Nachruf

Er war der beste aller Bonds: Sean Connery ist tot

Eine Rolle und drei Ziffern machten ihn berühmt, doch Sean Connery war mehr als nur 007. Nun ist er im Altern von 90 Jahren gestorben

Es war die Rolle seines Lebens. auch wenn er sie gehasst und gleich zwei Mal hingeworfen hatte. 1983 war Connery ein letztes Mal als James Bond zu sehen: in „Sag niemals nie“. |

Es war die Rolle seines Lebens. auch wenn er sie gehasst und gleich zwei Mal hingeworfen hatte. 1983 war Connery ein letztes Mal als James Bond zu sehen: in „Sag niemals nie“. |

Foto: Bert Reisfeld / picture-alliance / dpa

Bahamas.  Vor zwei Monaten erst, am 25. August, hat die Welt seinen 90. Geburtstag gefeiert. Sean Connery hatte sich da längst aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Ein letztes Bild, das eine Fanpage veröffentlicht hatte, zeigte ihn im Kreis seiner Lieben. Es war als Gruß an die Fans gedacht. Doch die machten sich daraufhin große Sorgen, war Connery doch auf dem Bild erschreckend abgemagert. Am gestrigen Sonnabend teilte seine Familie nun mit, dass der schottische Weltstar auf den Bahamas, wo er seit langem lebte, gestorben ist

Sein Name ist untrennbar verbunden mit einer Rolle, drei Ziffern – und zwei Sprüchen. Sean Connery war der erste James Bond und ist bis heute, wie immer neue Umfragen belegen, für die Fans noch immer der beste 007: der Spion mit den Lizenzen zum Töten, zum Lieben und zu trockenen Sprüchen.

Connery hat die Reihe zur Marke und die Sätze berühmt gemacht, auf die noch heute in jedem neuen Bond-Film alle warten: „Geschüttelt, nicht gerührt“, als – unnötig, das zu erwähnen – Anweisung, wie er seinen Martini trinken möchte. Und, natürlich der Moment, wo er sich vorstellt und, was kein Geheimagent je tun würde, jede Tarnung sausen lässt: „Mein Name ist Bond, James Bond.“ Den Klarnamen gleich doppelt genannt, den „James“ dabei langgezogen, wie ein Ausrufezeichen.

Eine Rolle fürs Leben, die Segen und Fluch zugleich war

Alle rissen sich um diese Rolle, als der Plan aufkam, Ian Flemings Agentenromane zu verfilmen. Und die größten Namen wurden dabei gehandelt, Stars wie Cary Grant oder David Niven. Aber am Ende wurde es dann der 32-jährige Connery. Eine Überraschung, weil der damals noch ziemlich unbekannt war. Aber so war er wohl auch noch einfacher zu lenken als die großen Kollegen. Und auch nicht gar so teuer. Denn anfangs war es noch ziemlich ungewiss, ob der erste 007 ein Erfolg werden und überhaupt weitere Filme nach sich ziehen würden. Erst nach und nach wurden die Budgets immer höher, die Ko-Stars namhafter. Und die Settings exotischer.

Und Connery, er gefiel vor allem als Typ, mit seinem kerlig-virilen Auftreten, seiner tiefen Stimme - und seinem Selbstbewusstsein. Mit Action, schnittigen Autos und üppigen Bond-Girls konnte man das männliche Publikum ins Kino ziehen. Aber auch das weibliche Publikum sollte erobert werden. Und bei dem kam der gebürtige Edinburgher mit der üppigen Brustbehaarung bestens an. Auch wenn man das rückblickend, ob all der sexistischen und eindeutig herabwürdigenden Szenen mit Frauen, nicht recht verstehen kann.

Ian Fleming war über Connery entsetzt

Anfangs war Connery Vertreter eines bestimmen Männerbilds jener Jahre. Erst später unterfütterte er dieses Gebaren mit einer Waffe, die sein eigentliches Markenzeichen werden sollte: die Ironie. Und die in diesem Sinne hochgezogene Augenbraue.

Ian Fleming soll über die Besetzung entsetzt gewesen sein: Alle, nur der nicht. Denn Sean Thomas Connery kam aus einfachsten Verhältnissen, das völlige Gegenteil eines kultivierten Agenten. Aus der Royal Navy war er schon vorzeitig ausgestiegen. Dafür hatte er sich lange mit allen möglichen Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten, als Milchmann, Pferdekutscher, Sargpolierer. Aber eben auch als Bademeister, Unterhosen- und Aktmodell. 1953 wurde er sogar Dritter bei der Wahl zu Mr. Universum. Und die Frauen, sie lagen ihm zu Füßen. Nicht nur in den Bond-Filmen.

Doch so berühmt Connery diese Rolle auch machte, wurde er ihrer auch bald überdrüssig. Was er durchaus mit Daniel Craig, dem noch aktuellen sechsten Bond-Darsteller, gemein hat. Aus denselben Gründen. Plötzlich war Connery auf der ganzen Welt bekannt, wurde überall mit der Rolle gleichgesetzt. Hatte kein Privatleben mehr, wurde immer verfolgt, bis aufs Klo. Und auch wenn er immer höhere Gagen einstrich und diese auch mit Lust forderte, lernte er die Rolle zu hassen.

Zwei mal ausgestiegen, zwei mal zurückgekommen

Zwei Charakteristika heben Connery von allen späteren Bond-Nachfolgern ab. Merkmal Nummer eins: Er war der erste, der als 007 gleich zwei Mal hinwarf. Das erste Mal schon 1967, nach „Man lebt nur zweimal“. Doch als George Lazenby als Nachfolger floppte, konnte man Connery noch einmal zu „Diamantenfieber“ (1971) überreden. Da überwarf er sich mit den Bond-Produzenten gleich wieder derart, dass er lauthals verkündete, nie wieder Bond zu spielen. Aber aus Rache an ihnen tat er es 1983 dann doch noch mal: in einem Remake, an dem die Produzenten keine Rechte mehr besaßen und der außerhalb der Reihe, als direkte Konkurrenz zu einem Roger-Moore-Bond, lief. Der Titel lautete selbstironisch „Sag niemals nie“. Und Connery parodierte seine Paraderolle als überkommenes Auslaufmodell.

Und Merkmal Nummer zwei: Connery war der einzige Bond-Darsteller, der auch nach der 007-Reihe große Filme drehte. Das ist nicht mal Roger Moore und auch nicht Pierce Brosnan gelungen, und ob Daniel Craig das mal schaffen wird, bleibt auch abzuwarten. Connery aber hat schon früh, noch während der Bond-Phase, mit Größen wie Alfred Hitchcock und Sidney Lumet gearbeitet. In den 70er-Jahren reifte er dann zum Charakterdarsteller, befreit vom Bond-Bondage und dem lästigen Toupet, das er, dessen Haare sich früh gelichtet hatte, dabei immer hatte tragen müssen.

Einem Deutschen, der auch ins Weltkino drängte, hatte Connery dann seine Wende ins rüstige Altersfach zu verdanken. Als Bernd Eichinger Umberto Ecos Mittelalterepos „Der Name der Rose“ verfilmte, gewann er Connery für die Hauptrolle. Und der spielte fürderhin immer wieder Grandseigneurs, Gentleman-Gauner oder rüstige Rentner.

Noch mit 59 zum Sexiest Man Alive gekürt

Da waren dann die Jüngeren für die Action zuständig, aber er durfte ihnen die Schau stehlen. Wie in „Die Unbestechlichen“, neben Kevin Costner - wofür er seinen einzigen Oscar erhielt - oder im dritten „Indiana Jones“-Film als nörgelnder Papa von Harrison Ford. Und noch im gereiften Alter war er ein Idol. Und wurde noch mit 59 zum „Sexiest Man Alive“ gekürt. Man kann sich förmlich vorstellen, wie Connery dabei wieder ironisch seine Augenbraue hob.

Mit seiner Elder-Statesman-Aura hat er noch manchen Trash wie „The Rock“ geadelt. Seine Popularität nutzte er aber zunehmend, um sich für seine schottische Heimat und für deren Unabhängigkeit einzusetzen, und das gern standesgemäß im Schottenrock, ohne was drunter. Das Kino schien ihm gar nicht mehr so wichtig. Ihn hat da bei der Wahl seiner Rollen auch ein bisschen das Gespür verlassen.

Einem verrückten Australier namens Peter Jackson hat er den Gandalf in dessen „Herr der Ringe“-Trilogie abgelehnt. Stattdessen drehte er „Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman“, die nicht gerade ein außergewöhnlicher Erfolg wurde. Und die Kinoverfilmung der Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“, die sogar fulminant floppte, hat er regelrecht bereut.

Er fühlte sich schon eine Weile nicht mehr gut

2003 zog er sich deshalb aus dem Business zurück. Und verabschiedete sich - mit einem 007-Videogame, wo er, wem sonst, James Bond die Stimme lieh. Doch sag niemals nie: Er lieh seine sonore Stimme dann auch noch im Kinderanimationsfilm „Sir Billie“ an die schottische Titelfigur, die ganz nach Sir Sean gestaltet wurde. Eine letzte große Ehrung, noch zu Lebzeiten.

Obwohl zeitlebens ein stolzer Schotte, ließ sich Connery 2000 von der Queen zum Sir adeln und hat zuletzt zurückgezogen auf den Bahamas gelebt. So viel Bond musste dann doch sein. Dort ist er nun auch gestorben, im Kreis seiner Familie. Er habe sich seit einer Weile nicht mehr gut gefühlt, erklärte sein Sohn Jason: „Ein trauriger Tag für alle, die meinen Vater kannten und liebten, und Menschen in aller Welt, die seine wunderbare Gabe als Schauspieler genossen haben.“

Weltweit zeigten sich die Fans bestürzt. Im Netz überschlugen sich die Beileidsbekundungen. Und ein Hugh Jackman, seines Zeichens selbst ein Spitzenstar, huldigte ihm auf Twitter: „Ich bin damit aufgewachsen, Sean Connery zu verehren.“ Es wäre zu schön, könnte Sean Connery einen alten Bond-Titel wahr machen und wie in „Man lebt nur zweimal“ quicklebendig aus dem Sarg springen.