Interview

Wie Andrea Sawatzki und Anna Loos Weihnachten feiern

Die Schauspielerinnen, die beide in Weihnachts-Filmen zu sehen sind, über Feiertagsrituale – und wie man in Corona-Zeiten damit umgeht.

Foto: Amin Akhtar/Annika Bauer/picture alliance/Montage BM

Berlin. Sie sind zwei der beliebtesten TV-Schauspielerinnen, sie sind beide mit ebenso prominenten Partnern verheiratet. Und nun sind sie beide kurz hintereinander in zwei Weihnachtsfilmen im ZDF zu sehen: Anna Loos am 17. Dezember in „Alle Nadeln an der Tanne“ und Andrea Sawatzki vier Tage später, am 21. Dezember, in „Familie Bundschuh im Weihnachtschaos“ (je 20.15 Uhr).

Gehören solche Familienkomödien zur Adventszeit einfach dazu? Wie feiern die Damen selbst Weihnachten? Und wie wird das Fest in diesem Pandemie-Jahr ausfallen? Das haben wir die beiden Stars gefragt. Corona-bedingt einzeln und unter aerosol-freien Bedingungen.

Sie treten beide in Weihnachtsfilmen auf. Gehören solche Filme zur Adventszeit einfach dazu?

Anna Loos: Für mich ja. Wir haben am 1. Advent schon angefangen, Weihnachtsfilme zu gucken. Hollywoodklassiker, aber auch die tschechischen Märchenfilme wie „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Manche Filme kann ich schon fast mitsprechen, aber ich liebe sie einfach. Es gibt nicht mehr so viele Abende, an denen wir gemeinsam vor dem Fernseher sitzen. Aber zu dieser Zeit schon.

Frau Sawatzki, Ihre Familie Bundschuh feiert schon wieder Weihnachten, Sie werden diesmal sogar zum Weihnachtsengel. Sind Sie damit so etwas wie die Weihnachtsexpertin? Oder doch die Weihnachtsfilm-Expertin?

Andrea Sawatzki: Na, es ist ja schon der fünfte Bundschuh-Film, aber erst das zweite Mal um die Weihnachtszeit. Der neue ist auch der erste, der nicht nach einem meiner Romane entstanden ist. Aber Weihnachten eignet sich natürlich sehr gut, um Familien in eine Extremsituation zu bringen. Die Menschen sehnen sich nach Harmonie und Ruhe. Und bei den Bundschuhs klappt das halt nicht und endet in einer Tragödie. Insofern ist Weihnachten ein gefundenes Fressen.

„Familie Bundschuh im Weihnachtschaos“: Der Trailer zum Film

Wann wurde Ihr Weihnachtsfilm eigentlich gedreht? Zur Winterzeit?

Sawatzki: Den haben wir tatsächlich letzten Dezember gedreht, also in der Adventszeit, noch bevor der Bundschuh-Film vom vergangenen Jahr ausgestrahlt wurde. Ich finde, das beflügelt einen, wenn man einen Weihnachtsfilm dreht und draußen schon alles geschmückt ist. Ich drehe sowieso gern zur Weihnachtszeit. Ich habe immer das Gefühl, das ist so ein letztes Aufbäumen vor der Ruhezeit.

Frau Loos, bei Ihnen scheint es noch nicht so kalt gewesen zu sein. Und der Wald ist auch ziemlich grün.

Loos:(lacht) Wir sind mit diesem Film wirklich Corona-Kinder. Drehbeginn war gleich Anfang März, da war’s noch schön kalt. Leider mussten wir aber zur Hälfte der Dreharbeiten wegen des Lockdowns abbrechen und konnten erst im bereits warmen Monat Mai den Film zu Ende drehen. Im dicken Rollkragenpullover. Wir haben da ganz schön geschwitzt!

Kommt denn da überhaupt Weihnachtsstimmung auf?

Loos: Auf jeden Fall! Die Innenaufnahmen wurden in den Bavaria-Studios gedreht. Und das wurde alles von der Adventsdeko bis zum Weihnachtspullover wahnsinnig süß eingerichtet. So hatten wir im Frühsommer wirklich Weihnachtsstimmung.

„Alle Nadeln an der Tanne“: der Trailer zum Film

Weihnachten im TV, das sieht immer ganz ähnlich aus. Alles soll immer ganz schön werden und wird immer ganz chaotisch. Ist das überspitzt oder entspricht das den wahren Verhältnissen in deutschen Stuben?

Sawatzki: Im Fernsehen wird das natürlich immer noch mal etwas überspitzt. In normalen Familien hält sich das eher im Verborgenen. Aber gerade wenn sich mehrere Generationen treffen, brodelt es schon etwas unter der Oberfläche. Wie man zu Weihnachten wohlweislich versucht, kein Pulverfass aufzumachen. Auch wenn man schon auch das Gefühl hat, das wäre eigentlich genau der richtige Moment, gewisse Themen anzustoßen. Beides kann für Unmut sorgen.

Loos: Ich glaube, das ist gar nicht so überspitzt. Gerade Familien mit vielen Kindern können ein Lied davon singen. Bis zu Weihnachten ist Vollgas angesagt. Alles muss eingekauft, muss geschmückt werden. Man ist im Vollstress, die Stadt ist voll, die Leute sind ein wenig aggressiv, weil sie abgehetzt sind. Und dann kommen noch die Verwandten und nörgeln rum. Das hat schon Stoff für eine kleine Explosion in jeder Familie.

Ihre Filme laufen kurz hintereinander. Und ähneln sich auch ein wenig. Anfangs schmückt jemand das Haus, dann muss ein Verwandter aus dem Krankenhaus aufgenommen werden. Ist der Weihnachtsfilm als Genre einfach so begrenzt, dass man automatisch auf ähnliche Dramaturgien verfällt?

Sawatzki: Echt, ist das so? Naja, man ist schon in einem Mikrokosmos. Da hat man nicht so große Ausweichmöglichkeiten. Bei uns ist es ja zumindest so, dass die Großmütter ausbüxen und man sie dann suchen muss. Aber der Trick ist schon, die Familien in einem möglichst begrenzten Umfeld zu zwingen, damit sie aufeinander losgelassen werden können. So wie ich die Bundschuhs sehe, kann man das wohl auch auf Weihnachtsfilme übertragen: Ich sehe sie wie Wespen, die ich in ein Wespenglas sperre – und dann schaut man, was passiert. Da finden sich, glaube ich, auch viele Zuschauer wieder. Gerade an Weihnachten.

Loos: Es ist sicher gar nicht so einfach, sich eine Geschichte an Weihnachten auszudenken, die etwas anders abläuft. Aber bei uns ist es auch etwas anders....

In beiden Filmen gibt es auch ein Kind, das sich der Weihnachtsstimmung verweigert und ständig an den Klimawandel, Umweltverschmutzung und andere unschöne Themen erinnert. Kennen Sie das aus dem eigenen Umfeld? Und trübt das die Feierlaune?

Loos: Natürlich! Für unsere Eltern mache ich am 24. immer eine Gans. Inzwischen gelingt mir die ganz gut. Aber unsere Kinder sind beide Vegetarier. Sie halten uns dann gern Vorträge darüber, wie die Tiere gehalten werden. Oder schicken uns Links, damit wir uns ein Bild davon machen können.

Sawatzki: Ich bin da selbst sehr angreifbar. Ich habe mir letztes Jahr tatsächlich einen Plastikbaum gekauft, weil es so viel CO2-Ausstoß verursacht, wenn die Bäume verbrannt werden. Ich habe gerechnet, wenn wir 30 Jahre lang immer denselben Baum benutzen, dann wäre Plastik, das natürlich auch nicht gut ist, zumindest weniger schädlich. Leider hat diese Plastiktanne aber ganz fürchterlich gerochen. Und ich mag es, wenn es an Weihnachten nach Zimt, Plätzchen und Nadeln duftet. Das war’s dann auch nicht. Die Familie war damit auch nicht glücklich. Den habe ich dann einer Schule für ihre Aula geschenkt. Dieses Jahr gibt es einen Bio-Leihbaum.

Was bedeutet Ihnen Weihnachten denn persönlich? wie sieht für Sie ein normaler Weihnachtsabend aus?

Sawatzki: Bei uns ist Weihnachten immer sehr klein. Als unsere Mütter noch lebten, war das noch schöner, weil noch eine andere Generation dabei war. Jetzt sind wir immer zu viert. Und ich bin sehr froh, dass wir alle Weihnachten lieben. Da kommen keine Pulverfässer hoch wie im Film. Die Jungs sind dann zuhause. Ich schmücke immer das Haus, wir kochen, essen und reden viel. Ich bin da ziemlich romantisch veranlagt.

Loos: Seit vielen Jahren geben mein Mann und ich am 23. mit vielen Freunden eine Weihnachtsbaum-Schmückparty. Für die Kinder ist das Wohnzimmer dann verbotene Zone. Das ist ein Abend für unsere Freunde, wir feiern das Jahr, trinken und reden zusammen. Das geht manchmal bis vier Uhr morgens, um zehn stehen dann schon unsere Eltern vor der Tür. Wir haben dann zwar manchmal einen dicken Kopf, aber wir sind total entspannt.

Und wird sich das in diesem Jahr corona­bedingt ändern?

Sawatzki: Das ist natürlich schade. Wir haben immer am ersten, zweiten Weihnachtsfeiertag Besuch oder sind zu Freunden gefahren, die Jungs sind manchmal noch an Heiligabend zu ihren Freunden. Ich glaube, gerade für die Jugend ist das besonders hart dieses Jahr. Wo man sich in der Düsternis und Kälte auch schlecht draußen treffen kann.

Loos: Wir wissen noch gar nicht, wie wir das machen sollen. Wir haben uns Tests besorgt, damit wir auf jeden Fall mit den Geschenken zu unseren Eltern fahren können. Aber wie wir das am Ende wirklich machen, haben wir noch nicht entschieden. Jeden Tag kommt ja ein neuer Beschluss. Ich weiß auch nicht, ob die Kinder nicht aus der Schule raus sollten. Ich wäre fein damit, sich vor Weihnachten für ein, zwei Wochen einzuschließen.

Gewinnt das Fest unter diesen Umständen noch mehr an Bedeutung? Zelebriert man es da noch bewusster?

Loos: Ich denke schon. Die Zeit zwischen den Jahren ist doch für Viele eine Auszeit. Das kommt nun sicher gelegen.

Sawatzki: Man darf sich halt nicht im größeren Kreis treffen. Aber klar, dadurch weiß man noch mehr zu schätzen, was dieses Fest eigentlich bedeutet und wie man es sonst gefeiert hat.

Haben Sie eigentlich gerade gedreht? Und wenn ja - wie funktioniert das? Unter Quarantänebedingungen?

Loos: Ja, in der Corona-Zeit hatte ich viele Drehtage. Das war sehr ermutigend, wie schnell Konzepte entwickelt und umgesetzt wurden. Die Teams mussten ständig diese FFP2-Masken tragen, da hat man abends schon mal Kopfschmerzen. Wir Schauspieler hatten es noch am besten, wir mussten nur immer die Tests machen. In der Drehzeit zu „Alle Nadeln an der Tanne“ wohnten alle in einem Hotel, vieles war anders, es gab z.B. kein Frühstück und nach langen Drehtagen nur noch eine Pizzeria mit Lieferservice. Da ist dann am Ende immer das ganze Team hin. Aber auch das hatte etwas sehr Besonderes. Wir waren noch mehr Film-Familie als sonst. Und bei uns hat sich keiner mit Corona angesteckt.

Sawatzki: Ich habe gleich vier Filme gedreht. Und keiner musste unterbrochen werden, weil jemand erkrankt wäre. Aber es ist schon seltsam. Du steckst da in Quarantäne, darfst zwischendurch auch nicht nach Hause. Das waren schon einsame Zeiten. Was mich sehr traurig macht, ist, dass man mit dem Team nicht in Kontakt kommt. Da muss man auf Abstand gehen, das hat dann kaum mehr was von einer Gemeinschaftsarbeit.

Macht Drehen unter diesen Bedingungen überhaupt noch Spaß?

Sawatzki: Ja! Alle sind glücklich, dass sie überhaupt arbeiten können. Es funktioniert ja auch. Das zeigt ja auch, wenn sich alle zusammenreißen und an die Regeln halten, dann kann man das ausbremsen.

Loos: Natürlich ist es schwierig. Aber danke, danke, dass wir im Film arbeiten dürfen. Ich bin ja auch Musikerin. Und in dem Bereich kann man derzeit ja gar nicht arbeiten, und das schon seit fast acht Monaten. Das macht mir wirklich Sorgen, denn viele Menschen verdienen ihren Un­terhalt mit Veranstaltungen, Konzerten, Theater, eben dem Live-Geschäft. Zwei Tourneen hatten wir geplant und dann wieder verschoben. Wir glauben nicht dass man im Frühjahr 2021 schon in größeren Clubs spielen kann.

Was wünschen Sie sich fürs nächste Jahr?

Sawatzki: Ich glaube, was sich alle wünschen: dass wir diese Pandemie bald in den Griff bekommen. Wichtig wäre, dass wir dann auch wieder mehr über den Klimawandel sprechen.

Loos: Ich wünsche mir, dass alle gesund bleiben. Meine Eltern haben Sterbeverbot. Und ich wünsche mir, dass wir dieses C-Virus bald besiegen und wieder ein normales Leben führen können.