Kabarett

Schwester Hedwig als Corona-Edition

Arnulf Ratings 16. Soloprogramm „Zirkus Berlin“ feierte in den Wühlmäusen Premiere als Corona-Edition.

Der Kabarettist Arnulf Rating präsentiert am Freitag, den 04.10.2019 im Dachstudio der Stadtbibliothek Dinslaken, sein Programm TORNADO. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Der Kabarettist Arnulf Rating präsentiert am Freitag, den 04.10.2019 im Dachstudio der Stadtbibliothek Dinslaken, sein Programm TORNADO. Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Berlin. Corona verändert die Welt. Selbst der kabarettistische Standardwitz „Sie sind heute mit Abstand das beste Publikum!“ erhält eine völlig neue Konnotation. Arnulf Rating zumindest weicht daraufhin zurück Richtung Bühnenmitte. Dabei hat der Kabarett-Star sonst immer die Nähe zu den Zuschauern gesucht. Ganz nah dran an Reihe 1. Heute sitzt da eh niemand mehr. Wegen der Aerosole. Überhaupt wandeln sich die Dinge rasend schnell. Etwa die Definition von Risikogebiet. Früher war das mal eine Rucksacktour durch den Jemen. Heute ist es Neukölln.

Alles ist flüchtig in diesen Zeiten. Doch Arnulf Rating bleibt eine feste Größe als satirischer Welterklärer. Nun feierte sein neues 16. Soloprogramm „Zirkus Berlin“ in den Wühlmäusen Premiere als 75-minütige Corona-Edition. Live zu spielen ist für den Berliner Satiriker mittlerweile etwas Historisches. Das kennt nämlich nach dem Lockdown kaum noch einer, weil man so was nicht bei Amazon bestellen kann und als Paket geliefert bekommt.

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Analoge Pushnachrichten aus dem Koffer

Der blitzgescheite Politkabarettist ist bekanntlich der letzte der legendären Anarcho-Comedy-Truppe „Die Tornados“, der noch auf der Bühne steht. Dort schlüpft er wie gewohnt in unterschiedlichste Charaktere. Begeistert vor allem in seiner Paraderolle als patente Schwester Hedwig. Und er ist echt analog. Seine Pushnachrichten kommen aus einem Koffer: Tageszeitung, perfekt sortiert zum chronologischen Durchblättern. Versehen mit Ratings messerscharfen Analysen.

Ein Bespiel: Vor einem Jahr beherrschte der rechtsextremistische Anschlag auf eine Synagoge in Halle die Schlagzeilen. Ebenso wie Greta Thunberg und Fridays for Future. Seitdem kommen Antisemitismus und Klimaschutz nur noch am Rande vor. Denn plötzlich kam Corona. Und es hieß „Bundeswehr rettet Deutsche aus der Seuchenzone“. Irgendwo in China. Rating wusste gar nicht, dass die Truppe noch Maschinen hat, die so weit fliegen können.

Politik wie in einem Comic präsentieren

Der Kabarettist findet, angesichts des Zirkus mit Dompteuse Angela Merkel und ihrer gemischten Raubtiergruppe von zahnlosen Tigern gingen nur noch wenige junge Menschen in die Politik. Vielleicht, so sein Vorschlag, muss die Politik sich anders präsentieren. Wie in einem Comic. Mit 69 Jahren ist Rating raus aus dem Alter für Animes. Er kramt lieber seine alten Lurchi-Hefte raus. Von damals, als sich die Sprechblasen noch im jambischen Versmaß reimten. Das kann Rating auch. Feinsinnig klöppelt er „Aus der Krise schießt uns stolz, Bazooka-Ballermännchen Scholz“.

Dabei fällt ihm der seltsame Zirkus um die 500 Milliarden-Bazooka ein. Er weiß: Wir sehen das Geld nicht. Nur große Konzerne. Ein circensischer Zaubertrick. Wie bei den Cum-Ex-Geschäften. Damit haben gewiefte Banker, Aktienhändler und Steuerberater die Finanzämter mal eben um 50 Milliarden erleichtert. Was Arnulf Rating wütend macht. Er räsoniert: „Versuchen Sie mal, zwei Tankquittungen abzusetzen. Da werden Sie gleich vom Finanzamt auseinandergenommen.“ Eine Ungerechtigkeit, die sich auch in Pandemie-Zeiten nicht geändert hat.