Literatur

Das Literaturfestival war trotz Corona-Auflagen ein Erfolg

Das Internationale Literaturfestival Berlin ist zu Ende gegangen. Es war reich an Höhepunkten – musste aber mit weniger Zuschauern leben.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diskutierte mit Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier diskutierte mit Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa.

Foto: Annette Riedl / dpa

„Warum sorgt es für mehr Unruhe, wenn zwei Männer sich küssen, als wenn zwei Männer sich prügeln?“, fragt der in Kinshasa geborenen britische Schriftsteller JJ Bola in einem Interview. In seinem neuen Sachbuch „Sei kein Mann“ bespricht er das Wort Maskulinität und was genau es in unserer heutigen Gesellschaft bedeutet, ein Mann zu sein. Mit Humor und Ernsthaftigkeit zugleich, zeigt er die Fehler etablierter Denkweisen auf und lädt zu Gedanken zum Beispiel über das männliche Tränentabu ein.

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JJ Bola war einer der beliebtesten Programmpunkte des diesjährigen Literaturfestivals 2020, das am Sonnabend zu Ende gegangen ist. Wieder hatten mehrere tausend Menschen weltweit die Möglichkeit, sich zwölf Tage lang sich intensiv mit einer großen Bandbreite von Themen auseinanderzusetzen und sie in der Welt der Literatur zu ergründen – ein Verdienst des umtriebigen Festivalgründers Ulrich Schreiber, der auch in diesem Jahr einen eindrucksvollen Festivalkalender vorlegen konnte. Von Lesungen aus Neuerscheinungen über Poetry-Nights bis hin zu Diskussionsrunden über aktuelle, weltbewegende Themen wie Klimawandel oder Diskriminierung reichte das Programm. Diskussionspartner wie Bundespräsident Frank Walter Steinmeier oder Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa traten dieses Jahr unter anderem auf die Bühnen des Festivals und bereicherten die Gäste mit bewegenden Reden oder guten Argumenten.

Schriftsteller wurden live zugeschaltet

Auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die aufgrund der Corona-Beschränkungen ihres Landes verhindert waren, persönlich anzureisen, konnten an dem Festival teilnehmen. Per Live-Zuschaltung mit Zoom oder vorher zusammengeschnittenen kleinen Videos wurde es zum Beispiel dem amerikanischen Schriftsteller und Übersetzer Forrest Gander ermöglicht, dem Publikum die „art of translation“ näher zu bringen. Per Video führte er anhand von Textbeispielen dem Publikum vor, wie man am besten einen Text detailgetreu in eine andere Sprache überträgt und wie das Übersetzen zur eigenen einzigartigen Kunst wird.

Vorfreude auf die nächste Ausgabe

Auch Literaturinteressierte hatten die Möglichkeit, online dabei zu sein. Manche von ihnen klagten jedoch auch über das Nichtbeisammensein und trauerten dem Gefühl nach, gemeinsam in den Vorstellungsräumen des Festivals zu sitzen und dem Geschehen zusammen zu folgen. Nur ein Drittel der sonstigen Zuschauer fand Platz an den Veranstaltungsorten; die Spontanität, die sonst das Festival krönte, fiel ebenfalls durch den fehlenden Festivalpass weg, wodurch manchen Neuankömmlingen die sonst große Chance genommen wurde, entdeckt zu werden.

Nichtsdestotrotz war das Festival auch in diesem Jahr ein Erfolg, wie man es seit seiner Gründung im Jahr 2001 von ihm kennt. Wer dabei war, schwärmte davon, abends nach den Vorstellungen sinnierend auf der Wiese zu sitzen, Wein zu trinken und die Literatur nachwirken zu lassen. Also. Freuen wir uns auf das nächste Jahr, in dem wir hoffentlich wieder ohne Abstand zueinander gemeinsam sinnieren können.