählen aber auch sein Auftritt 2016 beim Davos Festival, wo er die Hauptrolle Richard Boll in der Oper "Die Schweizer Familie" von Joseph Weigl sang.

So richtige Niederlagen habe der Sänger bislang noch keine erlebt, sagte er, jedenfalls fallen ihm spontan keine ein "Die größte Hürde war aber immer noch das Vorsingen für die Staatsoper", so Jost. Als Sänger müsse man auch mit Kritik umgehen können und es sei ganz normal, dass rund 80 Prozent der Vorsingen zu nichts führen würden. Doch auch diese Hürde hat Jost gemeistert.

Jetzt arbeitet Frederic Jost für seinen nächsten Traum: an noch größeren Opernhäuser zu singen, wie etwa an der Bayerische Staatsoper, der Mailänder Scala und der Metropolitan Opera in New York. "Schon lange träume ich aber davon, irgendwann mal den König Philipp in Schillers Drama ,Don Karlos' zu singen", sagt Jost.