Festspiele

Berlinale-Retrospektive widmet sich gleich drei Film-Diven

Die Festspiele huldigen gleich drei Filmstars aus Hollywoods Goldenem Zeitalter: Mae West, Rosalind Russell und Carole Lombard.

Sehr unterschiedlich: Mae West, Rosalind Russell und Carole Lombard (v.l.).

Sehr unterschiedlich: Mae West, Rosalind Russell und Carole Lombard (v.l.).

Foto: Berlinale

Berlin. Wird die nächste Berlinale, angesichts der derzeit wieder steigenden Corona-Infektionszahlen, überhaupt stattfinden? Das steht derzeit noch in den Sternen. Aber die Filmfestspiele gehen ganz fest davon aus. Am Donnerstag haben sie nun auch mutig bekannt gegeben, was beim kommenden Festival (11.-21. Februar 2021) das Thema der Retrospektive ist.

Und auch das steht in den Sternen, aber auf ganz andere Art. Die Festspiele huldigen nämlich gleich drei Filmstars aus Hollywoods Goldenem Zeitalter: Mae West, Rosalind Russell und Carole Lombard. Drei Diven, die jede für sich eine eigene Filmschau verdient hätte. Die hier aber explizit zu dritt vorgeführt werden: als Frauen, die keine Engel waren. „No Angels“ ist die Retro denn auch betitelt.

Schon in jenen Jahren sind Filme überwiegend für männliche Hauptdarsteller geschrieben worden. Diese drei Damen gehörten zu den wenigen Frauen, die sich als Leading Women durchsetzen konnten. Und den Herren der Schöpfung couragiert die Schau stahlen: Carole Lombard durch Eleganz, Rosalind Russell mit gepfeffertem Witz – und Mae West, indem sie das ganze Geschlechterverhältnis dreist auf den Kopf stellte. Keck, offen und alles andere als subtil – und das noch zu Zeiten, als Hollywood unter der Zensur des Production Code stand. In insgesamt 30 Filmen können diese drei Pionierinnen wiedergesehen und verglichen werden.

Schön, dass es wieder was zu lachen gibt

„In Hollywoods Goldenem Zeitalter als Schauspielerin erfolgreich zu sein, war für Frauen eine besondere Errungenschaft“, so Carlo Chatrian, Künstlerischer Leiter der Berlinale: „. Sie mussten in einem System arbeiten, das von Männern geführt wurde, in Geschichten, die auf Männer fokussierten und mit männlichen Darstellern spielen.“ Deshalb habe man den Fokus auf die Frauen gelegt.

„Komödien nutzen Klischees, spielen mit ihnen und brechen sie auch“; so Rainer Rother, der als Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek auch Leiter der Retrospektive ist. „Die klassische Hollywoodkomödie der 1930er- und 1940er-Jahre thematisiert all dies unter den Beschränkungen des ‚Production Codes‘ und stellt dabei dank der großen Darstellerinnen auch traditionelle Zuschreibungen in Frage.“ Deshalb habe sich die Retrospektive für das Genre der Komödie entschieden.“

Schön, dass es in diesen Zeiten wieder was zu lachen gibt. Und schön auch, dass das Festival die Frauenquote ernst nimmt.