Theater

Donald Trump hat Gayle Tufts’ Herz gebrochen

Die US-Amerikanerin öffnet im Schillertheater ihr Tagebuch, besingt ihre Heimat Berlin und rechnet mit Corona-Leugnern ab

Die Berliner Entertainerin Gayle Tufts (60) singt und tanzt in der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater in ihrer neuen Show "Wieder Da". Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Service 

Die Berliner Entertainerin Gayle Tufts (60) singt und tanzt in der Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater in ihrer neuen Show "Wieder Da". Foto: Jörg Krauthöfer / FUNKE Foto Service 

Foto: Jörg Krauthöfer / Funke Foto Service

Im Freundeskreis von Gayle Tufts gibt es niemanden, der den US-Präsidenten Donald Trump bei seinem richtigen Namen nennt: „Sie sagen Apricot-Asshole, Mango-Mussolini oder Cinnamon-Hitler.“ So über ihr Heimatland zu reden, markiert einen Wendepunkt in Gayle Tufts’ Karriere – und auch einen Stimmungswechsel in ihrer neuen Show „Wieder da“, die am Mittwoch im Schillertheater ihre Premiere feierte. Schließlich steht die US-Amerikanerin, die seit fast 30 Jahren auf deutschen Bühnen singt, tanzt und Geschichten erzählt, für die deutsch-amerikanische Freundschaft. Doch dieses Mal fragt sie: „Was grenzt an Dummheit?“ und antwortet gleich selbst: „Kanada und Mexiko.“

Gayle Tufts ist gerade 60 Jahre alt geworden und hat soeben ein Buch veröffentlicht, dessen Titel auch über diesem Abend stehen könnte: „How I lost my Heimat and found my Zuhause“. Der Abend wird zu einer Liebeserklärung an Berlin und an einer Stelle sogar an diese Zeitung. „Ich liebe die Kiezreportagen und die Kreuzworträtsel in der Berliner Morgenpost“, sagt sie. „Ich lese sie jeden Tag.“ Gerade während der Corona-Zeit habe sie gemerkt, wie richtig die Entscheidung für diese Stadt war.

„Mein Mann ist zuhause stoßlüften“

Sie schwärmt vom Dahlemer „WCC“ (Wiener Conditorei Caffeehaus), von Ausflügen nach Alt-Schmöckwitz und von einer Eigenheit der Deutschen, die bisher ihrer Meinung nach zu wenig beleuchtet wurde: das Lüften. „Die New York Times hat während Corona auf der Titelseite den Menschen empfohlen, ihre Fenster häufiger zu öffnen.“ Deutschen müsse man das nicht sagen.. Als sie später im Programm, darauf hinweist, dass ihr jemand das Herz gebrochen habe, schiebt sie nach: „Keine Sorge um meinen Mann, dem geht’s gut, der ist gerade zuhause stoßlüften.“

Vielmehr sei es emotional schwer für sie, dass sie sich von ihrer alten Heimat, den USA, verabschieden müsse. Die Zuschauer profitieren von diesem Schmerz, ist dieser doch der Grund warum sie wunderbare Lieder wie „Why“ von Annie Lennox aufführt, oder „From a Distance“ von Julie Gold oder ihre eigene Ballade „Endless Summer“.

„Der Cellist ist übrigens noch Single!“

Begleitet wird sie dabei am Piano von Marian Lux, mit dem sie gerade zehnjähriges Bühnenjubiläum feierte. Der hat nicht nur den Großteil der Lieder geschrieben, sondern Tufts hat mit ihm corona-bedingt eine Künstler-WG gegründet, damit sie proben konnten. Die beiden lernten neu kennen und so baute sie den Lebenslauf von Lux’ Mutter ein, der die deutsche Geschichte der letzten 60 Jahre gut zusammenfasst: „Sie war erst Russisch-Lehrerin, dann Englisch-Lehrerin und jetzt unterrichtet sich Deutsch für Asylsuchende aus Syrien.“

Fast fühlt es sich an, als habe Gayle Tufts für diesen grandiosen Abend, der perfekt in diese Zeit passt, ihr Tagebuch geöffnet. So angenehm distanzlos erzählt sie aus ihrem Privatleben und dem ihrer Crew: „Meine Damen und Herren, der Cellist ist übrigens noch Single!“. Nur, wer auf Corona-Demos geht, Trump- oder AfD-Wähler ist, wird wenig zu lachen haben. In einem Lied ruft sie denen laut entgegen: „Shut the fuck up!“.