Der Sonntags-Krimi

Im neuen „Tatort“ wird Ulrich Tukur zu Grabe getragen

Die „Tatort“-Folgen aus Hessen sind ja immer etwas schräg. So auch der neue Fall. Dort gibt es Ulrich Tukur sogar gleich doppelt.

Bisschen radeln, bisschen ausspannen: So hatte sich Murot (Ulrich Tukur) seinen Urlaub vorgestellt. Aber daraus wird nichts.

Bisschen radeln, bisschen ausspannen: So hatte sich Murot (Ulrich Tukur) seinen Urlaub vorgestellt. Aber daraus wird nichts.

Foto: ARD / HR/Bettina Müller

Felix Murot, der von Ulrich Tukur gespielte „Tatort“-Kommissar aus Wiesbaden, wird zu Grabe getragen. Und seine Kollegin Wächter ringt dabei mit den Tränen. Wie wenn, was denn? Ist der Hirntumor aus den ersten Folgen zurückgekehrt? Und hat den Kommissar nun doch zur Strecke gebracht? Will Tukur nicht mehr tatorten und hat sich einen besonderen Abgang verschafft.

Nein, gemach. Es ist, wie so oft bei den „Tatorten“ aus Hessen, alles ein wenig anders. Eigentlich will der Herr Kommissar nur mal ein paar Tage ausspannen. „Die Ferien des Monsieur Murot“ heißt denn auch die Folge. Das ist, wie so oft bei Tukur-„Tatorten“, eine Hommage auf Jacques Tatis Komödienklassiker „Die Ferien des Monsieur Hulot“.

Mit dessen Slapstick hat der Fall indes nichts zu tun. Eher mit Erich Kästners „Doppeltem Lottchen“. Denn in seinem Hotel wird dem Herrn Kommissar wird in seinem Hotel ein Eisbein serviert, das er nicht bestellt hat. Die Order kam zwei Tische weiter – von einem Mann, der genauso aussieht wie er.

Ulrich Tukur in einer Doppelrolle

Ulrich Tukur im Doppelschlag: Der windige Autoverkäufer Walter Boenfeld lädt seinen ungeahnten Zwilling erst zum Wein, dann zu sich nach Hause ein. In der Sauna, ohne ihre doch sehr unterschiedliche Garderobe, sind sie wirklich nicht mehr zu unterscheiden. Der Schweiß macht uns alle gleich. Murot duselt dabei selig in. Boenfeld aber stibitzt sich Murots Kleidung (samt Ausweisen), um einen Tag mal ein anderes Leben zu führen. Das hätte er mal lassen sollen: Nachts auf der Landstraße flanierend, wird er von einem Auto überfahren. Absichtlich. Und auch das doppelt.

„Die Ferien des Monsieur Murot“: der Trailer zum Film

In jedem normalen Krimi würde der Kommissar nun offiziell die Ermittlung übernehmen. Doch die Murot-Folgen sind immer etwas anders und schräg. Daher behält Murot, der im Haus des Fremden mit einem Kater aufwacht, seine falsche Identität bei. Auch wenn der Tote bald als Murot beerdigt wird und seine Kollegin Wächter (Barbara Philipp) darüber ein paar Tränchen vergießt.

Tukur, das doppelte Lottermännchen

Nur so glaubt Murot herausfinden zu können, wer sein Alter Ego getötet hat. Und nicht nur die Gattin (Anne-Ratte Polle), vor der der Tote ihn gewarnt hat, ist verdächtig. Freilich hält Murot noch aus anderem Grund an dem Rollenspiel fest. Er fühlt sich zu der Frau irgendwie hingezogen. Und spielt die Rolle bis ins Ehebett weiter.

Das ist natürlich nicht ungefährlich. Es könnte ja einen weiteren Mordversuch geben. Und dann erscheint Murot auch noch ständig der Tote, der ihn aus dem Jenseits rügt. Das ist, wie so oft bei den Murot- „Tatorten“, alles sehr konstruiert und unlogisch, hat aber seinen ganz eigenen Reiz. Und allein Tukur als doppeltes Lottermännchen zu erleben, lohnt das Einschalten.

„Tatort: Die Ferien des Monsieur Murot“: ARD, 22. November, 20.15 Uhr