Ausstellung

Das Architekturerbe der Alliierten

Mila Hacke zeigt ihre Fotos der Berliner Kulturbauten, Kirchen, Flughäfen und Wohnanlagen in der Urania

Die Berliner Fotografin Mila Hacke in ihrer Ausstellung im Foyer der Urania.

Die Berliner Fotografin Mila Hacke in ihrer Ausstellung im Foyer der Urania.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Die Ausstellung „Alliierte in Berlin – das Architekturerbe“ in der Urania knüpft an ein aktuelles Jubiläum an. Vor genau 70 Jahren – am 24. Oktober 1950 – wurde im Rathaus Schöneberg die Freiheitsglocke eingeweiht. In der Schau wird neben vielen Fotos, baulichen Erklärungen, einigen Radiomitschnitten und der Kuriosität einer handlichen KPM-Porzellan-Glocke vor allem auch das dauerhaft Symbolische vorgeführt. Dazu gehört, dass mit einer Übertragung zum Reichstag am 3. Oktober 1990 die Wiedervereinigung eingeläutet wurde. Ein Programmzettel der Einweihung zeigt, dass es vor 70 Jahren in der Stadt noch deutlich militärischer zuging. Um 10.50 Uhr wurde die Ankunft von General Clay am Rathaus erwartet. Dann folgten mehrere Reden, darunter vom Stadtkommandanten Generalmajor Taylor und vom Oberbürgermeister Ernst Reuter. Die Übergabe durch Clay und das Einläuten war für Punkt zwölf Uhr angesetzt.

Allein das Beispiel der Freiheitsglocke zeigt, dass man einem Alliierten-Thema nicht allein mit großartigen, frischen Architekturfotos beikommen kann, auch das historische Verständnis ist wichtig. Und so wirkt Mila Hackes Fotoausstellung auch im besten Sinne chaotisch, weil vieles miteinander verknüpft wird. Die 1973 in Berlin geborene Fotografin hatte ursprünglich Architektur in Berlin, Liverpool und London studiert. Seit 15 Jahren befasst sie sich in verschiedenen Ausstellungen mit dem Architekturerbe der Alliierten.

Ihre Fotos werfen zuerst den Blick auf die Gebäude und Ensembles, aber die Präsentation funktioniert heute kaum mehr ohne das Wissen um die Stadtgeschichte, um die großpolitische Lage nach dem Zweiten Weltkrieg und die Aufteilung Berlins unter den vier Alliierten – und schon gar nicht ohne das Wissen, was aus der Hinterlassenschaft nach dem Abzug der Alliierten wurde. Die Fotografin ist eine Kennerin der gezeigten Objekte bis in kleinste Details. Es ist schade, dass sie nicht mehr von ihrem Hintergrundwissen in die Ausstellung einbringen kann.

Viele Bauten gehören zur Berliner Nachkriegsmoderne

Einige der von ihr fotografierten Gebäude sind bereits verschwunden, andere vom Abriss bedroht. Und so kommt bei Mila Hacke auch ein Sendungsbewusstsein hinzu, das über die reine Dokumentation hinaus den Denkmalschutz in Berlin herausfordert. Das Architekturerbe der Alliierten ist eben auch ein wichtiges Stück der Nachkriegsmoderne in Berlin. Im öffentlichen Bewusstsein ist vieles verdrängt worden vom Streben, alles neu zu verteilen und zu gestalten.

I

n der Ausstellung zeigt Mila Hacke rund 80 ihrer großformatigen Fotos von Neubauten der Alliierten, von unbekannten Kleinoden und verloren gegangenen Gebäuden. Die Ausstellung im Foyer beginnt bereits an der großen Fensterfront. Dort hängen etwa drei Theatersäle nebeneinander. Und schon beginnt man mit dem Rätselraten, denn auf den ersten Blick liegt das Ambiente gar so nicht weit auseinander. Es handelt sich um das Haus der Kulturen der Welt. Die Kongresshalle entstand als amerikanischer Beitrag zur Internationalen Bauausstellung „Interbau“ 1957. Die Geschichte der Schwangeren Auster dürften viele noch kennen. Daneben hängt das Russische Haus der Wissenschaft und Kultur, das 1984 noch als Sowjetisches Haus an der Friedrichstraße eröffnet worden war. Als Drittes wird das Karlshorster „Haus der Offiziere“, das die Berliner Schnauze damals „Russen-Oper“ nannte, gezeigt. Es wurde 1948/49 als Reparationszahlung von den Deutschen errichtet.

Was fällt auf, wenn man die Fotos beim Flanieren durchs Foyer anschaut? Die Alliierten vertrauten über die Jahrzehnte hinweg zunehmend der Moderne und den deutschen Architekten. Die sowjetischen Gebäude wollten einen Tick prächtiger, imperialer erscheinen. Die Amerikaner brachten anfänglich ihre typische Kleinstadtkirche mit nach Berlin, das Großmächtige setzte erst später ein. Die Franzosen bauten 1950 in ihr Maison de France am Kurfürstendamm große Fenstertüren ein und frönten lieber der gehobenen Lebensart.

Mila Hacke hat auf drei Aufstellern Themen mit Fotos und Grafiken zusammengestellt. Gezeigt und mit Grafiken und Stadtplänen erläutert werden Kulturbauten, Schulen und Sportanlagen, Kirchen verschiedener Konfessionen in den Kasernen und natürlich die Siedlungen. Auch die ehemaligen Hauptquartiere und die Flughäfen der Alliierten werden vorgestellt. Es ist eine sehenswerte Ausstellung.