Streaming

Elyas M’Barek einmal von einer ganz anderen Seite

Starkes Drama: Trotz großem Star-Nimbus startet Österreichs Oscar-Kandidat „Was wir wollten“ in Deutschland nur auf Netflix.

Elyas M’Barek und Lavinia Wilson zu dem Netflix-Film „Was wir wollten“.

Elyas M’Barek und Lavinia Wilson zu dem Netflix-Film „Was wir wollten“.

Foto: Netflix

Es gibt nur wenige Spitzenstars im deutschen Film, die verlässlich Millionen in die Kinos ziehen. Til Schweiger allen voran, Bully Herbig, Matthias Schweighöfer. Und seit den „Fack ju Göhte!“-Filmen auch Elyas M’Barek. Da erstaunt dann doch, dass sein jüngster Film gar nicht erst ins Kino kommt. Das wäre derzeit corona-bedingt ohnehin nicht möglich.

Aber „Was wir wollten“, eine österreichische Produktion von Ulrike Kofler, feiert seine Deutschland-Premiere gleich auf Netflix. Dabei ist M’Barek hier mal von einer ganz anderen Seite zu sehen: nicht wie so oft in einer überdrehten Komödie, sondern in einem ganz ernsten und starken Beziehungsdrama.

Krise im Urlaubsparadies

M’Barek spielt hier Niklas, die immer starke Lavinia Wilson, die eigentlich viel zu selten in großen Rollen zu sehen ist, seine Freundin Alice. Beide führen eigentlich eine glückliche Beziehung. Sie bauen sich gerade ein Haus. Aber Alice will unbedingt ein Kind. Gerade hatte sie ihre vierte Fehlgeburt. Und die biologische Uhr tickt.

Die Ärztin rät zu einer Auszeit. Das Paar fährt nach Sardinien, wo sie schon einmal waren. Diesmal soll es kein Camping mehr sein, sie leisten sich ein nobles Ferienhäuschen. Doch ganz so klug ist das Reiseziel nicht. Denn damals ist Alice schwanger geworden, die beiden kannten sich aber noch nicht lange, es schien zu früh für ein Kind.

Und nicht nur das steht im Urlaub zwischen ihnen. Gleich nebenan quartiert sich eine Schweizer Familie ein. Die ist recht laut und übergriffig. Da fallen so unsensible Sätze wie „Kinder habt ihr keine“, auch wenn die gestressten Eltern da eher neidisch sind. Alice schaut nicht weniger neidisch auf das kleine Mädchen von nebenan.

Eine Wendung, die alles neu justiert

Sie ist auch die einzige, die zum 14-jährigen Sohn Zugang findet, der sich seiner Familie komplett verweigert. Dennoch will Alice die Zeit lieber zu zweit verbringen. Und ärgert sich über ihren Mann, der eine Kumpanei mit dem Schweizer beginnt und auch recht ungeniert dessen freizügige Frau anstiert.

Das Regiedebüt der Cutterin Kofler, das Österreich ins Rennen um den Auslands-Oscar schickt, ist ein stark gespieltes Kammerspiel, das immer ganz dicht bei seinen Protagonisten bleibt. Ein bisschen wie Martin Walsers „Ein fliehendes Pferd“, nur mit Kinderwunsch. Und mit einer überraschenden Wendung, die alles noch einmal ganz neu justiert.

„Was wir wollten“: Netflix, ab 11. November.