Jubiläum

Dieter Hallervorden zum 85. Geburtstag: Mehr als nur Didi

Hallervorden wird am Sonnabend 85. Und denkt noch lange nicht ans Aufhören. Jetzt steigt er gar zu höchsten Weihen auf: als Gottvater.

An seinem Geburtstag wird Dieter Hallervorden auf der Bühne stehen: in „Gottes Lebenslauf“.

An seinem Geburtstag wird Dieter Hallervorden auf der Bühne stehen: in „Gottes Lebenslauf“.

Foto: DERDEHMEL / Schlosspark Theater 

Berlin. Palim, palim. Das wird eines Tages vielleicht mal auf dem Grabstein von Dieter Hallervorden stehen. Denn es bringt die ganze Größe dieses Komikers auf den Punkt, wenn nach diesen zwei Worten auch 40 Jahre danach alle Menschen wissen, welcher Sketch gemeint ist – und noch immer darüber lachen können. Als Witzfigur Didi hat Hallervorden ein Millionenpublikum erobert.

Auch wenn er es heute nicht mehr hören kann, wenn man ihn als Didi anspricht. Ist er doch viel mehr als nur der Fernsehblödel. Und doch ist der Mann selbst nicht ganz unschuldig daran. Denn selbst als die Stimme Gottes aus dem Himmel oder doch aus dem Bühnen-Off, wie kürzlich im Musical „Spamalot“ im Schlosspark Theater, streut er gern ein „Palim, Palim“ ein. Eine Duftmarke, ein persönlicher Stempel, damit ihn ja jeder erkennt.

Am Sonnabend wird Hallervorden 85 Jahre alt. Eigentlich kaum zu glauben. Denn noch immer arbeitet er unermüdlich. Und wird auch an seinem Geburtstag auf der Bühne stehen. An seinem Haus, im Schlossparktheater, wo just an diesem Tag „Gottes Lebenslauf“ von Jean-Louis Fournier Premiere hat. Als deutsche Erstaufführung. Übersetzt von Hallervorden, dem Frankophilen, der in der Bretagne ein Schlösschen besitzt. Und die Titelrolle spielt er selbstredend auch.

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Gefeiert wird er aber auch anderswo. Der RBB wiederholte bereits an diesem Donnerstag den Film „Mein wildes Herz – Alles auf Sieg“, und am Geburtstagsabend „Sein letztes Rennen“, wofür er 2014 den Deutschen Filmpreis als bester Hauptdarsteller erhielt. Fans müssen also entscheiden, ob sie ihn live auf der Bühne erleben wollen – oder zur gleichen Zeit im Fernsehen.

Dabei war diese nicht enden wollende Karriere alles andere als vorhersehbar. „Mit dem Gesicht kann man sich nur verstecken“, hieß seine ironische erste Langspielplatte, „mit dem Gesicht“, lautete der Refrain des Lieds, „schafft man es nicht“. Höchstens als Bösewicht in Filmen wie dem berühmten Fernsehspiel „Das Millionenspiel“ (1970). Oder eben als Komiker mit den bizarrsten Grimassen- und Körperverrenkungen.

Hallervorden, 1935 in Dessau geboren, kam zum Studium nach Ost-Berlin, eckte dort aber bald an und flüchtete deshalb mit 22 nach West-Berlin. Politisch immer interessiert, wollte er eigentlich Auslandskorrespondent werden, entdeckte dann aber bald das Kabarett für sich, wo er die Politik ganz anders kommentieren konnte.

Mit 22 flüchtet Dieter Hallervorden nach West-Berlin

Das Max-Reinhardt-Seminar schmetterte ihn zwar wegen „mangelnden Talents“ ab, Hallervorden ließ sich aber nicht entmutigen, spielte zunächst auf kleineren Bühnen in West-Berlin und gründete dann 1960 das bis heute bestehende Kabarett „Die Wühlmäuse“, wo nicht nur seine eigene Karriere begann, sondern auch die vieler anderer deutscher Komödianten.

Ab den 60er-Jahren spielte er dann erste Film- und Fernsehrollen, meist als Gangster. 1969 hatte er seine erste Kinohauptrolle in „Darf ich Sie zur Mutter machen?“, neben seinem fünfjährigen Sohn Dieter Hallervorden jr. und seiner Frau Rotraud Schindler, unter der Regie von Ralf Gregan. 1975 kreierte er dann seine Kunstfigur Didi und landete mit „Nonstop Nonsens“, wieder mit Schindler und Gregan, von 1975 bis 1980 einen Dauer-Quotenhit.

Hallervorden war der legitime Erbe von Michael Pfleghars „Klimbim“, der amerikanische Nonsens-Comedy nach Deutschland gebracht hatte. Und Didi wurde – neben Otto (Waalckes) – zu einem der Urväter der deutschen Comedy. Sketche über die Kuh Elsa oder das „Schnief Schnief di Schneuf“-Konzert mitten auf der Straße haben sich tief ins Gedächtnis gebrannt. Und wenn jemand mit gespieltem Entrüsten „Ins Hotel?“ fragt, hat jeder die Reaktion parat: „Was denn, 150 Mark?“ Auch in Euro-Zeiten noch ein sicherer Lacher.

Bierernste Worte in Zeiten von Corona

Doch obwohl Hallervorden damit der endgültige Durchbruch gelang, „Nonstop Nonsens“ ihm das Schloss in der Bretagne finanzierte und Didi in den 80ern auch noch zu Kino-Ehren kam: Einmal Didi, immer Didi – damit wollte der Schauspieler sich nicht zufrieden geben. 1992 kehrte er mit Sendungen wie „Hallervordens Spott-Light“ zum politischen Kabarett zurück.

Und 2009 erfüllte er sich einen langgehegten Traum, in dem er das Schlosspark Theater übernahm und seither auf eigene Kosten zwei Bühnen betreibt. In Steglitz war er denn auch in Charakterrollen zu sehen, wie in Hauptmanns „Vor Sonnenaufgang“, und klassischen Komödien wie Molières „Bürger als Edelmann“. Hallervorden muss freilich auch immer wieder spielen. Denn nur, wenn der Hausherr auf der Bühne steht, ist der Saal getreulich voll.

Auch im Alter ist Dieter Hallervorden noch ein Arbeitstier

Und in einem Alter, in dem andere sich längst in den Ruhestand verabschiedet haben, feierte er seine größten Triumphe mit Filmen wie „Sein letztes Rennen“ als Marathonläufer, der gegen sein Altern anrennt, oder Til Schweigers „Honig im Kopf“ als Demenzkranker, der mit seiner Enkelin ausbüxt. Das Spiel ist sein Lebenselixier. Hallervorden, das bestätigen all seine Freunde, ist ein Arbeitstier. Dieses Spiel-Gen hat er auch weitergegeben: an seinen jüngsten Sohn Johannes Hallervorden, der nur sieben Tage nach dem 85. des Vaters 22 wird.

Schon an seinem 80. stand Hallervorden auf der Bühne. Mit seinem Gott zum 85. setzt er dem noch eins drauf. Und greift zum Allerhöchsten, in der ihm eigenen ironischen Art. Er kann aber auch ganz anders: Zu Beginn der Corona-Krise setzte er sich als einer der Ersten bierernst und lautstark dafür ein, dass die Politik bei der Krisenbewältigung die Kultureinrichtungen nicht vergisst.