Interview

Anna Loos: „Frauen trauen sich heute viel mehr zu“

Schauspielerin Anna Loos spricht über ihre Krimireihe, Handyverbot in der Familie und ihren kommenden 50. Geburtstag.

„Ich bin glücklich, wie mein Leben bisher verlaufen ist“: Schauspielerin Anna Loos wird am 18. November 50 Jahre alt.

„Ich bin glücklich, wie mein Leben bisher verlaufen ist“: Schauspielerin Anna Loos wird am 18. November 50 Jahre alt.

Foto: Reto Klar

Sie ist die sperrige Blonde unter den TV-Ermittlerinnen: In der Krimireihe „Helen Dorn“ ermittelt die Berlinerin Anna Loos seit nunmehr sechs Jahren. In der neuen Folge „Kleine Freiheit“, die am morgigen Sonnabend ausgestrahlt wird, holt sie ein alter Fall ein. Eine neue Spur im Fall eines vor 14 Jahren verschwundenen Jungen führt sie nach Hamburg. Mit diesem 13. Fall wechselt die ZDF-Reihe damit auch ihren Standort: von Nordrhein-Westfalen nach Hamburg. Wir haben mit der Hauptdarstellerin Anna Loos darüber gesprochen, deren Mann Jan Josef Liefers ebenfalls in einer Krimireihe ermittelt: im Münsteraner „Tatort“ im Ersten.

Frau Loos, mit der neuen Folge von „Helen Dorn“ wechselt Ihre Krimireihe nach Hamburg. Finden Sie das gut?

Anna Loos: Für mich ist Hamburg ein bisschen wie eine zweite Heimat, ich habe 13 Jahre in der Stadt gelebt. Was die Reihe angeht, finde ich es toll, dass wir in einer Stadt drehen, die wir in all ihren Facetten erzählen dürfen. Vorher war die Reihe in Nordrhein-Westfalen verortet, wir haben dort an vielen Orten gedreht, hatten aber keine richtige Heimat.

Sie haben nach Ihrer Flucht aus der DDR als junge Frau einige Zeit in Hamburg gelebt. Was verbindet Sie mit der Stadt?

Viele spannende, schöne und auch traurige Erinnerungen an eine Zeit in einer schönen Stadt. Zuerst habe ich in Wedel das Gymnasium absolviert und bin dann nach Hamburg in eine WG gezogen, um zu studieren. Im Sommer bin ich mit Freunden oft mit dem Rad zum Kiosk „Strandperle“ gefahren. Wir haben dort ganze Nächte verbracht.

Ihre Kommissarin Helen Dorn ist eine eher herbe Figur. Was mögen Sie an ihr?

Mir gefallen ihre Sperrigkeit und ihre geringe soziale Kompetenz. Normalerweise lernt man ja schon als Kind, sich auf andere Situationen, andere Menschen einzustellen. Und das kann Helen Dorn nicht wirklich gut. Sie hat eine spröde, etwas unterkühlte Art. Eine Art der sozialen Inkompetenz. Diese Sperrigkeit finde ich interessant, denn dadurch ist es nie langweilig, vielmehr kann ich immer herausarbeiten: Warum ist sie so?

Dorn bestellt in der Kneipe ein Herrengedeck und hat vermutlich keine Stöckelschuhe im Schrank. Wie viel Anna Loos steckt in Helen Dorn?

Ich bin ja in der DDR aufgewachsen und kannte niemanden, dessen Mutter nicht gearbeitet hat. Das gab es in der DDR selten, dass die Väter alleine Geld verdient haben. Meine Eltern hatten getrennte Konten, meine Mutter hat gutes Geld verdient, sie ist jeden Tag arbeiten gegangen. Für mich ist es selbstverständlich, dass eine Frau sagt, wenn ihr etwas nicht passt. Das habe ich mit der Muttermilch aufgesogen.

Starke Frauen auf den Bildschirm zu bringen, ist Ihnen wichtig?

Eine Frauenfigur wie die Dorn gehört in die heutige Zeit. Eine Kommissarin ist ja eine Frau in einem klassischen Männerberuf. Ich habe eine Kinderfrau, deren Tochter Polizistin ist. Es ist ein Beruf, wo man als Mutter schon mal Angst hat um sein Kind, weil es in Situationen kommt, die haarig sein können. Aber Frauen trauen sich heute viel mehr zu. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es eine Mehrbelastung ist, wenn man Kinder hat und arbeitet, aber Frauen haben unglaublich viel Kraft und können viel stemmen.

Sie haben sich ja diesen Sommer auch mit einem Foto an der Schwarz-Weiß-Challenge im Internet beteiligt, in der für starke Frauen und weiblichen Zusammenhalt getrommelt wurde …

Die Aktion #ChallengeAccepted ist eine schöne Idee. Ich habe es aber nicht als echte Challenge empfunden, einfach ein Selfie zu machen und das im Schwarz-Weiß-Modus zu posten. Wichtiger ist doch die Idee, die dahintersteckt. Die Aktion soll Empowerment unter Frauen und gegenseitige Unterstützung zum Ausdruck bringen.

Haben Sie und Ihr Mann Jan Josef Liefers Regeln dafür, wie viel Zeit die Kinder mit dem Handy verbringen dürfen?

Ja, ganz klar, und wir arbeiten mit allen möglichen Tricks. Wenn wir essen, darf zum Beispiel niemand sein Telefon in der Hand haben, das finde ich ganz schrecklich und verbiete es. Ich sammle dann alle Geräte ein und mache einen Handy-Turm, die werden knallhart übereinandergestapelt. (lacht) Die Nutzungsdauer der Handys meiner Kinder überprüfe ich auch regelmäßig und rede mit ihnen darüber, wenn sie zu viel Zeit damit verbracht haben.

Ein paar Wochen nach Ausstrahlung der neuen Folge, am 18. November, werden Sie 50 Jahre alt. Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen?

Es ist schon eine besondere Zahl, und ich freue mich irgendwie darauf. Vielleicht ist die 50 für mich das Zeichen, dass ich doch einen Tag Yoga mehr in meinen Wochenplan einplanen muss, um mich fit zu halten. (lacht) Aber: Alles cool. Ich habe tolle 50 Jahre hinter mir und bin glücklich, wie mein Leben bisher verlaufen ist. Und ich bin wahnsinnig stolz auf die nächste Generation. Es ist alles gut, wie es ist.

Eine große Feier wird wegen Corona aber kaum möglich sein …

Natürlich möchte ich nicht feiern, wenn ich damit andere Menschen gefährde. Aber ich war sowieso schon mein ganzes Leben lang ein wenig unglücklich, dass ich im Herbst Geburtstag habe, es ist meistens ungemütlich und kalt. Deshalb denke ich, ich mache das Beste daraus und feiere an meinem tatsächlichen Geburtstag im November nur ganz klein, mache dafür aber im kommenden Sommer das von mir ersehnte Sommerfest.

Wie sind Sie bislang durch die Corona-Krise gekommen?

Teils, teils. Die Dreharbeiten sind zwar inzwischen zum Glück weitergegangen. Aber mein Mann und ich machen ja beide auch Musik, und als Musiker kommen wir wie viele andere nicht so gut mit der Pandemie klar. Konzerte für dieses Jahr sind alle abgesagt.

In der neuen Folge von „Helen Dorn“ singen Sie ja ebenfalls. Ist das ein Song aus Ihrer Feder?

Das Lied ist nicht von mir, und ich kannte es vorher gar nicht. Das Ganze war die Idee des Drehbuchautors, und zuerst dachte ich: Ach, die Dorn singt, alles klar. Aber dann habe ich den Song gegoogelt und mochte ihn, und irgendwann fand ich die Idee dann auch toll.