Neu im Kino

„Greenland“: Gerard Butler wieder im Katastrophen-Modus

Mitten in Corona-Tagen startet ein sehr unangenehmer Desasterfilm: „Greenland“ zeigt, wozu Menschen im Ausnahmezustand fähig sind.

Der Himmel steht in Flammen, und der Architekt Garrity (Gerard Butler) muss seine Familie retten.

Der Himmel steht in Flammen, und der Architekt Garrity (Gerard Butler) muss seine Familie retten.

Katastrophenfilme folgen meist dem immergleichen Schema: Erst werden Hauptfiguren im Alltag vorgestellt, dann beendet ein Desaster diesen Alltag jäh, und die Überlebenden müssen über sich selbst hinauswachsen. „Greenland“ von Ric Roman Waugh ist da angenehm anders. Das Desaster tritt erst spät ein. Bis zuletzt ist der Film ein einziger Wettlauf, um dem zu entrinnen. Dafür wird hier die Katastrophe im Alltag eingeführt.

Fernsehbilder, die erst noch im Hintergrund rieseln, künden einen Kometen an, der knapp an der Erde vorbeisausen wird. Da sind die Streifen am Himmel noch ein Schauwert. Bis sich die Berechnungen als irrig erweisen. Erste Brocken schlagen schon bald ein, der Himmel steht in Flammen, und der Komet selbst wird größer sein als jener, der die Dinosaurier ausgerottet hat.

„Greenland“: der Trailer zum Film

Plötzlich erhält der Hochhaus-Architekt John Garrity (Gerard Butler), vom Präsidenten persönlich, Anweisungen auf dem Handy, dass er sich mit seiner Familie auf einem Militärstützpunkt einfinden soll. Weil er, ein Wort, das inzwischen bestens vertraut ist, systemrelevant ist.

Die Nachricht wird auch auf seinen Fernseher übertragen, just als die Nachbarn zu Gast sind. Von ihnen bekommt keiner eine solche Botschaft. Sie beäugen Garrity halb neidisch, halb argwöhnisch. Und stellen sich der Familie, als sie sich davon machen will, in den Weg.

Die letzte Hoffnung ist das ewige Eis

Schon da wird dem Zuschauer mulmig. Und das Gefühl wird immer schlimmer. Denn in dieser Ausnahmesituation werden sich nur wenige Menschen von ihrer besten, die meisten aber von ihrer schlechtesten Seite zeigen. Auf dem Stützpunkt wird Garritys Sohn, weil er zuckerkrank ist, zurückgewiesen. Und die Familie wird auseinandergerissen. Vater, Mutter und Kind müssen sich inmitten der stetig anwachsenden Panik suchen. Um irgendwie nach Grönland zu gelangen. Da soll es riesige Bunker geben, wo die Überlebenswerten hingebracht werden.

Mehr zum Thema: Wie Gerard Butler trotz Corona gelassen bleibt

Der Mikrokosmos Familie, der zusammensteht, während der Makrokosmos Welt auseinanderfällt: Es ist typisch Hollywood, dass man ernsthaft erzählen mag, man könne sich in all der aufbrechenden Hysterie und Anarchie wiederfinden.

Trotzdem ist dieser Katastrophenfilm realistischer als der Großteil des Genres. Denn solche Bunker sind in Grönland wirklich gebaut worden, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, aus Angst vor einem Atomkrieg.

Ein Quantum Trost bietet der Film schon

Das ewige Eis als letzte Hoffnung der Zivilisation: Das verschafft Schockfrost im Herzen. Aber will man Massenpanik und Szenarien dieser Art in Tagen von Corona, da ein zweiter Lockdown droht, wirklich sehen?

Nachdem Großfilme wie „007: Keine Zeit zu sterben“ mehrfach verschoben oder wie „Mulan“ auf Streamingdienste ausgelagert wurden, wollte Action-Routinier Gerard Butler, der schon so manches Mal die Welt gerettet hat, seinen eigenproduzierten Film demon­strativ ins Kino bringen, als solidarisches Zeichen. Und große Kinoketten sollen den Verleih sogar angefleht haben, den Start vorzuverlegen, damit überhaupt sowas wie Star-Kino läuft.

Nun denn: Kometenhorror als Eskapismus in Pandemie-Zeiten. Ein Quantum Trost schafft das immerhin. So schlimm steht es um die Welt nicht.

Katastrophenfilm USA 2020 119 min., von Ric Roman Waugh, mit Gerard Butler, Morena Baccarin, Roger Dale Floyd, Scott Glenn