Tag des offenen Denkmals

Denkmäler von Moscheen bis zu alten Brauereien

Der Tag des offenen Denkmals lädt auch am heutigen Sonntag zu Erkundungen in allen zwölf Bezirken ein.

Auch die Berliner Moschee öffnet zum Tag des offenen Denkmals ihre Türen.

Auch die Berliner Moschee öffnet zum Tag des offenen Denkmals ihre Türen.

Foto: Julia Hubernagel

Trotz der Corona-Pandemie sind an diesem Wochenende 270 Denkmäler geöffnet. Beim Tag des offenen Denkmals blicken Besucher hinter die Fassaden von Bauwerken, an denen sie womöglich täglich unbeachtet vorbeigehen.

So etwa die Bötzow-Brauerei in Prenzlauer Berg. In dem 150 Jahre alten Gebäudeensemble wurde bis 1942 Bier gebraut, zu DDR-Zeiten lagerten hier Alltagswaren. Nach der Wende standen die Gebäude größtenteils leer, bis vor zehn Jahren das Orthopädie-Unternehmen Otto Bock das Areal erwarb. Nun entstehen hier Büros, Wohnungen, Gastronomie sowie Werkstätten. „Auf dem Land kommt man nicht so einfach an gute Entwickler“, erklärt Projektleiter Bernd Kemmerling die Standortwahl. „Als wir hier unsere Werke geöffnet haben, konnten wir uns vor Anfragen nicht retten.“ Gefertigt werden hier vor allem Prothesen, aber auch ein Zentrum für Rollstuhlentwicklung und -forschung zieht in den Kollwitzkiez. Die Arbeiten auf dem Gelände teilen sich in zwei Bereiche: Die Sanierung der Altbauten werde Anfang nächsten Jahres abgeschlossen sein, so Kemmerling. Mit dem Bau der drei neuen Gebäude habe man coronabedingt noch nicht begonnen. Ende 2024 soll das Gesamtprojekt abgeschlossen sein.

Älteste Moschee Deutschlands neben Wilmersdorfer Häusern

100 Jahre zuvor entstand im Südwesten der Stadt ein Gebäude gänzlich anderer Art: 1924 begannen die Arbeiten an der Berliner Moschee. Strahlend weiß leuchtet heute die Fassade des Gotteshauses zwischen bürgerlichen Häuserfronten in Wilmersdorf. Die Ahmadiyya Lahore-Moschee ist die älteste Moschee in Deutschland und erinnert architektonisch an das berühmteste Mausoleum Indiens. „Wir nennen sie auch Mini-Taj-Mahal“, sagt Iman Amir Aziz. Die Lahore Ahmadiyya-Bewegung wurde 1888 in Indien gegründet und vermittle eine friedliche Lehre, sagt Aziz. „Wir glauben, dass der Islam eine liberale, rationale und tolerante Religion ist.“ Rund 200 Mitglieder hat die Lahore Ahmadiyya-Bewegung in Deutschland. Zum Gebet versammeln sich daher Muslime aus verschiedensten Ländern in der Moschee in der Brienner Straße. Der vor vier Jahren aus Pakistan nach Deutschland versetzte Iman zeigt historische Aufnahmen. Darauf zu sehen sind Männer und Frauen in 20er-Jahre-Kleidung beim Moschee-Besuch und deutsche Kinder beim Arabischunterricht. „In der Weimarer Republik waren die Leute neugierig und sind gerne hergekommen“, erzählt er. Während des Zweiten Weltkriegs mussten die Imane das Land schließlich verlassen. Doch die Moschee sei ein Ort der Hoffnung geblieben, sagt Aziz. Während der NS-Zeit seien hier Juden versteckt worden.

Wem nach so viel Geschichte nun nach Kunst zumute ist, dem sei ein Besuch im Bärenzwinger am Köllnischen Park empfohlen. Zwischen 1939 und 2015 lebten hier die Berliner Wappentiere, heute wird hier zeitgenössische Kunst ausgestellt. Der Bärenzwinger ist klein, die Enge, unter der die Bären gelitten haben müssen, ist sofort spürbar. Audio- und Videoinstallationen sind in den ehemaligen Käfigen zu sehen, in die man durch etwa hüfthohe Käfigtüren einsteigt. Dabei steht die Ausstellung in Bezug zu dem Zwinger: Iskandar Ahmad Abdalla setzt sich künstlerisch so etwa mit dem häuslichen Balkon auseinander und verhandelt die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichkeit.