Schlosspark Theater

Hallervorden inszeniert ein kleines Lockdown-Trostpflaster

Der 85-Jährige hat zu seinem kurzweiligen Livestream „Hallervordens Lockdown-Treff“ viele Stars und Weggefährten eingeladen.

Dieter Hallervorden im Schlosspark Theater (Archivbild).

Dieter Hallervorden im Schlosspark Theater (Archivbild).

Foto: Jens Kalaene / dpa

Berlin. Und sie dreht sich doch. Nein, nicht die Erde ist gemeint, sondern die Bühne im Schlosspark Theater! Das ist ja aktuell Pandemie-bedingt geschlossen. Dennoch kann man Jan Sosniok und Susan Sideropoulos endlich in der Krimi-Komödie „Zwei wie Bonnie und Clyde“ erleben. Zumindest ein paar Minuten lang. Ein Appetithappen, der Lust machen soll auf mehr. Die Inszenierung war ursprünglich schon im Frühjahr angekündigt. Doch dann kam der Lockdown und hat der Steglitzer Bühne einen Strich durch die Rechnung gemacht. Also wurde jetzt im Herbst erneut wie verrückt geprobt für den zweiten Anlauf zur Premiere im November. Vorläufig vergeblich.

Trotz des zweiten Shutdowns für Kulturbetriebe hat Hausherr Dieter Hallervorden bekanntlich noch vor knapp zwei Wochen versucht, per Eilantrag eine Öffnung seines Hauses zu erstreiten. Das Gericht lehnte seine Klage jedoch ab. Um mit den Zuschauern auch unter diesen schwierigen Bedingungen in Kontakt zu bleiben, hat der Film- und Bühnen-Star nun zu „Hallervordens Lockdown-Treff“ eingeladen. Oder wie er es nennt: „Unser kleiner Livestream im Rahmen unseres Überlebenskampfes.“ Empfangbar an den smarten Endgeräten über den hauseigenen YouTube-Kanal oder Facebook.

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Keine Zuschauer weit und breit


Dafür hat der 85-Jährige zahlreiche Kollegen und künstlerische Weggefährten eingeladen. Die Prominenz gibt sich nur zu gern die Klinke in die Hand. Darunter Charakterdarsteller Michael Mendl, Comedian Torsten Sträter und Theater-Legende Claus Peymann. Natürlich alle negativ auf Corona getestet. Sie spielen vor leerem Theatersaal. Keine Zuschauer weit und breit, die applaudieren oder lachen könnten. Immerhin schauen ihnen fast lebensgroße Puppen zu, die auf den zwecks Mindestabstand geblockten Plätzen sitzen.

Schnell wird klar, dass es neben allem gebotenen Amüsement vor allem um die Schließung der Theater geht. Für die meisten Künstler quasi ein Berufsverbot. Kolumnist Harald Martenstein fordert denn auch von der Politik, die Maßnahmen müssten endlich verhältnismäßig sein. Es könne nicht sein, dass Theater mit amtlich geprüften Hygienemaßnahmen geschlossen seien, während Läden aller Art geöffnet hätten.

Unter der gepflegten Oberfläche brodelt es bedenklich

Aber selbstredend kommt an einem Abend mit Dieter Hallervorden auch der Humor nicht zu kurz. Der Gastgeber schlüpft dazu in die Rolle von Gott. Den spielt er schließlich in der Inszenierung „Gottes Lebenslauf“. Äußerlich ein distinguierter Grandseigneur mit wogender, weißhaariger Wallemähne. Unter der gepflegten Oberfläche brodelt es indes bedenklich. Die Predigt, die er den Menschen über den Raubbau an ihrem Planeten hält, hat sich ganz schön gewaschen. Er, der liebe Gott, könnte sich seine Schöpfung gut ohne den Menschen vorstellen. Für ihn kein Problem, wie er singend mit Gloria Gaynors Siebziger-Disco-Knaller „Ich überleb 's“ beweist.


Beim kurzweiligen Livestream mit dabei ist auch Kabarettist Frank Lüdecke. Er war am 1. November der letzte, der im Schlosspark Theater auf der Bühne stand. Jetzt schlägt er vor, die Theater zu Kirchen umzuwidmen, um öffnen zu dürfen. Zur Melodie vom Simon & Garfunkel-Hit „The Boxer“ singt er dann noch einen Song über Berlin. Über viele Hunde und Null Wohnraum in der Stadt. Doch dann fordert er beim Refrain euphorisch zum Mitsingen auf: „Und alle!“ Bis ihm einfällt: „Ist ja keiner da!“ Was jeden leidenschaftlichen Theatergänger traurig stimmt. Der Livestream mag zwar ein tolles Trostpflaster sein, aber eben doch kein Vergleich zu einem Bühnenerlebnis vor Ort.