Beschädigungen

Museumsbundchef spricht von „neuer Bedrohungslage“

Nach den Anschlägen auf Kunstwerke auf der Berliner Museumsinsel wird auch über Sicherheitsmaßnahmen diskutiert.

Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, zeigt Medienvertretern Spuren der Sachbeschädigungen an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum.

Friederike Seyfried, Direktorin des Ägyptischen Museums, zeigt Medienvertretern Spuren der Sachbeschädigungen an einem Sarkophag des Propheten Ahmose im Neuen Museum.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE FotoServices

Das Ausmaß des Anschlags auf der Berliner Museumsinsel habe ihn überrascht, sagte Eckart Köhne, der Präsident des Deutschen Museumsbundes. Er glaubt, „dass es vermutlich mehrere Personen waren, die sich zu dieser groß angelegten Aktion“ verabredet haben. Für die Berliner Museumslandschaft sieht Köhne, der das Badische Landesmuseum leitet, eine „neue Gefahrenlage“ – vor allem mit Blick auf die besondere Situation rund um die Corona-Streiks und die Szene der Verschwörungstheoretiker.

Auf der Museumsinsel waren, wie am Mittwoch bekannt wurde, am Tag der Deutschen Einheit insgesamt 63 Artefakte und Kunstwerke mit einer öligen Flüssigkeit beschädigt worden. Betroffen waren das Neue Museum, das Pergamonmuseum und die Alte Nationalgalerie.

Die Frage der Sicherheit bleibt rechtlich kompliziert

Deutschlandweit werde in den Museen darüber diskutiert, so Köhne. Aber die Frage der Sicherheit bleibe rechtlich kompliziert. So sei es nur möglich, Sicherheitskameras im Raum zu installieren, wenn der Personalrat zustimmt. Die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter haben Vorrang. Überhaupt wurde in den letzten Jahren das Personal outgesourct, Ausschreibungen sind erforderlich.

„Wir befinden uns am unteren Ende des Arbeitsmarktes“, sagte Köhne. Wer bessere Mitarbeiter wolle, müsse höhere Personalkosten einplanen. Ansonsten verwies er auf Fußballspiele, bei denen selbstverständlich „Hunderte Polizisten unterwegs sind“. Vielleicht müsse man das auch mal für Museen überdenken.

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Höhe der Schäden ist noch nicht absehbar

Wie groß der Schaden an den Kunstwerken ist, bleibt noch unklar. „Die Diagnosen stehen, jetzt beginnen die Einzeltherapien“, sagte Christina Haak, stellvertretende Generaldirektorin der Staatlichen Museen zu Berlin. Die Sicherheitsmaßnahmen würden der jeweiligen Lage angepasst. Zur Frage, ob Taschenkontrollen wie im Jüdischen Museum denkbar seien, sagte sie: „Wir nehmen alles in den Blick.“

Spekulationen zum Motiv, wonach ein Verschwörungstheoretiker eine Rolle gespielt haben könnte, wollten die Museen nicht kommentieren. Die Polizei hatte zuvor klargestellt, sie ermittele in alle Richtungen. Nach einem Zeugenaufruf seien mehrere Hinweise eingegangen, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Das zuständige Fachkommissariat für Kunstdelikte im Landeskriminalamt ermittelt. Laut Haak waren andere Museen über die Attacke informiert und sensibilisiert worden.

Die Berliner Polizei bittet Zeugen weiterhin, sich mit Hinweisen zu melden. Bereits vor drei Jahren war die Museumsinsel zum Tatort geworden. Damals wurde eine große Goldmünze gestohlen.