Film

Weltstar aus Spandau: Elke Sommer wird 80

| Lesedauer: 6 Minuten
Peter Zander
Die brave Frau hinter dem Sexsymbol: Elke Sommer, hier eine Aufnahme von 1981 im Garten ihres Hauses in Beverly Hills.

Die brave Frau hinter dem Sexsymbol: Elke Sommer, hier eine Aufnahme von 1981 im Garten ihres Hauses in Beverly Hills.

Foto: picture alliance / Horst Ossinger

Elke Sommer schaffte als erste Deutsche nach dem Krieg den Sprung nach Hollywood. Am 5. November wird die Schauspielerin 80 Jahre alt.

Weltstar – der Begriff wird ja allzu oft verwendet. Ein echter Weltstar, das ist bis heute nur jemand, der es schafft, in den USA berühmt zu werden. Und von dort aus in die ganze Welt zu strahlen. Das engt den Kreis schon drastisch ein. Erst recht, wenn es um deutsche Weltstars geht. Da ist natürlich Marlene Dietrich, die da stets an allererster Stelle genannt werden muss.

Aber schon Hildegard Knef, die den Sprung nach Übersee wagte, kehrte nur wenige Jahre später reumütig zurück. Und auch Romy Schneider, Österreicherin zwar, aber als „Sissy“ von ganz Deutschland vereinnahmt, wandte sich nach kurzer Zeit wieder von Hollywood ab. In jüngster Zeit hat es immerhin Diane Kruger geschafft, sich in den USA einen Namen zu machen. Sie hat dafür sogar ihren Umlaut geopfert. Aber fragt man Amerikaner nach einem deutschen Weltstar, fällt vermutlich ein ganz anderer Namen, der einem hierzulande nicht gleich in den Sinn käme: Elke Sommer.

Elke Sommer: die offizielle Homepage des Stars

Sie hat geschafft, woran die Knef noch gescheitert ist: als erste Deutsche nach dem Krieg in den USA gefeiert zu werden. Und nicht mehr immerzu mit dem Generalvorwurf konfrontiert zu werden, aus dem Land der Täter zu stammen. Das gelang der damals 21-Jährigen freilich nur unter dem fragwürdigen Label als Sexsymbol.

Sie war der Inbegriff des „deutschen Fräuleinwunders“, und mit ihrer üppigen Oberweite eins der Busenwunder, die damals die Klatschspalten und Yellow Papers beherrschten. Sie war sowas wie die deutsche Antwort auf Marilyn Monroe. Wurde aber auch weniger sanft als „Sauerkraut-Bardot“ etikettiert.

Sexsymbol und Pfarrerstochter

Dabei ist sie eine Pfarrerstochter. Und keine solche, die mit ihrem Vaterhaus radikal gebrochen hätte. Im Gegenteil. Der Chefaufklärer des deutschen Films, Oswald Kolle, verwandte denn auch, klar auf sie gemünzt, den Begriff der „Erlanger Pfarrerstochter“.

Und auch Elke Sommer selbst versah 1989 ihre „Autobiografische Zwischenbilanz“ mit dem augenzwinkernden Titel „Unter uns Pfarrerstöchtern, oder?“. Und erst jüngst hat sie sich in der „Bunten“ über ihr Image amüsiert, „denn ich bin ja ein Sexsymbol, das in seinem Leben gerade mal vier Männer hatte“. Alles nur ein Missverständnis also. Und alles Zufall.

Elke Sommer wurde am 5. November 1940 in Spandau geboren. Als Elke Schletz. Eigentlich sogar von Schletz. Ein uraltes Adelsgeschlecht. Sie könnte sich Baroness nennen, hat auf Titel aber nie Wert gelegt. Einen Weltstar aus Berlin darf man sie aber nur bedingt nennen. Denn nur zwei Jahre später, im Kriegsjahr 1942, wurde die Familie aus Berlin evakuiert, das Kind wuchs im Fränkischen bei Erlangen auf.

Schauspielerin hat Elke Sommer eigentlich nie werden wollen: „Nichts hätte mich weniger interessiert.“ Ihr Berufswunsch war Dolmetscherin. Sie spricht sechs Sprachen, hat ein Jahr als Au-pair-Girl in England verbracht. Als ihre Mutter danach mit ihr Urlaub in Italien machte, 1958 in Viareggio, wurde sie beim örtlichen Schönheitswettbewerb zur Miss Viareggio gekürt.

Das Rollenspektrum blieb beschränkt

Die damit verbundenen Pralinen und Nylonstrümpfe nahm sie dankend an, doch die Fotos erschienen nicht nur in den regionalen Zeitungen. Der italienische Produzent Vittorio de Sica wurde auf sie aufmerksam, noch im selben Jahr, 1958, drehte sie ihren ersten Film. Und änderte ihren Nachnamen, weil die Italiener ihn nicht aussprechen konnten, in Sommer um.

Dann nahm Artur Brauner sie für drei Jahre unter Vertrag. Die Bandbreite ihrer Rollen blieb dabei recht schmal: Sie war die blonde Sexbombe. Das Flittchen in „Am Tag, als der Regen kam“ (1960) oder eine verhängnisbringende Lolita in „Das Mädchen und der Staatsanwalt“. Und die Titel längst vergessener Filmchen jener Zeit sprechen auch Bände: „Geliebte Hochstaplerin“, „Luxusweibchen“, „Zarte Haut in schwarzer Seide“ oder „Herein ohne anzuklopfen“.

„Ich war ja immer wahnsinnig naiv“

1962 klopfte dann Hollywood an. Mit Paul Newman drehte sie den Agentenfilm „The Prize“, für den sie einen Golden Globe als Newcomerin des Jahres gewann. Danach stand sie eben Stars wie Glenn Ford oder Peter Sellers vor der Kamera. Doch der ganz große Durchbruch gelang ihr nie.

Immer steckte sie in der Schublade der üppigen Blondine fest. Was, wie sie später zugab, teils ihre eigene Schuld war. „Aber ich war ja immer wahnsinnig naiv und kindlich bis ins hohe Alter“, sagte sie in einer Talkshow von Günther Jauch. Das war 1989, da war sie gerade mal 49.

Sie wirkte dem entgegen, indem sie immer häufiger komische Rollen übernahm, die bis zur Selbstparodie gingen. Sie versuchte auch eine Zweitkarriere als Sängerin, was trotz einiger Folk-Alben eher erfolglos blieb. Sie brachte sich aber immer wieder ins Gespräch, etwa als sie 1970 für den „Playboy“ die Hüllen fallen ließ, wobei sie ihr damaliger Ehemann, der Schriftsteller Joe Hyams, fotografierte. Und war gern geladener Gast in zahllosen Talkshows, deutschen wie amerikanischen.

Große Feier wegen Corona abgesagt

Wobei sie etwa 1975, im Jahr der Frau, die Nacktheit vor der Scham verteidigte. Sie stand auch immer zu ihren Nacktfotos: „Sie sind schön und sinnlich. Ich war halt die erotische Blondine“, meinte sie. Und, wie entschuldigend: „Ich konnte ja nichts für meine blonden Haare, meine Figur, meine hübsche Nase.“

Ab Mitte der 60er-Jahre malte Elke Sommer auch, unter dem Künstlernamen E. Schwartz, und sah das bald als ihre eigentliche Profession. Ihr Wunsch, dass ihr Name einmal mehr mit ihren Bildern als mit ihren Filmen verbunden werde, hat sich indes nie erfüllt.

Heute lebt das Ex-Sex-Symbol, obwohl sie immer noch ein Anwesen in Beverly Hills besitzt, hauptsächlich im kleinen Marloffstein. Zurück im Fränkischen. Hier wird sie am heutigen Donnerstag auch ihren 80. Geburtstag feiern. Auch wenn die große Feier corona-bedingt ausfallen muss. „Es ist etwas traurig“, wie sie gestand, „wir haben alles abgesagt.“